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Archiv des «Boten vom Untersee und Rhein» digitalisiert

Thurgau – Als erste Thurgauer Zeitung ist der «Bote vom Untersee und Rhein» vollständig online zugänglich. Ermöglicht haben dies die Druckerei Steckborn, die Kantonsbibliothek Thurgau und die Schweizerische Nationalbibliothek in einem gemeinsamen Projekt.

Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann, Verleger Martin Keller und Projektleiterin Joana Keller vor der Druckerei Steckborn. (Bild:zvg)

Wer wissen möchte, was in der ersten Ausgabe der in Steckborn angesiedelten Regionalzeitung «Bote vom Untersee und Rhein» vom 22. Dezember 1900 stand, wie 1963 über die «Seegfrörni» oder 1999 über das Jahrhunderthochwasser berichtet wurde, muss dafür nicht mehr ins Archiv der Druckerei Steckborn oder der Kantonsbibliothek, um dort Seite für Seite durchzublättern. Über die Website www.botearchive.ch stehen ab sofort sämtliche zwischen 1900 und 2016 erschienenen Ausgaben der Regionalzeitung zur Verfügung, kostenfrei und ohne Anmeldung.

Kostbare Originale werden geschont
Die Idee, den «Boten» digital zur Verfügung zu stellen, kam Geschäftsführer Martin Keller angesichts des diesjährigen 125-Jahr-Jubiläums der Druckerei Steckborn, die er in der vierten Generation leitet. Seine Zeitung erreicht mit einer Auflage von knapp 5 000 Exemplaren zweimal wöchentlich rund 12 000 Leserinnen und Leser und ist damit das wichtigste Informationsmittel der Region. Mit Kantonsbibliothekar Bernhard Bertelmann fand Keller gleich nach der Kontaktaufnahme einen Unterstützer für seine Idee. Gemäss ihrem gesetzlichen Auftrag sammelt die Kantonsbibliothek sämtliche den Kanton Thurgau betreffenden Publikationen – darunter auch alle jemals erschienen Zeitungstitel der Region – und macht diese der Öffentlichkeit zugänglich. Bis anhin beschränkte sich dieser Zugang zu den Thurgauer Zeitungen auf die vollständige Sammlung der physischen Zeitungsausgaben sowie Mikrofilme einiger Titel, die in erster Linie die Langzeiterhaltung der Zeitungen garantieren. Die Digitalisierung von Zeitungen hingegen ermöglicht nebst dem orts- und zeitunabhängigen Zugang mittels optischer Zeichenerkennung (OCR) die Volltextsuche und damit weitaus komfortablere Recherchemöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit. Zugleich werden durch den digitalen Zugang die kostbaren Originale geschont – nebst der Druckerei Steckborn besitzen lediglich die Kantons- und die Nationalbibliothek einen vollständigen Satz des «Boten» –, die möglichst unbeschadet erhalten bleiben sollen.

Mit der Schweizerischen Nationalbibliothek wurde eine weitere Institution ins Projektteam geholt. Analog zu den Kantonsbibliotheken auf der kantonalen Ebene hat diese den gesetzlichen Auftrag, Schweizer Publikationen zu sammeln und den Zugang dazu langfristig zu garantieren. Nebst wertvoller Erfahrung mit grossen Digitalisierungsprojekten stellt die Nationalbibliothek mit ihrer Zeitungsplattform «Schweizer Presse Online» auch die geeignete Infrastruktur für die Digitalisierung von Schweizer Zeitungen zur Verfügung und unterstützt kantonale Partner bei der Umsetzung von Zeitungsdigitalisierungsprojekten. An den Projektkosten von insgesamt rund 80 000 Franken beteiligten sich nebst den drei organisierenden Institutionen der Thurgauer Lotteriefonds, die Stadt Steckborn sowie die lokalen Stiftungen Hausmann und Ortsbild.

Seite für Seite
Unter der Leitung von Joana Keller, die in der Kantonsbibliothek für die historischen Bestände und Sammlungen verantwortlich ist, wurde der Bote-Bestand der Kantonsbibliothek Thurgau der Jahre 1900 bis 2016 auf seine Vollständigkeit geprüft. Fehlende oder beschädigte Ausgaben oder Einzelseiten wurden mit Ausgaben der Druckerei Steckborn oder der Nationalbibliothek ergänzt. Um qualitativ einwandfreie Digitalisate zur erhalten, wurden die jeweils jahrgangsweise zu Bänden zusammengebundenen Zeitungen am Buchrücken geöffnet und anschliessend Seite für Seite digitalisiert. Nach der Digitalisierung erfolgte die Segmentierung und Strukturierung der Dateien, die Bearbeitung mit OCR und abschliessend der Upload auf die von der Nationalbibliothek zur Verfügung gestellte Zeitschriftenplattform. Zukünftig erscheinende Ausgaben des «Boten» werden in digitaler Form nachgereicht und jeweils nach einem Jahr hochgeladen.

Damit steht der Öffentlichkeit nun das vollständige Archiv des «Boten» digital zur Verfügung. Jede Ausgabe kann bequem von zuhause aus am Bildschirm durchgeblättert und als PDF-Datei heruntergeladen oder ausgedruckt werden. Einfache Bearbeitungsmöglichkeiten erlauben das Vergrössern einzelner Seiten und das Ausschneiden ausgewählter Bereiche. Via E-Mail, Facebook oder Twitter können die Ergebnisse geteilt werden. Die gesamte Zeitung ist im Volltext durchsuchbar, wobei die Suche über einen beliebigen Zeitraum ausgedehnt und auf die übrigen derzeit 48 verfügbaren Zeitungstitel, die auf «Schweizer Presse Online» zur Verfügung stehen, ausgeweitet werden kann. Ein im kommenden Frühjahr anstehender Wechsel des Providers wird die Bedienung der Seite weiter vereinfachen und zusätzliche Bearbeitungsmöglichkeiten mit sich bringen.

Die physischen Zeitungen wurden wieder eingebunden und lagern nun wieder sicher im Magazin der Kantonsbibliothek. Das Projektteam freut sich auf eine rege Nutzung des neuen Angebots und hofft, mit dem ersten Thurgauer Zeitungsdigitalisierungsprojekt Signalwirkung auf andere Zeitungsherausgeber im Kanton zu haben. Denn diese allein sind als Inhaber der Urheberrechte an ihren Zeitungen unter dem geltenden Urheberrechtsgesetz berechtigt, über eine Digitalisierung zu entscheiden und Öffentlichkeit und Forschung damit einen äusserst wertvollen Dienst zu erweisen.

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