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Musik ist das Tor zum Himmel …

Kreuzlingen – ... und sie hat den Schlüssel: Die beliebte Musiklehrerin Manuela Eichenlaub tritt in ihren Ferien mit international renommierten Ensembles auf und bringt Laien- wie Profichöre als Dirigentin zum musikalischen High. Doch in ihrer Freizeit geniesst sie die Stille.

Manuela Eichenlaub am Flügel in ihrem Wohnzimmer. (Bild: Stefan Böker)

Manuela Eichenlaub hat in der Musik ihre Berufung gefunden. Dabei stammt sie aus einem eher unmusikalischen Elternhaus: Ihr Vater ist Ingenieur und Nebenerwerbswinzer. «Ich habe meine Eltern als Kind angefleht, Unterricht zu bekommen», erzählt die ehemalige Weinprinzessin. Mit neun Jahren durfte sie dann Klavier lernen, später kamen die Orgel, die Geige und weitere Instrumente dazu. Mit 19 Jahren bestand sie die Aufnahmeprüfung für ein Studium der Schulmusik und Germanistik in Karlsruhe mit Klavier und Gesang als Hauptfächern. «Dank intensiver Vorbereitung über Monate mit einer sehr guten Lehrerin habe ich das geschafft», erinnert sie sich. Denn mit der Musik sei das so eine Sache: «Eigentlich habe ich mit neun Jahren schon zu spät angefangen. Es heisst nicht umsonst: «Use it or lose it.»

Aus der Nachzüglerin wurde eine Überfliegerin. Die Sängerin gibt rund 40 Konzerte rund um den Globus pro Jahr. Mit professionellen Ensembles probt sie dabei projektweise kurz vor dem Auftritt, damit das Engagement mit dem Beruf vereinbar ist.

Unter anderem bereiste die talentierte Musikerin als Mitglied des Stuttgarter Kammerchors kürzlich Israel. Beim von Arabern, Christen und Juden gemeinsam organisierten Festival im 7000-Seelen-Dorf Abu-Gosh gab es sehr emotionale Reaktionen. «Menschen weinten, jubelten, fielen uns um den Hals», erinnert sie sich an bewegende Momente auf einer Bühne im dortigen Benediktinerinnenkloster. Ein weiterer Höhepunkt ihrer Karriere sei das Konzert zur Eröffnung der Opernsaison 2015 in Tel Aviv gewesen. «Wir als deutscher Chor stimmten die israelische Nationalhymne an. Da konnte ich beinahe nicht mehr singen vor Rührung. 70 Jahre nachdem so schreckliche Dinge passiert sind wurden wir gefeiert und beklatscht – ein eindrückliches Beispiel für Musik als Botschafterin des Friedens.»

Als Dirigentin begann sie 2013 ein neues Studium. Da wohnte sie bereits seit sechs Jahren in Kreuzlingen und wollte eine berufliche Verbesserung erlangen. Die gestandene Musikerin leitete den Campus-Kammerchor, den Kirchenchor in Weinfelden und hatte Oratorien mit 100 Personen dirigiert. «Das kam mir bei der Aufnahmeprüfung zugute», ist sie sich sicher. «Denn für das Dirigierstudium werden bevorzugt erfahrenere Musikerinnen aufgenommen.» Zu ihrer eigenen Verwunderung bestand sie die Aufnahmeprüfung zum Specialized-Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Chorleitung an der Hochschule der Künste in Zürich. Diesen schloss sie 2015 als bisher einzige Frau ab.

Botschafterin der Klassik
Egal ob mit Laien oder Profis: Wenn die Leute mitziehen und der Funke überspringt, dann sei «Musik wie eine Droge», gesteht die Chorleiterin. «Das ist so ein tolles Gefühl, wenn alles harmoniert. Ich bin mir sicher, da geschieht etwas Höheres.» Zusammen mit den begeisterten Rückmeldungen, die sie oft erhalte, und dem Applaus seien das Empfindungen, die süchtig machen.

Die Lehrerin der Pädagogischen Maturitätsschule ist zudem im Vorstand der Gesellschaft für Musik und Literatur. Ihr Ziel ist es, ihren Schülern Klassik näher zu bringen. Eichenlaub: «Wir besuchen vier Veranstaltungen pro Jahr. Die Werke hören wir zuvor im Unterricht gezielt an, analysieren Sätze oder spielen mitunter auch nach.» So wird den PMSlern am 10. November der Besuch eines A-Capella-Konzertes ermöglicht (siehe unten).

Auf ihre Freizeit hat die Musik ebenfalls einen Einfluss – wenn auch eher in der Form der Absenz. Zwar konzipierte sie ihr Haus derart, dass nächtliches Musizieren möglich ist ohne die Nachbarn zu stören. Es finden sogar Hauskonzerte statt, der erste Anlass mit 35 Gästen und zwei bekannten Musikern war ein voller Erfolg. Doch privat hört Manuela Eichenlaub niemals Musik, weder beim Kochen noch beim Joggen oder Autofahren. Auf den Einbau einer Musikanlage in ihr Wohnzimmer verzichtete sie. «Überall ist heutzutage Gedudel», kritisiert sie. «Und ich kann nur ganz oder gar nicht Musik hören. Sofort analysiere ich im Kopf, was da vor sich geht, und dann kann ich mich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Deswegen geniesse ich oft einfach die Stille. Das ist meine Déformation professionelle.»

Konzert mit «Singer Pur»
Die Gesellschaft für Musik und Literatur bringt mit ihrem zweiten ABO-Konzert das Vokalensemble «Singer Pur» zu Gehör. Der Auftritt des Sextetts steht unter dem Motto «Treumlicht» und beinhaltet geistliche Motetten und Lieder der deutschen Romantik von Brahms, Liszt, Mendelssohn, Schubert oder Strauss. Beginn ist am Freitag, 10. November, 20 Uhr, in der Evangelischen Kirche Kreuzlingen.

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