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Die Ruhe der Nacht dient dem Schreiben

Ermatingen – Andrea Kayser arbeitet bei Obvita, die Organisation des Ostschweizerischen Blindenfürsorgeverein, Margit Koemeda führt eine Praxis für Psychotherapie. Beide leben in Ermatingen und kennen sich schon seit zwanzig Jahren. Zusammen haben sie nun einen fiktiven Dialog zweier Frauen geschrieben, der all die Themen des Alltags humorvoll beleuchtet – Männer, Kinder, Zicken im Büro. Die Buchpremiere findet am Samstag, 18. November, um 17 Uhr im Vionorama, Hauptstrasse 62, in Ermatingen statt.

 

Andrea Kayser und Margit Koemeda haben gemeinsam das Buch «Mail-Match-Ing» geschrieben.

KreuzlingerZeitung: Wie kamen Sie beide auf die Idee, ein gemeinsames Buch zu verfassen?
Andrea Kayser:
Wir haben uns privat seit Jahren via Mail ausgetauscht und dabei die Freiheit, die ein E-Mail-Verkehr anbietet, genossen: Schreiben wann und wie viel man möchte und dann im Posteingang auf Antwort warten. Auch in der Nacht! Und wir haben viel gelacht dabei.
Margit Koemeda: Uns interessieren die durch die neuen Medien veränderten Kommunikationsmöglichkeiten. E-Mails und Whats-Apps hatten den Reiz, dass wir einander Dinge mitteilen konnten, die den Rahmen unserer streng getakteten Berufstätige-Mütter-Realität gesprengt hätten. Wir wollten diese Intensität und Dichte systematisch ausloten und starteten fiktive Dialoge. Das Konzept ging auf, machte uns Spass und so entstand bald die Idee, einige dieser Texte zu einem Buch zu verweben.

Wie lange kennen Sie sich, seit wann sind Sie befreundet und ist Ihre Freundschaft vergleichbar zu der im Buch?
Andrea Kayser:
Wir haben uns über unsere Kinder kennen gelernt und sind stets in Verbindung geblieben.
Margit Koemeda: Wir kennen uns seit über zwanzig Jahren. Unsere Freundschaft ist im Prinzip der im Buch vergleichbar.

Haben Sie abwechselnd geschrieben? Wenn ja, wer von Ihnen ist Roberta, wer Denise? Wenn nein, wie ist der Dialog entstanden?
Andrea Kayser: Eine schrieb den Part der Roberta, Denise antwortete und umgekehrt. So entwickelte sich ein fiktiver Dialog, der von den Charakteren der Protagonistinnen geprägt wurde. Roberta und Denise haben von Anfang an ein starkes Eigenleben geführt. Alle Personen sind frei erfunden und wir wurden oft selbst von den Handlungen überrascht.
Margit Koemeda: Wer welche der beiden Frauen geschrieben hat, erscheint uns nicht wirklich bedeutsam.

Sind das Themen, mit denen Sie auch im wahren Leben zu tun haben: Beziehungsprobleme, Kindererziehung, biestige Kolleginnen?
Andrea Kayser:
Wer hat nicht mit solchen Themen zu tun heutzutage oder kennt etwas Entsprechendes aus seinem Umfeld? Genau darum ging es uns: aufzuzeigen, welche Schwierigkeiten uns das Leben so aufzwingt und wie Roberta und Denise es schaffen, trotzdem den Humor zu behalten und sich und die Welt nicht immer so ernst zu nehmen. Und wie wichtig es ist, sich mitteilen zu können, auch wenn dieser Austausch nicht immer ganz konfliktfrei ist.
Margit Koemeda: Die konkreten Inhalte sind erfunden. Die Themen berühren uns Autorinnen allerdings schon, so, wie wir hoffen, dass sie auch unseren Lesern und Leserinnen gleichermaßen vertraut und interessant vorkommen könnten.

Woher kommt der Subtitel «Neun Etüden für Schlaflose»? Ist Mail-Matching eine Einschlaflektüre?
Andrea Kayser:
Jedes Buch möchte gelesen werden, wann und wo auch immer, das ist doch eigentlich das Wichtigste.
Margit Koemeda: Wir möchten den Titel gerne so verstanden wissen, dass frau nachts Vorbereitungen trifft, übt, Techniken entwickelt, um tagsüber dann «Sonaten» und «Konzerte» zu spielen.

Ist es ein Frauenbuch?
Andrea Kayser:
Es wurde von zwei Frauen geschrieben, insofern ist es ein Frauenbuch.
Margit Koemeda: Als Leser wünschen wir uns aber Männer und Frauen. Und nach ersten Rückmeldungen liegt das Verhältnis von Männern zu Frauen derzeit bei 3:1, was uns sehr freut. Einer hat uns verraten, dass es «ihn einfach mal wundergenommen habe, was Frauen so miteinander reden».

Und gibt es eine Fortsetzung? Werden Sie weiter schreiben?
Andrea Kayser:
Fest geplant ist im Moment noch nichts. Wenn ich Lust zu schreiben habe oder eine Geschichte in meinem Kopf Gestalt annehmen will, schreibe ich sie auf – das kann mitten in der Nacht sein oder bei 35 Grad. Und wenn dabei eine gute Erzählung herauskommt, macht mich das glücklich.
Margit Koemeda: Wir schliessen nicht aus, dass wir in näherer Zukunft an die Gespräche von Roberta und Denise anknüpfen werden. Wir können uns auch eine Verfilmung dieser Dialoge vorstellen.

 

 

Andrea Kaiser / Margit Koemeda
«Mail-Match-Ing
Neun Etüden für Schlaflose»
184 Seiten, Collection Montagnola No 44, 18.90 Euro
ISBN 978-3-7448-8624-6

 

 

 

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