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Tägerwilen rettet die Linie 907

Tägerwilen – Mit überwältigender Mehrheit sprach sich die Tägerwiler Gemeindeversammlung für den Erhalt der Buslinie 907 aus – trotz jährlicher Mehrkosten von 95'000 Franken. Auch alle anderen Geschäfte wurden, teils nach ausführlicher Diskussion, genehmigt.

247 Stimmberechtigte kamen in die Bürgerhalle, also beinahe elf Prozent der gesamten Tägewiler Stimmbevölkerung. (Bild: sb)

Rekordbeteiligung an der Tägerwiler Gemeindeversammlung: Hinten musste man extra bestuhlen, und Gemeindepräsident Markus Thalmann teilte mit: «So voll ist es in meiner Amtszeit noch nie gewesen.» Diese dauert immerhin schon über 22 Jahre an.

Viel Gesprächsbedarf erforderten die drei «grossen» Traktanden, die beiden Landgeschäften und der Antrag über die Zukunft der Buslinie 907. So kritisierten Stimmbürger, dass die Gemeinde mit dem Vorhaben «Roosegarten» in die freie Marktwirtschaft eingreift. Die Gemeinde wird Land an drei noch auszuwählende Familien verkaufen, die sich dort den Traum vom Eigenheim erfüllen können. Auf dem freien Markt würde das Land wohl mehr Erlös bringen als 600 Franken pro Quadratmeter, waren sich Kritiker sicher. Ausgeschrieben wird der Verkauf nicht, auch das wurde kritisiert. Es hat gemäss Gemeindepräsident Thalmann bereits passende Bewerbungen und der Gemeinderat traue sich zu, die Auswahl «nach bestem Wissen und Gewissen» zu erledigen. Von den Stimmbürgern forderte Thalmann Vertrauen und erhielt dies auch grossmehrheitlich.

Der 907er zählte im Jahr 2016 genau 172’600 Einsteiger, davon rund 50’000 aus Tägerwilen. (Bild: sb)

Gegen die Einzonung von Bauernland zur Zone für öffentliche Bauten und Anlagen und dessen nachfolgenden Kauf durch die Gemeinde bei der Kompostieranlage argumentierten vor allem Otto Egloff, Peter Bär und Bruno Schlauri. Während das Geschäft für den Gemeinderat eine vorausschauende Investition in die Zukunft darstellt, sahen die Kritiker kein öffentliches Interesse. Vorausschauend planen könne in der Boomtown Tägerwilen auch mal heissen, «auf das Bremspedal zu drücken», brachte es Bär mit Hinblick auf den Wachstum in den vergangenen Jahre auf den Punkt. Dieser geht manchen im Dorf zu schnell.

Hintergrund des Landgeschäfts, das teilte Gemeindepräsident Thalmann mit, waren Einsprachen gegen das Bauvorhaben der Mowag. Mit dem Landkauf konnte eine Übereinkunft mit einem Einsprecher gefunden werden, sodass keine Gefahr mehr besteht, die Expansion des Unternehmens zu verzögern. Letztendlich folgten 131 Stimmberechtigte dem gemeinderätlichen Antrag, bei 109 Gegenstimmen.

Die überwältigende Mehrheit von 208 Ja- zu 30 Nein- Stimmen sprach sich für die Beibehaltung der Linie 907 mit neuer Linienführung (wir berichteten) aus. Die Voten brachen allesamt eine Lanze für den ÖV, unter anderem von Elfie Ehrat und Reto Oberhänsli. Nur acht Tägerwiler hätten einen eigenen Dorfbus mit abgespeckterem Takt befürwortet.

Das Budget 2018 mit einem Minus von 380’000 Franken wurde grossmehrheitlich, der gleichbleibende Steuerfuss von 35 Prozent einstimmig genehmigt. Einen Antrag, die Kosten für die Sanierung des Pistolenschützenstandes aus dem Budget zu kippen, verwarfen zwei Drittel der Anwesenden. Acht Personen wurden eingebürgert. Die Versammlung winkte ausserdem den Kredit von etwas über 2,1 Millionen Franken für die Sanierung der Hauptstrasse durch.

Stadtrat Ernst Zülle freut sich über den Tägerwiler Entscheid. (Bild: sb)

Freude in Kreuzlingen
In Kreuzlingen freut man sich über das Bekenntnis zum ÖV, sagte der Kreuzlinger Stadtrat Ernst Zülle auf Anfrage. Auch Kreuzlingen wird Geld sprechen müssen, um seinen Teil zur Erhaltung der Buslinie beizutragen und den wegfallenden Kantonsbeitrag auszugleichen. Für die Stadt falle ab 2019 ein Betrag von rund 265’000 anstatt 165’000 Franken an, so Zülle. «Wie bereits 2014 werden wir für die jährlich wiederkehrenden Kosten eine Botschaft an den Gemeinderat machen. Im Budgetprozess 2019 werden wir diese Kosten im Budget dann entsprechend berücksichtigen. Voraussichtlich werden wir im Mai 2018 mit dieser Botschaft in den Gemeinderat gelangen», kündigte der Stadtrat an.

Vorkaufsrecht genutzt
Bezüglich eines Immobiliengeschäfts musste sich der Gemeinderat rechtfertigen: Die Gemeinde hatte dem Tägerwiler Verleger Christian Rosenberg ermöglicht, das Zollhaus am Gottlieber Zoll zu kaufen, indem sie ihr Vorkaufsrecht ausspielte. Es auf den Mann zu übertragen, sei nicht möglich gewesen, so Gemeindepräsident Thalmann. Thalmann argumentierte mit Wirtschaftsförderung. Zudem sei durch den neuen Besitzer der Erhalt des Restaurants Trompeterschlössle gesichert. Rechtlich sei es nicht nötig gewesen, die Gemeindeversammlung um Erlaubnis zu fragen.

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