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Riesenpappel ist stark verwurzelt

Konstanz – Bürger aus Kreuzlingen und Konstanzer wollen verhindern, dass die bekannte «Turnschuhpappel» am Seerhein gefällt wird. Ein Experte bescheinigt ihnen: Der Kultbaum ist stand- und bruchsicher, wenn man ihn pflegt.

Baumspezialist Fabian Dietrich vor der «Turnschuhpappel». (Bild: sb)

Fabian Dietrich kam extra vom Thuner See hergefahren, um die Pappel unter die Lupe zu nehmen. Vor rund 40 Personen teilte der Baumpflegespezialist am Montag das Fazit seiner Untersuchung mit: Der Allgemeinzustand des 90 Jahre alten, vitalen Baums sei sehr gut. Mit geeigneten Pflegemassnahmen könne Dietrich Standsicherheit ebenso wie Bruchsicherheit gewährleisten. «Der Ast über der Strasse muss gesichert werden. Auch empfehle ich eine Kronenpflege, damit kein Totholz herunterfallen kann, sowie einen Entlastungsschnitt über der Strasse und über den Booten», sagte er. Die Arbeiten müssten aber noch diesen Winter oder im Frühjahr erledigt werden.

Unbedingt erhaltenswert
Auch sollte die Stadt Reste einer alten Mauer entfernen, weil die grossen Steine im Uferbereich den Wachstum des 27 Meter hohen Baumes mit einem Stammumfang von 6,40 Meter hindern. Der Baum solle jährlich kontrolliert werden. Eine Kronensicherung alle drei Jahre sowie eine Baumpflege alle fünf Jahre sei notwendig. Dann bescheinigt Dietrich der Pappel eine lange Lebenserwartung.

In den Ästen des mächtigen Baumes hängen Turnschuhe. (Bild: sb)

Stadtbekannter Gigant
In Konstanz ist der Riese als «Turnschuhpappel» bekannt, weil zahlreiche an den Schnürsenkeln verknotete Schuhe in seinen Ästen hängen – ein schnurriger Anblick, den viele Spaziergänger liebgewonnen haben. Insekten und Vögeln ist dieser weit und breit grösste Baum am Konstanzer Winterersteig zudem ein wichtiger Lebensraum. Sein ökologischer Wert ist denn auch ein weiteres Argument, dass dagegen spricht, ihn zu fällen. «Gerade diese knorrigen Bäume mit Löchern und Hohlstellen sind für Tiere interessant», sagte der Baumspezialist.

Die Konstanzer Stadtverwaltung möchte den Baum indes lieber heute als morgen fällen, da er angeblich nicht sturmsicher sei. Dagegen kämpft die Bürgerinitiative, welche sich schon für den Erhalt der Pappelallee im Tägermoos stark gemacht hat, zusammen mit dem Thurgauer WWF und Kantonsrat Jost Rüegg (wir berichteten). Die Fällung von 41 Pappeln rief 2015 grosse Proteste hervor. Auch damals bot die Bürgerinitiative Baumpfleger Fabian Dietrich als unabhängigen Spezialisten auf.

Lenkt die Konstanzer Stadtverwaltung nicht ein, wollen sich die Baumfreunde an den Stamm ketten, um den Baum zu retten, ist auf dem «Konstanzerblog» zu lesen.

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