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Thurgau im Schatten der Grossen

Kreuzlingen – Am Mittwoch, 10. Januar, präsentierte Ueli Gubler den ersten Teil seiner VHS-Vortragsreihe «Die Geschichte des Thurgaus in 100 Bildern». Das Interesse der Kreuzlinger Bevölkerung war überraschend gross.

Das Kloster St. Gallen nahm stets Einfluss auf den Thurgau. (Bild: zvg)

Schon im Vorgespräch mit der Kreuzlinger Zeitung stellte Gubler eines klar: «Der Thurgau hat keine eigene Geschichte, er wurde immer von aussen geprägt». Dieses Statement wurde im Vortrag von Beginn an bestätigt. Mit anschaulichen Karten zeigt der Referent, dass der Thurgau mit seinen angrenzenden Städten Winterthur, Zürich, Konstanz und St. Gallen stets im Schatten grosser Machthaber stand. Dies sei auch der Grund dafür, dass die Thurgauer wenig über «ihre» Geschichte wissen.

Gubler, ehemaliger Gemeindepräsident der Stadt Stettfurt, hat sich genau diesen Fragen angenommen: Warum wissen wir nichts über unseren Kanton? Haben wir eine eigene Geschichte? Einige Jahrzehnte sammelte er alle möglichen verwertbaren geschichtlichen Hinweise zur Region um sie zusammen zu tragen.

Wer öde zeitliche Abhandlungen erwartete, hat sich schnell gewundert, wie unterhaltsam und lebendig die Vergangenheit sein kann. Gubler, von Beruf Ingenieur, schaffte es mit seiner humorvollen Art und der ein oder anderen Anekdote auch Besucher in der letzten Reihe zum Schmunzeln zu bringen. Rund zwei Stunden referierte Gubler über erste Völkerwanderungen in Richtung Schweiz und Thurgau, bis hin zu den Geschehnissen im 13. Jahrhundert. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf der Zeit ab 744 nach Christus, als die Region zum ersten Mal als Pagus Durgaugensis erwähnt wurde.

Gubler nahm sich Zeit, Details des Gesellschaftslebens zu beschreiben. So erfuhren die Hörer beispielsweise, dass man Einwanderungswellen anhand von Endungen der Städte- beziehungsweise Dörfernamen feststellen kann: In vielen Städten die mit -ingen enden, siedelten sich die ersten Menschen circa im Jahre 260 nach Christus an, während Städte und Dörfer mit den Endungen -hausen und -hofen eher um 500 besiedelt wurden. Die Details machten es möglich, die Geschichte für jeden greifbar und interessant zu machen. Wissenswert ist auch, dass die Region im 13. Jahhundert aus 150 Herrschaften bestand, die verschiedenen Herren unterstellt waren. «Man war vorm eigenen Nachbarn nicht mehr sicher, alle bauten Burgen und Schlösser», so Gubler.

Die Basis des Vortrags bildet Gublers Buch «Geschichte und Geschichten rund um den Thurgau», das im Herbst 2017 veröffentlicht wurde und bereits vergriffen ist. Es soll jedoch eine zweite Auflage erscheinen, die man bei ihm persönlich vorbestellen kann. Der zweite Teil des Vortrags findet am Mittwoch, 17. Januar, um 19.30 Uhr im Torggel Rosenegg statt. Die Fortsetzung wird sich thematisch mit dem 13. Jahrhundert bis hin zur Entstehung des Kantons Thurgau im Jahr 1803 befassen.

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