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Das Tischlein deckt sich im Trösch

Kreuzlingen – Der Verein «Tischlein deck dich» rettet Lebensmittel vor dem Kübel und gibt sie schweizweit an Bedürftige ab, seit 26. Oktober erstmals auch in Kreuzlingen. Das Freiwilligenprojekt im Trösch funktioniert gut und die Bezüger schätzen den Einsatz.

Beim Beschriften der Lebensmittel ist Mitdenken angesagt. (Bilder: sb)

Gratis sind die Lebensmittel nicht, die Freiwillige jeden Donnerstagmorgen aus dem LKW holen und auf Tischen im grossen Saal auslegen. Denn um das Angebot des Vereins «Tischlein deck dich» zu nutzen, müssen Interessierte einen Franken als symbolischen Preis ins Kässeli legen. Eine kleine Geste, die jedoch einen grossen Unterschied macht, findet Projektinitiatorin Monika Roell. «So entsteht ein Einkaufserlebnis.»

Ihr Team ist zu zehnt im Einsatz. Die Helferinnen tragen Kisten herein, schneiden Pakete auf und teilen die Ware neu auf. Die Cafeteria des Tröschs füllt sich derweil mit den «Kunden». «Das Feedback aufs Tischlein war von Anfang an grossartig», berichtet ihr Bruder Christof. «Man merkt, dass die Menschen gerne kommen und die Begegnungen und Gespräche schätzen». Auch die Freiwilligen haben sichtlich Spass an ihrer Arbeit. Viele sind Mitglieder des Rotary Clubs oder Bekannte der Roells. Getrödelt wird nicht, stattdessen ist Mitdenken beim Kommissionieren angesagt.

Hier wird mitangepackt: Die Frauen helfen beim Ausladen.

Wenn Obst, Gemüse und Kräuter, die Getränke, das Brot und die Süssigkeiten schliesslich appetitlich auf den Tischen liegen, die Kühlschränke mit Milchprodukten, Fleisch und frischer Pasta gefüllt sind und die Tiefkühlsachen in der Box lagern, ist es Zeit, die Waren mit Zetteln zu beschriften: So viel darf jede Person mitnehmen. Manche Produkte werden für Familien reserviert.

Einzeln führen die Frauen in den roten Tischlein-Hemden die Bezüger durch den Raum. Mehr als 30 Personen aus Kreuzlingen und der Umgebung kommen derzeit jede Woche. Die meisten haben Kühltaschen dabei, und falls nicht, gibt es am Empfang welche. Dort prüft Christof Roell zu allererst die befristete Berechtigungskarte. Diese erlaubt Menschen, die am Existenzminimum leben, am Projekt teilzunehmen. Beantragen kann man die Karte nicht nur beim Sozialamt, sondern auch bei weiteren sozialen Fachstellen wie Pro Senectute oder Perspektive. Im Büro der Winterhilfe in Frauenfeld laufen die Fäden, sprich: Anträge, dann zusammen. Eine Karte gilt maximal für ein Jahr und kann nicht nur für eine Person, sondern auch für ganze Familien gelten. Die Fachstellen sind auch damit beauftragt, zu prüfen, ob der Bedarf nach Ablauf der Frist weiterhin besteht.

Dank der guten Infrastruktur im Trösch – bewegliche Kühlschränke, viel Raum, kurzer Anlieferungsweg – und dem professionellen Support des Vereins funktioniert die wöchentliche Abgabe reibungslos, sagt Monika Roell. Sie betont: «Neben dem sozialen Aspekt geht es hauptsächlich darum, etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun.» Denn immer mehr Essen wird heutzutage weggeschmissen, auch wenn es eigentlich noch einwandfrei ist. Rund zwei Millionen Tonnen sind dies in der Schweiz jedes Jahr.

Danach wird die Ware sortiert: Monika Roell (r.) im Einsatz.

So kommt es, dass die Partner vom «Tischlein», etwa Coop, Lebensmittel spenden. Ins Trösch werden diese per Kühlfahrzeug aus dem Logistikzentrum des Vereins in Winterthur geliefert. Auf dem Weg legen die Fahrer zusätzlich Stopps bei Grossverteilern wie Lidl ein. Aber auch ein ortsansässiger Gemüsebauer habe schon mal abgepackte Kürbisse vorbeigebracht, sagt sie.

Immer etwas Neues
Was auf den Tisch kommt, bleibt deswegen Woche für Woche eine Überraschung. Manchmal sind sogar exotische Leckerbissen darunter. Sehr zur Freude der Bezüger gab es einmal Rinderfilet in grossen Mengen. Und nach Weihnachten lag viel Schokolade auf den Tischen. Das kommt gut an. «Ich finde das Angebot sehr gut und die Stimmung freundlich und respektvoll», lobt eine Kreuzlingerin. Ihr waren zwar die violetten Biokarotten suspekt. Dennoch trafen viele andere Waren ihren Geschmack und zufrieden trägt die Frau zwei Tüten nach Hause.

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