/// Rubrik: Region | Topaktuell

Angehörige sind nicht allein

Thurgau – Demenz fordert Betroffene und Angehörige gleichermassen heraus. In der Kursreihe «EduKation» von Alzheimer Thurgau können sich Angehörige von Menschen mit Demenz gegenseitig austauschen. Und sie erfahren von Expertin Claudia Brüllhardt, wie sie Lebensqualität zurückgewinnen.

Setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen ein gutes Leben führen können: Claudia Brüllhardt. (Bild: zvg)

Schon im alten Griechenland gab es das Krankheitsbild Demenz. Damals habe man es nur nicht so genannt, erklärt Claudia Brüllhardt. Sie stiess vor 30 Jahren in ihrem Beruf als Pflegefachfrau erstmals auf Betroffene: «Ich erlebte damals, wie positiv sie auf Musik, Singen und Bewegung reagierten», erinnert sich Brüllhardt. Diese Erfahrung motivierte sie, sich weiter für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu engagieren. Heute setzt sie ihr Wissen nicht nur in der Leitung der Alterstagesklinik in Weinfelden ein, sondern auch im Vorstand von Alzheimer Thurgau. Zudem betreut sie die Kursreihe «EduKation», in der Angehörige von Menschen mit Demenz den richtigen Umgang mit der Erkrankung ihrer Nächsten erlernen.

Richtig kommunizieren
«Das grösste Anliegen ist mir, die Lebensqualität aller Beteiligten zu verbessern», betont Claudia Brüllhardt. Angehörige von Menschen mit Demenz würden nämlich mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert, bis hin zur Persönlichkeitsveränderung ihrer Bezugsperson. In der Kursreihe «EduKation» lernen Angehörige, wie sie mit den Betroffenen kommunizieren können, wie sie Bedürfnisse erkennen und richtig darauf reagieren. Dadurch komme es zu weniger Konflikten. Ein wichtiger Teil sei auch, auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu achten und sich rechtzeitig Entlastung zu holen. Claudia Brüllhardt ergänzt: «Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen mir, dass sie gestärkt aus dem Kurs hervorgegangen sind – einerseits fachlich, andererseits weil sie gesehen haben, dass sie nicht allein sind. Der Austausch mit anderen Angehörigen hilft.»

Den Schritt wagen
Die positiven Eindrücke werden von verschiedenen Evaluationsstudien bestätigt: Bei Angehörigen, die am Schulungsprogramm teilnahmen, reduzierten sich langfristig Belastungsempfinden, Krankheitshäufigkeit und Depressivität. Claudia Brüllhardt stellt trotzdem fest, dass eine gewisse «Schwellenangst» besteht, die Kurse zu besuchen. Sie will die Angehörigen zu diesem Schritt ermutigen: «Sie tragen dadurch zu einem würdevollen Leben bei – für die Betroffenen und sich selbst.»

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.