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Gottesdienst direkt nach Hause

Kreuzlingen – Die Gemeindeversammlung der evangelischen Kirche Kreuzlingen ebnete den Weg, um Gottesdienste ins Internet zu übertragen. Gleichzeitig sah sie sich mit niedrigen Steuererträgen konfrontiert.

Kirchbürger Walter Studer überzeugte die Kirchgemeindeversammlung erfolgreich davon, mit 20000 Franken ein Projekt zu lancieren, um Gottesdienste direkt aus der Kirche ins Internet zu übertragen. (Bild: ek)

«Gib uns Weisheit, gib uns Mut.» Mit diesem Kirchenlied stimmten sich die 73 evangelischen Kirchbürger auf die Budgetversammlung ein. Zwei Eigenschaften, welche für die Kirchenvorsteherschaft bei der Erstellung ihrer bevorstehenden Ausgaben durchaus von Nöten waren. Denn auch die Kirche spürt den Rückgang der Steuereinnahmen, scheinbar mehr noch als Stadt und Schule. Für das Jahr 2018 rechnen die Reformierten mit 1,6 Mio. Franken aus der Einkommens- und Vermögenssteuer, sieben Prozent weniger als noch für das Budget 2017.
Vize-Kirchenpräsidentin Pascale Wallroth kündigte deshalb auch an, dass jeder Budgetposten im Vorfeld kritisch unter die Lupe genommen wurde. «Trotzdem wollen wir unsere Gemeindeaufgaben wahrnehmen und unsere Liegenschaften pflegen», so Wallroth. Schlussendlich rechnet die Finanzkommission für 2018 mit einem kleinen Aufwandüberschuss von 35939 Franken. Bei der anschliessenden Detailbesprechung der einzelnen Kostenpunkte gab es zahlreiche Fragen und Anregungen, was die Versammlung bis tief in die Nacht andauern liess.

Leute ausserhalb der Kirche erreichen
Besonders Kirchbürger Walter Studer brachte sich dabei mehrmals ein. Sein Vorschlag, die sonntäglichen Gottesdienste direkt ins Internet zu übertragen, stiess dabei auf viel Zustimmung. «Die Leute sind im Internet und nicht in der Kirche», plädierte Studer dafür, die Gottesdienste zu streamen und gleichzeitig eine Kirchen-App zu entwickeln. Ein Anliegen, welches Mesmer Paul Stadelmann unterstützte: «Ich werde ab und zu gefragt, ob es keine Aufnahme des Gottesdienstes gibt.» Auch Pfarrer Damian Brot zeigte sich interessiert am technischen Fortschritt. «Ein richtiger Schritt Richtung Modernisierung», so Brot. Nur wolle der Pfarrer erstmal eine Arbeitsgruppe bilden und ein Konzept ausarbeiten, damit das Geld nicht in einem Schnellschuss verpufft. Der ehemalige Jugendarbeiter Jmerio Pianari gab zu bedenken, dass bloss weil etwas im Internet steht, es noch lange nicht angeschaut wird. «Wir dürfen uns keine Wunder erwarten», so Pianari.

«Für 20000 Franken wird sich so ein Projekt nicht professionell umsetzen und betreiben lassen», gab Thomas Weihrich, Geschäftsführer der Weihrich Informatik AG, zu bedenken. Er schlug vor, erstmals ein Konzept samt Zielsetzung auszuarbeiten. Nach einigem Hin und Her einigte sich die Kirchgemeindeversammlung mit 59 Ja-Stimmen auf einen Projektierungskredit in Höhe von 20000 Franken, um die Möglichkeiten und die Machbarkeit eines Streaming-Angebotes auszuarbeiten.

Der Kragen platzte
Es sollte nicht die letzte Wortmeldung von Walter Studer sein, doch seine restlichen Einwände stiessen auf wenig Wohlwollen. Nachdem er beantragte, 20000 Franken zu sprechen, um die internen Strukturen der Kirchgemeinde von einem externen Experten untersuchen zu lassen, platzte Katechetin Ruth Trippel der Kragen: «Sie scheinen immer alles besser zu wissen, dabei haben Sie keine Ahnung von unseren vielfältigen Aufgaben», so die Votantin. Kirchenpräsident Thomas Leuch erklärte darauf hin, dass im Zuge der Renovation des Kirchgemeindehauses bereits ein Berater hinzugezogen wurde, um die internen Strukturen zu überarbeiten. Jedoch benötige dieser Prozess Zeit. «Wir sind derzeit mit unserem Arbeitspensum am Anschlag», gab Leuch zu bedenken. Mit 60 Nein Stimmen lehnten die Kirchbürgerinnen und -bürger den Budgetantrag ab.

In Anbetracht der finanziell eher angespannten Lage wollte Kirchbürger Hans Meier wissen, weshalb die Löhne um zwei Stufenprozente erhöht werden. Auch die Kirchenvorsteherschaft hinterfrage diese Entwicklung kritisch. «Uns sind die Hände gebunden, die automatischen Lohnerhöhungen gibt uns der Kirchenrat vor», so Pascale Wallroth, Präsidentin der Finanzkommission.

Kirchenpräsident Leuch unterbreitete der Kirchgemeinde das Budget 2018 mit einem neuen Aufwandüberschuss von 55939 Franken und einem unveränderten Steuerfuss von 14 Prozent. «Wir haben es hier immer noch mit einem ausgeglichenen Budget zu tun», gab Leuch zu bedenken. Das sahen auch die Kirchbürger so und genehmigten den Voranschlag mit grosser Mehrheit.

Wahl in die Synode
Zum Schluss stand die Gesamterneuerungswahl für die Evangelische Synode des Kantons Thurgau an. Trotz zwei wilden Kandidaten wurden die bisherigen Mitglieder in die oberste kirchliche Behörde des Kantons gewählt: Bis 2022 sind dies Christian Lohr, Hanspeter Rissi, Kathleen Schwarzenbach, Peter Gysler, Christan Hauser und Martina Brendler.

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