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Arbeitsgruppe statt Zwischennutzung

Kreuzlingen – Der Ruf nach Massnahmen, ist schon lange da: Die Stadt soll etwas gegen leerstehende Ladenflächen unternehmen. Nun stellte diese eine «Nutzungsstrategie» vor, damit Kreuzlingen weiterhin als Detailhandelszentrum und Begegnungsort bestehen kann. Das Vorgehen sorgte im Gemeinderat jedoch für einigen Unmut. Dieser forderte konkrete Massnahmen und keine leeren Worthülsen.

Seit Jahren leerstehende Ladenflächen bieten kein schönes Bild. (Bild: ek)

«Kreuzlingen braucht eine klare Vorwärtsstrategie», gab Stadtrat Thomas Beringer die Parole in Sachen Nutzungsstrategie durch. Alt Stadtpräsident Andreas Netzle hatte in seiner Amtszeit die Firma «Netzwerk Altstadt» beauftragt, eine Nutzungsstrategie für das Kreuzlinger Stadtzentrum zu entwickeln.

Damit sollten die Probleme des Detailhandels und der leerstehenden Ladenflächen im Stadtzentrum systematisch angegangen werden. Bereits im Jahr 2014 erstellte dieselbe Firma eine «Stadtanalyse» und ein «Detailhandelsgutachten», an dem sich der Gewerbeverein beteiligte. Nun präsentierte Beringer, Chef des Departements Dienste, die Resultate der Raumplaner vor dem Gemeinderat.

Aktive Vermarktung
Am jetztigen Strategieprozess beteiligt wurden die Liegenschaftsbesitzer und die Gewerbetreibenden sowie Gastronomen im Stadtzentrum. Mittels Umfragen und Workshops wurden sie um ihre Inputs gebeten, um aus der Nutzungsstrategie geeignete Massnahmen ableiten zu können. Dabei ging es um die Frage, wie das Kreuzlinger Zentrum weiterhin als Detailhandelszentrum und Begegnungsort bestehen kann und was konkret unternommen werden muss, um dies sicherzustellen. Denn zu erwarten sind weitere Herausforderungen, nicht nur wegen der Nähe zu Konstanz sondern auch aufgrund des allgemeinen Wandels der Einkaufsgewohnheiten.

In der Diskussion um konkrete Massnahmen wurde das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Zentrumsmanagement spürbar. Dieses soll sich aktiv um die Vermarktung von Kreuzlingen kümmern, den Dialog zwischen Gewerbe, Eigentümern und Stadt pflegen und beim Marketing beratend mithelfen.

Leerstandsmelder und Platz für coworking
Im November 2017 fällte der Stadtrat auf Basis der erarbeiteten Nutzungsstrategie einen Grundsatzentscheid. Anstatt eine Zwischennutzungsagentur für die leerstehenden Laden- und Gastroflächen zu beauftragen, soll eine Arbeitsgruppe folgende Massnahmen aus dem Zentrumsmanagement umsetzen: Die Einführung eines Leerstandmelders auf der Homepage der Stadt, der Liegenschaftsbesitzer und Interessenten zusammenführt und die Ansiedlung eines coworking-Büros in Kreuzlingen. Damit will die Stadt Pendlern oder Freiberuflern die Infrasturkur eines Arbeitsplatzes zur Verfügung stellen. Zudem steht die Pflege eines kontinuierlichen Dialogs zwischen Gewerbe, Eigentümer und Stadt an mit dem Ziel, Kreuzlingen und Kreuzlinger Produkte besser zu vermarkten und ergänzend alternative Möglichkeiten für leerstehende Ladenflächen (wie beispielsweise Popup-Shops) zu finden. Mit der Umsetzung der genannten Massnahmen wird nach den Sportferien gestartet. Mittel- und langfristig sollen weitere Massnahmen entwickelt und umgesetzt werden.

Keine künstliche Beschleunigung
Doch Beringer mahnte gleichzeitig vor falschen Erwartungen und Vorstellungen: «Die Stadt kann den Prozess nicht künstlich beschleunigen.» Es brauche Zeit und Ausdauer aller Akteure. Deshalb müssten sich in der nun zu bildenden Arbeitsgruppe auch Vertreter aus dem Gewerbe aktiv beteiligen.

Affront an den Detailhandel
Ideen seien genügend vorhanden, wie zum Beispiel leere Schaufenster mit Produkten aus Kreuzlingen zu füllen. Oder die Passanten und Velofahrer mit einem Steg vom See an den Helvetiaplatz zu bringen. Ganz nach dem Motto «Taten statt Worte», so Beringer. Doch gerade die Taten schienen dem Gemeinderat zu fehlen. Der nun geplante Schritt, erst wieder eine Arbeitsgruppe zu bilden, stiess bei einigen Gemeinderäten sauer auf. «Es scheint mir, als würden uns hier ungeheure Plattitüden präsentiert», urteilte Ruedi Herzog (SP) nach dem Vortrag von Beringer. Herzog wollte wissen, wieviel die Analyse gekostet hat. «Rund 25’000 Franken», antwortete Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass und entgegnete, dass ein dickes Dossier mit Substanz erarbeitet wurde. Judith Ricklin (SVP) hakte nach und erfuhr, dass dieser Prozess der Strategiefindung bereits seit drei Jahren in Gange sei.

Der Tenor im Rat war durchwegs kritisch und Marc Portmann (FDP) stimmte darin ein: «Was wir uns hier anhören mussten, war ein Affront an den Detailhandel», so der Geschäftsführer der Urs Portmann Tabakwaren AG. Der Leerstand sei nicht das primäre Problem, viel mehr gebe es in Kreuzlingen keinen Mix an Angeboten. Die Stadt müsse deshalb versuchen, attraktive Ketten oder Detaillisten nach Kreuzlingen zu holen, um grosse Gewerbeflächen zu füllen. Davon könnten dann auch kleinere Läden profitieren. «Diese ganze Planerei bringt uns auch in zehn Jahren nichts», brachte Portmann sein Anliegen auf den Punkt.

Dem konnte Andreas Hebeisen (SP) nur zustimmen, man müsse aus dem planerischen Teufelskreis ausbrechen. «Tut etwas, tut etwas», appelierte er an den Stadtrat und brachte die Idee einer Zwischennutzungsagentur wieder aufs Parkett. Eliana Müller (SP) nutzte die Gelegenheit, um für ihre Aktionsgruppe «kreuzlingen zwischennutzen» zu weibeln. Bis zum 15. Februar sammle diese noch Konzepte, um das Kreuzlinger Zentrum attraktiver und lebendiger zu gestalten.

«Wir sind noch nicht tot»
Die Lage bezüglich leerstehenden Flächen hätte sich in den vergangenen Monaten auf jeden Fall schon entspannt, sagte Beringer Und ganz so düster, wie es ein Bericht im Südkurier an die Wand malt, sei die Lage nicht. Es stünde bei weitem nicht jeder sechste Laden in Kreuzlingen leer. «Wir haben kein Ladensterben», gab sich der Stadtrat kämpferisch, «und wir sind noch lang nicht tot.»

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