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Kultur als Nivellierung

Münsterlingen – Die Kulturangebot in der Psychiatrie Münsterlingen erlaubt der Bevölkerung einen ungenierten Zugang zum Klinikgelände. Dieses Jahr erwartet die Gäste nebst Expertengesprächen auch Tanz und Musik.

Gerhard Dammann, Spitaldirektor der Psychiatrischen Dienste Thurgau und die Kulturbeauftragte Seraina Perini Allemann sorgen dafür, dass auf dem Flügel im Gemeinschaftssaal der Psychiatrie Münsterlingen gespielt wird. (Bild: ek)

«Im Sinne einer offenen Psychiatrie ist für mich klar, dass wir auch die Bevölkerung zu Gast bei uns haben wollen», erklärt Spitaldirektor Gerhard Dammann das Konzept hinter dem Kulturprogramm der Psychiatrie Münsterlingen. Vergangenes Jahr wurden deshalb auch die Expertengespräche für Angehörige mit ins Programm aufgenommen. Obwohl in diesen Gesprächsrunden Suizid oder Burnout Themen sind, stiessen diese auf deutlich mehr Anklang als davor. «Die Mischung mit Film und Theater hat sich bewährt, um den sehr persönlichen Themen die Schwere zu nehmen», zieht Dammann Bilanz. So führt am 29. Mai Herbert Leherr, leitender Arzt im Bereich Abhängigkeitserkrankungen mit Katja Wünsche, erste Solistin beim Ballett Zürich, ein Gespräch. Danach wird der Film über den Ausnahmetänzer Sergei Polunin gezeigt, welcher nach seinem kometenhaften Aufstieg genauso tief stürzte. Über solchen Leistungsdruck wird auch bei der Expertenmeinung am 6. Juni gesprochen. Fachleute, aber auch Jugendliche erzählen, wie sie in Krisensituationen mit Belastung umgehen. Gleich eine Anleitung für den Klinikaufenthalt erteilt am 25. April Peter Schneider. In seinem Inputreferat «Black Box Psyche» nimmt sich der aus Radio und Sonntagspresse bekannte Satiriker und Schriftsteller die Psychiatrien vor.

Begabte und begnadete Musiker
«Junge Talente fördern und eine Plattform bieten», auch darin sieht Seraina Perini Allemann ihre Aufgabe als Kulturbeauftragte der Psychiatrischen Dienste Thurgau. Gleich an der ersten Veranstaltung am 11. März kommen dabei Thurgauer Musikerhoffnungen zum Zug. Schülerinnen und Schüler aus der Kunstklasse der PMS spielen an einer Matinée Werke alter Meister. «Dann kommt auch endlich wieder einmal unser Flügel zum Einsatz», sagt Dammann mit Blick auf den Steinway, der im grossen Gemeinschaftsaal der Psychiatrie steht.
Dieser kommt wohl auch in Schwingung, wenn am 22. September die Jazz-Band «Mare nostrum» ihr Set spielt. «Drei Jahre hat es gedauert, bis das Trio zu uns nach Münsterlingen kommt», freut sich Perini Allemann über den Besuch der Jazzgrössen.

Tanz ist Therapie
Eine Grösse in ihrer Szene ist auch das Bundesjugendballett aus Hamburg. Bereits zum fünften Mal kommen die jungen Talente aus allen Ecken der Welt an den Bodensee, um sich eine Woche lang auf ihre Auftritte vorzubereiten. Gleichzeitig finden Workshops und Kurse mit Patienten statt. «Tanz passt einfach in die Psychiatrie. Die Kunstform ist fragil, extrem und gleichzeitig pickelhart», zieht der Spitaldirektor Vergleiche zum Psychiatriealltag. Zum Abschluss geben die Ballerinen und Ballerinos am Freitag und Samstag, 2. und 3. November, ihr Können zum Besten.

Über die Hälfte der Veranstaltungen sind kostenlos und die restlichen Preise in moderatem Rahmen gehalten. «Unser Ziel ist es nicht, mit dem Kulturangebot eine schwarze Null zu schreiben, sondern unser schönes Klinikgelände für die Allgemeinheit zu öffnen», sagt Dammann. So auch beim traditionellen Gartenfest am Sonntag, 19. August, bei dem vom Kind bis zu den Grosseltern alle bei freiem Eintritt willkommen sind. Das gesamte Programm mit allen Details gibt es unter
www.kultur-pkm.ch

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