/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Serdar Somuncu am Theater Konstanz

Konstanz – Im April wird am Stadttheater «Mein Kampf» aufgeführt. Dem Theater Konstanz ist es gelungen hierfür einen grossen Namen an den Bodensee zu holen. Serdar Somuncu übernimmt die Regie.

Hier im Stadttheater wird bald ein Stück unter der Regie von Serdar Somuncu aufgeführt. (Bild: ek)

In einem Wiener Männerasyl wohnen der Koch Lobkowitz alias Gott und Schlomo Herzl, der seine Memoiren schreibt. Ihre Kraft für den täglichen Überlebenskampf ziehen sie aus der philosophischen Betrachtung, theologischen Auslegung und vergnügten Dekonstruktion einer Welt, in der sie nicht viel zählen. Als ein junger, aus Braunau am Inn stammender Habenichts namens Adolf Hitler auftaucht, empfangen sie den neuen Mitbewohner freundlich. Trotz Lobowitz‘ Bedenken, umsorgt Herzl den bildungsfernen und völlig talentfreien Möchtegern-Kunstmaler aufopferungsvoll. Geduldig versucht er ihm Manieren beizubringen, Wortgewandtheit zu vermitteln und ihm die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Doch auch ausgestattet mit Herzls Mantel, einer neuen Frisur und den besten Ratschlägen wird Hitler an der Akademie der Schönen Künste abgelehnt, bemächtigt sich des Titels «Mein Kampf», unter dem Herzls Memoiren erscheinen sollten und erregt damit keinerlei Aufmerksamkeit – bis die Frau Tod nach ihm sucht. Allerdings nicht, um dem Antisemiten den Garaus zu machen, sondern um ihn als «Naturtalent», als Täter mit Sense, als Würgeengel besonderer Grösse zu casten.

George Taboris 1987 uraufgeführte Farce vereint scharfsinnige Komik, untröstlichen Weltschmerz und unbeirrbare Menschenliebe zu einem Portrait der «Banalität des Bösen» und setzt diesem wie nebenbei den Reichtum jüdischer Kultur, Geschichte und Rhetorik entgegen.
George Tabori, 1914 geboren in Budapest, emigrierte 1935 nach London, arbeitete als Auslandskorrespondent in Sofia, Istanbul, Palästina sowie Ägypten und ging 1947 in die USA, wo er als Drehbuchautor für Hollywood arbeitete, bevor er in den 1970er Jahren nach Europa zurückkehrte, um hier einer der wichtigsten Theatermacher seiner Zeit zu werden. Er starb 2007 in Berlin

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