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«Ein Bad kostet nun mal Geld»

Kreuzlingen – Bevorzugter Langsamverkehr, fehlende Parkplätze und die finnische Sauna waren Themen, welche an der Informationsveranstaltung der Kreuzlinger Quartiervereine zu den bevorstehenden Abstimmungen diskutiert wurden. Die verantwortlichen Politiker und Planer versuchten dabei, die zwei grossen Infrastrukturprojekte Romanshornerstrasse und die Erweiterung der Badi Egelsee in einem zweiten Anlauf dem Stimmvolk schmackhaft zu machen.

Vize-Sekundarschulpräsident Michael Thurau und Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass zeigten Anhand einer Familie die Vorteile eines sanierten und erweiterten Thermalbads Egelsee auf. (Bild: ek)

Dass an der Podiumsveranstaltung im Dreispitz keine Abstimmungsgegner auf der Bühne standen, lag nicht daran, dass sie nicht eingeladen waren. «Es haben sich schlicht keine Gegenkomitees zu den beiden Vorlagen gebildet», erklärte Moderator Patrick Eich einleitend. So präsentierten die federführenden Behördenmitglieder die beiden Projekte, über welche die Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger am 4. März befinden. Gleichzeitig stellten sie sich den Fragen aus dem zahlreich erschienenen Publikum.

Breite Strasse, gleiches Tempo
Den Anfang machte Stadtrat Ernst Zülle, welcher die Sanierung und Aufwertung der Romanshornerstrasse für 6,4 Mio. Franken erläuterte. «Fast genau vor einem Jahr ist das Projekt an der Urne gescheitert», resümierte der Leiter des Departements Bau und zählte die Gründe dafür auf: Verschmälerung der Fahrbahn, Wegfall von Velostreifen und eine 30er-Zone im Dorfkern Kurzrickenbach. In Windeseile habe man zusammen mit dem Kanton die Kritikpunkte angeschaut und überarbeitet.

Vieles, aber nicht alles, ist dabei mit eingeflossen. Denn das Ziel bleibe weiterhin das Gleiche: «Die Sicherheit für den Langsamverkehr zu verbessern und die Aufenthaltsqualität in Kurzrickenbach zu erhöhen», so Zülle. Dafür fliessen aus Bundesbern 880000 Franken an die Kosten. Als Bauherr der Kantonsstrasse stellte der stellvertretende Kantonsingenieur Benedikt Eberle die neuen Pläne im Detail vor. Das Tempo 50 bleibt durchgehend bestehen und auch die Radstreifen bleiben erhalten. «Wenn auch mit der Mindestbreite von 1.25 Meter», so Eberle. Im Dorfzentrum erhofft man sich eine «natürliche» Anpassung der Geschwindigkeit, unterstützt durch einen Mittelstreifen. Damit könnten Fussgänger und Velofahrer einfacher queren. Genau dieser Ersatz des Zebrastreifens stiess auf Unverständnis im Publikum: «Kinder und ältere Bürger müssen dadurch einen grossen Umweg machen, um sicher über die Strasse zu kommen», meldete sich ein Zuhörer. Auch befürchteten einige Bürger eine Verlagerung des Verkehrs auf die bereits viel befahrene Seetalstrasse.

Die Wasser getestet
Eine längere Vorlaufzeit hat das überarbeitete Schwimmbadprojekt «Natare» hinter sich. Nachdem der Souverän das Vorgängerprojekt «H₂O» im September 2014 bachab schickte, wurden beim zweiten Anlauf alle Beteiligten mit ins Boot genommen. Stadt, Schule, Kanton und Nachbargemeinden möchten nun zusammen das 35,5 Mio. Franken teure Bad finanzieren.
Vize-Sekundarschulpräsident Michael Thurau und Vize-Stadtpräsidentin Dorena Raggenbass wagten dabei schon einen Blick in die Zukunft. Am Beispiel einer Familie zeigten sie auf, dass das neue Thermalbad wirklich für jede Alterskategorie und jedes Wasserbedürfnis etwas zu bieten habe. Der sanierte Altbau beinhaltet dann ein 34-Grad-Becken, in dem die Kleinsten planschen können und auf der Rutschbahn oder den Sprungplattformen könnten Jugendliche sich austoben. Erholung findet man im Dampfbad im Verbindungsbau. Der Neubau mit dem 25-Meter- Becken soll bei 26 Grad optimale Bedingungen für Sportler bieten. Für angehende Schwimmer steht ein Lehrschwimmbecken mit Hubbodenbetrieb bereit.

Punkte, die im Publikum auf Wohlwollen stiessen. Fragen gab es zu benötigten Parkplätzen, der Erhöhung der Thermalwassernutzung, den Einbau einer Sauna oder dem Energieverbrauch. Auch wohin das Z88 und die Chlausengesellschaft zügeln müsse, wurde gefragt. «Hoffen-tlich ins geplante Kulturzentrum im Schiesserareal», so Raggenbass.

Dass das neue Projekt nur geringfügig günstiger ist, als das Erste, löste Verwunderung aus. «Wenn man ein gutes Bad möchte, dann kostet das nun mal soviel», stellte Thurau klar und versicherte, dass die Kosten diesmal auch eingehalten würden.

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One thought on “«Ein Bad kostet nun mal Geld»

  1. Bruno Neidhart

    Klartext Egelseeprojekt 1und 2

    Das Egelseeprojekt 1 wurde 2014 von den Stimmbürgern abgelehnt. Zu den Gründen zählten u.a.: 1. Bürgerlicher Hinweis auf eine eventuelle Steuererhöhung (Bemerkung: inzwischen wurden die Steuern gesenkt!). 2. Ausrichtung des Projekts zu „sportbezogen“ . 3. Die Schule, sowie Aussengemeinden, wollten sich nur marginal oder gar nicht beteiligen.

    Kurzanalyse abgelehntes Egelseeprojekt 1: Tatsächlich konnte man den Eindruck gewinnen, dem Sport – für einmal – Vorrang zu geben. „Aufreger“ waren dabei wohl die (olympischen) „50×25 Meter“. Dieses Becken wäre indes teilbar gewesen, eine Hälfte mit einem Hubboden ausgestattet, also multifunktionell einzusetzen (auch für schulische Belange). Da „Sport“ – auch Schulsport! – auf hoher Ebene möglich gewesen wäre, stand für die interessierte Öffentlichkeit eine entsprechend sinnvolle Tribünen-Ausgestaltung bereit (für 600Zuschauer), wie auch Räume für Sportoffizielle bei Wettkämpfen, usw. Ein Selbstbedienungsbistro war vorhanden.
    Besondere Aufmerksamkeit erlangte die Wellnessabteilung: So war ein grosses Thermal-Entspannungsbecken geplant, eine Saunalandschaft mit Normalsauna, Finnischer Sauna, Dampfbad, Aroma-Dampfbad, Tauchbecken, Kneippmöglichkeit, Ruhezonen, usw.
    Das bestehende Egelseebad wurde in etwa in seiner bewärten Funktion als einfaches Familienbad belassen. Es waren keine wesentlichen „Sonderattraktionen“ vorgesehen.
    Das Egelseeprojekt 1 kam mit nur einem Eingang aus, da alle Umkleidemöglichkeiten vom Neubau aus gut zugänglich geplant waren. Das Projekt wurde von vielen Sachverständigen in seiner Funktion gelobt.

    Kurzanalyse Egelseeprojekt 2: Das nun zur Abstimmung vorliegende neue Projekt weist als auffallendes Merkmal eine Reduktion des neuen Beckens auf 33×25 Meter aus, verkürzbar auf 25 Meter u.a. für Kurzbahn-Schwimmwettkämpfe. Die Trennbrücke für Kurzbahnwettkämpfe muss dabei eine besondere Stabilität nach internationaler Norm aufweisen, um erzielte Zeiten anerkennen zu können. Der nicht benötigte Wasserbereich ist mit einem Hubboden ausgestattet und kann als Lehrschwimmbecken verwendet werden. Für Wasserball genügen die 33 Meter (Internationale Spielfeldnorm: 30×20 Meter – für Männer). Eine eigentliche Tribüne besteht nicht. Es sind einige badübliche Treppenstufen angelegt (für 200 Zuschauer). Ein kleiner Funktionsraum für Sportbelange/Theorie usw. ist vorgesehen.
    Das bestehende Egelseebad erhält einige kleine Veränderungen in Richtung „Familie/Freizeit“: Hauptgegenstand ist eine sich über das Dach schwingende, schlangenartige Rutsche, die mitten ins Bad platscht. Eine Erweiterung erfährt u.a. die kleine Sprunganlage, wie auch der Kleinkinderbereich. Angelegt wird ein Themal-Sprudel- und Düsenbecken.
    Im Verbindungsgangbereich zwischen dem alten und dem neu zu erstellenden Bad sind ein Dampfbad, „Erlebnisduschen“, eine Ruhezone und ein Selbstbedienungsbistro vorgesehen, ebenso ein Zugang zu einem schmalen Aussenbereich.
    Besonders durch die funktionelle Trennung der Umkleidebereiche alt/neu benötigt das Egelseeprojekt 2 nun zwei Eingänge.

    Aussenarchitektur: darüber lässt sich trefflich streiten. Sie glänz beim Egelseeprojekt 2 auffallend durch Blech.

    Beide Projekte lassen sich insgesamt nur bedingt vergleichen. Daher ist „Ä Badi für alli“ kein Zauberwort. Projekt 1 hatte seinen Schwerpunkt im ziemlichen Belassen des bewährten alten Egelseebades bei gleichzeitiger Betonung hoher vereinssportlicher, aber auch schulsportlicher Belange beim neuen Bad, sowie durch eine starken Betonung eines kompletten Wellness- (Gesundheits-) Bereichs für die „Thermal“-Stadt.

    Das nun zur Abstimmung vorliegende zweite Projekt versucht hingegen, alle gleichermassen zu befriedigen, was auf sportlicher Ebene nur im Mittelmass gelingt (immerhin), den Wellnessbereich als attraktiven Badfaktor nach modernem Ermessen jedoch praktisch ausschliesst (somit „ned für alli“), dagegen das alte Bad als nun noch „familienfreundlicher“ erklärt.

    Zu den Kosten: Auch hier sind Vergleiche eher problematisch, beruhen sie doch auf unterschiedlichen Voraussetzung der Ausgestaltung der verschiedenen Bereiche Familie/Freizeit, Sport, Schule, Wellness. Es ist jedoch erkennbar, dass beide Projekte, wägt man, wie beschrieben, die spezifische Ausgestaltung unterschiedlicher Wertigkeiten für alle erwähnten Bereiche gegeneinander ab, die Stärken und Schwächen, so kosten beide Projekte etwa gleich viel. Urs Brüschweiler geht in der Thurgauer Zeitung sogar davon aus, dass der Stadt beim zweiten Projekt höhere Kosten entstehen würden, von den ehemals (2015) maximal vorgesehenen Kosten für die Stadt (20 Millionen) nun abgewichen wird („Bürgerlicher“ Nebensatz: Würde das stimmen, müssten die Steuern eigentlich auf das vorgängige Niveau wieder erhöht werden…..).

    Wie dem auch sei! Tatsache ist, dass die Gelegenheit, der Stadt Kreuzlingen – der Schule, der Region, dem Sport, der Freizeit, der gesamten Bevölkerung – eine moderne, zweckmässig erweiterte Hallenbadanlage mit einigem drum und dran zur Verfügung zu stellen, in den nächsten 10-20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr kommen wird. Aus dieser Sicht ist, was spezifisch einigen Wellness-Gesundheitsbeflissenen schwer fallen dürfte, über einige Mängel der Ausgestaltung der projektierten Anlage hinweg zu sehen. In sich ist das Projekt, seine kräftige Umstrukturierung gegenüber der ersten Variante, nicht grundsätzlich zu verwerfen. Und Projektänderungen sind, sagt die Stadt, durchaus noch möglich. Mann/Frau kann sie also beim Wort nehmen! Die Kreuzlinger Stadtgesellschaft bräuchte sich für einmal nicht zu verstecken, sollte Egelsee 2 zur Realisation kommen. Betrüblich wäre lediglich die vorgesehene, überaus lange Erstellungsdauer. Aber vielleicht ist auch da nicht aller Tage Abend.

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