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Bewährungsstrafen für Einbrecher

Kreuzlingen – Das Bezirksgericht Kreuzlingen verurteilte zwei Einbrecher zu bedingten Haftstrafen und spricht den Fahrer der Bande von der Mittäterschaft frei. Die Staatsanwaltschaft hätte diesen und einen der Haupttäter lieber für zwölf Monate hinter Gittern gesehen.

Vorsicht: Einbrecher. (Bild: Bernd Kasper/pixelio.de)

Die Angeklagten waren Anfang Dezember 2013 auf Diebestour und brachen in mehrere Einfamilienhäuser in Kreuzlingen, Tägerwilen, Bottighofen und Weinfelden ein. Auch ein ehemaliger Kreuzlinger Stadtpräsident gehörte zu den Geschädigten. Während einer der beiden Haupttäter, ein damals 30-jähriger Serbe, Schmiere stand, verschaffte sich sein Komplize, ein 52-jähriger Bosnier, Zugang zu den Häusern. Vor allem auf Schmuck hatten es die Diebe abgesehen. Hilfe erhielten sie bald von einem 48-jährigen, ebenfalls in Bosnien geborenen, gelernten Heizungsinstallateur, der die beiden in seinem Auto mit österreichischen Kennzeichen herumkutschierte und auf Abruf auch wieder abholte.

Im Gegensatz zu den beiden Haupttätern wohnte und arbeitete dieser Mann in der Schweiz. Vor seiner erst kürzlich vollzogenen Scheidung hatte der zweifache Vater mit seiner Familie im österreichischen Villach gelebt, bevor er nach Luzern übersiedelte.

Seine Kollegen hingegen waren erst Tage zuvor mit dem Auto vom Balkan in die Schweiz gereist. Das Trio nistete sich über mehrere Tage in der Wohnung einer 52-jährigen Landsmännin in Kreuzlingen ein.

In flagranti ertappt
Am 16. Dezember fand die Diebestour dann ein jähes Ende. Eine Polizeistreife entdeckte zwei auffällige Personen im Bereich einer Liegenschaft an der Alten St. Gallerstrasse. Als die Beamten die Ausweise der Verdächtigen kontrollieren wollten, ergriff der 30-Jährige die Flucht, konnte aber am 20. Dezember an der ungarisch-serbischen Grenze festgenommen werden. Sein 48-jähriger Komplize hingegen liess sich widerstandslos die Handschellen anlegen.

Für die Staatsanwältin war klar: Hier handelte es sich um eine Bande von gewerbsmässigen Verbrechern, die nur zu einem Zweck in die Schweiz gekommen waren: um sich durch die Einbrüche zu bereichern. Laut Staatsanwaltschaft erbeuteten sie Diebesgut im Wert von rund 70’000 Franken. Bis zur Abreise des Fahrers am 14. Dezember seien die beiden «Kriminaltouristen» jeden Abend in mindestens ein Haus eingestiegen, so die Staatsanwaltschaft. Dabei hätten sie erhebliche kriminelle Energie gezeigt, die Taten «zusammen geplant und ausgeführt, die Beute wollten sie teilen», und auch in Kauf genommen, auf Bewohner zu treffen.

Auch den Fahrer zählte die Anklage zur Bande und forderte dementsprechend hohe Strafen, zwölf Monate Haft unbedingt für ihn und den 30-Jährigen, dazu 18 Monate auf Bewährung. Beim 48-Jährigen hingegen liess die Staatsanwaltschaft strafmildernde Umstände gelten. Er sei geständig gewesen und habe bei der Aufklärung der Taten aktiv mitgeholfen sowie glaubhaft Reue gezeigt. Für ihn beantragte sie eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Es sei unglaubhaft, wenn ihr Fahrer den Eindruck erwecken wollte, nichts von dem Zweck der Fahrten gewusst zu haben. Ebenso sei es unwahrscheinlich, dass die Frau, welche das Trio beherbergte, nichts von den Taten gewusste haben will. Für die 52-Jährige forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe.

Freundschaftsdienst
Bei der Befragung vor dem Bezirksgericht Kreuzlingen wollte der Fahrer glauben machen, von den Einbrüchen nichts mitbekommen zu haben. Er sei auf Einladung des 48-jährigen Kollegen, eines alten und guten Freundes, nach Kreuzlingen gekommen. In Luzern habe er nach der Scheidung in einem «Katastrophenzimmer» hausen müssen, sei einsam und unglücklich gewesen. So sei er froh gewesen, mit dem Freund feiern und mit ihm «über Frauen, Autos, über alles» reden zu können.

Sein Anwalt plädierte dementsprechend auf nichtschuldig. Der Mann habe seinen Freund mit dem Auto herumgefahren, ohne nach den Gründen zu fragen, und auch lange Wartezeiten unhinterfragt in Kauf genommen. Sein Mandant sagte aus, er dachte, der Freund habe vielleicht eine Frau getroffen, oder sonst etwas zu erledigen gehabt. Einbruchswerkzeuge oder Diebesgut habe er nie zu Gesicht bekommen.

Organisierte Kriminalität
In seinem Urteil folgte das Bezirksgericht Kreuzlingen bezüglich der beiden Haupttäter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, blieb allerdings unter dem geforderten Strafmass. Beide Männer seien des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls schuldig. Der Ältere erhielt 18, der Jüngere 22 Monate Haft bedingt auf drei Jahre Probezeit. Es habe sich laut Gericht um eine intensive, organisierte Diebestätigkeit gehandelt und keine spontanen Aktionen, so die Begründung.

Eine Mittäterschaft sah das Gericht beim Fahrer nicht. Schuldig sei er allerdings der Gehilfenschaft. Wie auch im Eventualantrag seines Verteidigers gefordert, erhielt er eine bedingte Geldstrafe.

Die Sozialhilfeempfängerin, bei der das Trio nächtigte, erhielt ebenfalls eine bedingte Geldstrafe und eine Busse. Eine Entschädigung für die 39 Tage, welche sie in Untersuchungshaft verbringen musste, wie von ihrem Anwalt gefordert, erhielt sie deswegen nicht.

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One thought on “Bewährungsstrafen für Einbrecher

  1. Paule Knack

    Aha, Einbrechen, Stehlen, Klauen, Betrügen………………………Bewährung
    Aha, zu schnell gefahren……………………………………………………Schwerverbrecher

    Kann mir mal einer dieses Land (Schweiz) erklären?????????????????

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