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Eishalle mit bewegter Geschichte

Kreuzlingen – Die Kreuzlinger Bodensee-Arena präsentiert sich heute als renommierte Eis- und Eventhalle. Sie ist eine Kreuzlinger Institution, die von der Stadt sehr geschätzt, aber auch hoch subventioniert wird. Ihre Geschichte lässt sich grob in drei Phasen einteilen: den motivierten Anfang, die Krise ab der Jahrtausendwende und die ab 2005 folgende Stabilisierung, die heute noch andauert.

Offene Seitenwände und ordentlich was los auf dem Eis: So genossen Kreuzlinger und Konstanzer den Eislauf in den Anfangstagen. (Bild: zvg)

Die Idee eines Eisstadions, das beide Städte gemeinsam betreiben und welches direkt auf der Landesgrenze gebaut wird, geht bis in die Mitte der 60er Jahre zurück. Eine solche Ideallösung scheiterte aber an staatspolitischen Schwierigkeiten. Am 22. Februar 1972 erfolgte jedoch die Gründung der Kunsteisbahn AG mit Sitz in Kreuzlingen. Hauptaktionäre waren die beiden Städte Kreuzlingen und Konstanz, die Schulgemeinde Kreuzlingen und der Verein zur Förderung des Eislaufsports Konstanz. Peter Perini hiess der erste Verwaltungsratspräsident. Doch es sollte noch einige Zeit ins Land gehen, bis die ersten Kufen über das Eis flitzen konnten. Grund dafür waren Dinge, die nicht im Einflussbereich der eisbegeisterten Kreuzlinger und Konstanzer lagen, etwa bundesweite Massnahmen auf dem Schweizer Baumarkt. So wurde die Grundsteinlegung am 30. April 1976 gefeiert. Schon ein Jahr drauf war Richtfest.

Arbeiten an der Holzkonstruktion des Hallendachs. (Bild: zvg)

Ungemein beliebt
Noch vor der Einweihung am 18. Februar 1978 begann der probeweise Eisbetrieb über mehrere Monate hinweg. Die damalige Besucherfrequenz in der Testphase von täglich bis zu 3000 Eislaufenden übertraf alle Erwartungen, sodass der Start voller Motivation und mit einem grossen Fest begangen wurde. Nun war es möglich, eine Eissaison von August bis März anzubieten.

Recht bald erfolgten erste Umbaumassnahmen. Zum Beispiel wurden die Seitenwände der bis dahin gen Norden und Osten offenen Halle geschlossen. Allerdings sollte es bis 1995 dauern, bis das überdachte Ausseneisfeld in Betrieb genommen wurde. Auch begannen die Verantwortlichen schon im Jahre 1980, in der Sommersaison hochkarätige Veranstaltungen ohne Eisbetrieb einzuführen. Den Anfang machte die Leistungsschau GEWA im Mai. Finanziell lief es jedoch selbst in dieser ersten harmonischen Phase nicht immer rund. In den 1980er Jahren drohte zweimal der Konkurs.

Streit in der Arena
Richtig in die Krise geriet die Eishalle aber erst, als der Umbau zur multifunktionalen Eissport- und Eventhalle – diesem hatten die Kreuzlinger Stimmberechtigten 1999 zugestimmt – rund drei Millionen Franken teurer zu stehen kam als geplant. Grund war unter anderem die Beschallungstechnik, die für kulturelle Veranstaltungen notwendig sei, sagten die Verantwortlichen damals. Neu hiess die Halle zu dieser Zeit «Bodensee-Arena», die Betriebsgesellschaft «Bodensee-Arena AG». Jährlich flossen von Kreuzlingen und Konstanz je 500’000 Franken an Subventionen.

Die Krise schlägt Wellen
Im Laufe der nächsten Jahre zerüttete das Verhältnis zwischen den Beteiligten immer mehr. Verwaltungsräte mussten angesichts der Konkursgefahr ihren Hut nehmen und wurden von Neuen ersetzt, die dasselbe Spiel weiterspielten und später zur Zahlung von 100000 Franken verdonnert wurden. Immer öfter sah man sich Anfang des neuen Jahrtausends vor Gericht. So verklagte die Bodensee-Arena ihren Architekten. Der klagte zurück. Sogar der HC Thurgau wurde verklagt, während in der Presse prügelnde Security-Chefs Schlagzeilen machten.
Im Jahre 2002 suchten beide Städte einen Käufer für die Bodensee-Arena, fanden aber keine Interessenten. In Konstanz hatte man angesichts des «Finanzdebakels» empört mit dem Finger auf den «Schweizer Filz» gezeigt, bis die Krise schliesslich im Rückzug der Stadt Konstanz gipfelte. In Kreuzlingen bezeichnete man die Arena nur noch als «Fass ohne Boden». Der damalige Stadtpräsident wurde zum Rücktritt aufgefordert.

Kreuzlingen übernimmt den Lead
Eine weitere entscheidende Volksabstimmung geschah 2003. Insgesamt sechs Millionen Franken sprachen die Stimmberechtigten, um die Bodensee-Arena zu entschulden, plus jährlichem Betriebskostenbeitrag von 400’000 Franken und Defizitgarantie von 100’000 Franken. Konstanz zahlte noch bis einschliesslich 2004 mit. Dann wurde die Stadt Kreuzlingen Alleinaktionärin.

Langsam schien sich die Lage beruhigt zu haben. Die Bodensee-Arena erwirtschaftete wieder mehr Umsatz, ihr Bekanntheitsgrad stieg. Doch es benötigte zwei weitere Rückschläge und eine Tabula rasa für den Neuanfang. Nachdem 2004 ein Zusatzkredit von 700’000 Franken und 2005 Erneuerungsinvestitionen in Höhe von vier Millionen Franken nicht genehmigt wurden, trat der Verwaltungsrat (bis auf den Vize-Präsidenten, alt Stadtammann Josef Bieri) sowie die Geschäftsführung zurück. Ende des Jahre konnte an der Universalversammlung ein neuer Verwaltungsrat berufen werden.

Partytime!
Um das Jubiläum gebührend zu feiern, lädt die Bodensee-Arena am Samstag, 24. Februar, zur Eisdisco mit Musik und Hits aus den 80ern ein. Ein besonderes Highlight sind die Getränke- und Essens-Preise. Hier gelten dieselben wie einst im Jahre 1978. Für die Unterhaltung sorgt DJ Tomahawk, der auch gerne Musikwünsche entgegennimmt. Auch Schlittschuhe können kostenlos vor Ort ausgeliehen werden. Die Geburtstagsparty startet um 17 Uhr und dauert bis Mitternacht.

Die Halle im Bau (1976). (Bild: zvg)

Retter in der Krise
Mit dem neuen Verwaltungsratspräsidenten Matthias Mölleney und dem neuen Geschäftsführer Marcel Wick konnte daraufhin die Ära der Konsolidierung beginnen. Beide hatten sehr gute Beziehungen in die nationale Wirtschaft und die Sportszene. Sie setzten verstärkt auf Veranstaltungen. So holten sie 2008 erstmals ein Davis-Cup-Turnier in die Bodensee-Arena. 2008 stattete das Schweizer Fernsehen seinen ersten Besuch ab. Weitere Meilensteine waren der Musikanten Stadl im 2012, die bis dato publikumsstärkste TV-Sendung in Europa.

Bis Ende 2017 produzierte das Schweizer Fernsehen dort 66 Live-Sendungen und 15 Aufzeichnungen. Durch die Mischnutzung der Bodensee-Arena gelang es bis Ende 2016, den Verlustvortrag aus den früheren Jahren abzutragen. Doch Konflikte gibt es in der Bodensee-Arena weiterhin. Aktuell lässt die Stadt durch ein externes Büro ein Konzept erarbeiten, wie Eissport und Events auch in Zukunft gemeinsam existieren können. Denn das Schweizer Fernsehen würde gerne Dauermieter in der Eishalle werden – und das geht mit dem Eissport nur zusammen, wenn für etliche Millionen weiter ausgebaut würde und vor allem die No-Billag-Initaitive abgelehnt wird.

Die Geschichte der Bodensee-Arena bleibt also spannend. Drücken wir die Daumen, dass alles glatt läuft!

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