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Peter Spuhler begeisterte die Gewerbler

Kreuzlingen – Herzlich wurde Unternehmer Peter Spuhler an der Generalversammlung des Kreuzlinger Gewerbevereins empfangen. Der Milliardär nahm im Interview mit dem ehemaligen Chefredaktor des St. Galler Tagblatts, Philipp Landmark, kein Blatt vor den Mund.

Dem Gespräch hörten 106 Mitglieder und Gäste mit Interesse zu. (Bild: sb)

Wenn Unternehmer oder Politiker sich treffen und Peter Spuhler den Raum betritt, dann hört man förmlich, wie die Herzen kollektiv schneller schlagen. Auch in Kreuzlingen zog der Selfmademan aus Bussnang die Mitglieder des Gewerbevereins in seinen Bann. Zu seinem kurzweiligen Auftritt passte der Aufbau in der Bodensee-Arena: die Gewerbler als Publikum auf der nach oben führenden Tribüne, Spuhler als Entertainer davor. Am Ende des Abends wurden gar vereinzelt Selfies mit dem Gründer und Besitzer der Stadler Rail geschossen.

Spuhler begann 1987 mit 17 Mitarbeitenden. Heute beschäftigt er 7000, hat seit 1. Januar aber etwas mehr Zeit für sich: Er übergab die Leitung des operativen Geschäfts an seinen in Kreuzlingen lebenden Stellvertreter, Thomas Ahlburg. «Der hat das fünf Jahre lang an meiner Seite überlebt, da wusste ich, das ist er», beantwortete der Patron die Frage danach, wie man einen geeigneten Nachfolger aussucht.

Im strategischen Bereich sei er aber nach wie vor tätig, sagte der 59-Jährige. «Es gibt Kunden, die wollen einfach den Eigentümer sehen und dann musst du halt hin stehen und den Job machen.»

Peter Spuhler (rechts) und Moderator Philipp Landmark. (Bild: sb)

Rückkehr in Politik denkbar
Ans Zepter klammern will sich Spuhler aber nicht. Er könnte sich auch vorstellen, dass sein Sohn einmal einsteigt. «Ich finde aber nicht, dass die Jungen immer dasselbe wie ihre Eltern machen sollen. Zwingen werde ich ihn nicht», sagte er. Zehn Jahre möchte er noch weitermachen. Und eine Rückkehr in die Politik könnte sich der alt SVP-Nationalrat ebenfalls vorstellen: allerdings ins Stöckli und nur wenn eine Vakanz entsteht.

Züge werden in seinen Augen nach wie vor ein zeitgemässes Transportmittel bleiben. Zukunft sieht er besonders im fahrerlosen Automatikbetrieb. «Die Technik ist da, sie ist sicher und wird teilweise auch schon eingesetzt, etwa in der Pariser Métro», so Spuhler. Probleme bereiteten noch Versicherungsfragen und Schutz vor Angriffen durch Hacker.

Den Kreuzlinger Gewerblern legte Spuhler ans Herz, dem Schweizer dualen Bildungssystem Sorge zu tragen, und untermauerte seinen Rat mit Berichten aus den USA, wo Stadler derzeit ein neues Werk baut. «Eine Katastrophe», sagt er. «Dort einen Arbeiter zu finden, der einen Schraubenschlüssel richtig halten kann, grenzt schon an einen Glücksfall.»

Zu guter Letzt durfte auch das Publikum einige Fragen stellen. Neben ehrfurchtsvollen Annäherungsversuchen stach eine Frage kritisch heraus: zur Frauenquote in seiner Führungsriege. Denn im Verwaltungsrat seines Unternehmens sitzt keine Frau, in der Konzernleitung nur eine. O-Ton Spuhler: «Ich bin der Letzte, der keine Frau einstellen würde. Aber im Ingenieurwesen gibt es einfach zu wenige, im Gegensatz etwa zur Juristerei oder der Medienbranche. Nur in unserer deutschen Division ist das Verhältnis ausgeglichener, da hat es einige Frauen, die in der DDR Maschinenbau studiert hatten.» Als er studierte, habe es gerade mal fünf Prozent Kommilitoninnen in diesem Bereich gegeben, und die hätten schnell aufgegeben, erzählte er. Aber: «Wir schaffen dran.»

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One thought on “Peter Spuhler begeisterte die Gewerbler

  1. Bruno Neidhart

    Warum baut Stadler Rail ein Werk dort, wo es schwierig ist, „einen Arbeiter zu finden, der einen Schraubenschlüssel richtig halten kann“? Geschieht hier gar eine Form von Entwicklungshilfe für die führende Industrienation USA? Oder gibt es vielleicht noch andere Gründe, was der mit dem „Stöckli“ Liebäugelnde überm grossen Teich zu verwirklichen versucht? Fragen über Fragen…..

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