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Vom Theaterstreit zum Kasperlitheater

Konstanz – In Konstanz hat sich der Gemeinderat zum zweiten Mal gegen einen Vertragsverlängerung mit Theaterintendant Christoph Nix entschieden. Die Wogen im Theaterstreit sind damit aber keineswegs geglättet.

In einer nichtöffentlichen Sitzung am 22. Februar lehnte das Parlament der Nachbarstadt die Kompromisslösung, den Vertrag mit Theaterintendant Nix wenigstens um ein halbes Jahr zu verlängern und so die geplante Grossveranstaltung Theatertage zu retten, mit 17 zu 17 Stimmen ab (in Konstanz gibt es den «Stichentscheid» des Gemeinderatspräsidenten bei Stimmengleichheit nicht). Vor besagter Abstimmung hatte Kulturbürgermeister Andreas Osner mit grossen Worten gegen eine Verlängerung geworben – dabei hatte er doch diese Lösung erst auf den Weg gebracht und stets befürwortet. Nix und seine vielen Anhänger fühlten sich von Osners 180-Grad-Drehung hintergangen. Im Internet, unter anderem auf Seemoz.de, entlud sich der Frust in bissigen Kommentaren Richtung Konstanzer Stadtverwaltung.

Das Ping-Pong-Spiel über die Medien im Konstanzer Theaterstreit ist für viele sicher ebenso unterhaltsam wie ein Theaterstück. (Bild: Rolf Jürgens/pixelio.de)

Die Baden-Württembergischen Theatertage werden nun also definitiv nicht in Konstanz stattfinden.

Bürgermeister rechtfertigte sich
Im Interview mit dem Südkurier erklärte Osner daraufhin seinen Sinneswandel. In den Tagen vor der Gemeinderatssitzung habe er erkennen müssen, dass eine sechsmonatige Verlängerung der Einrichtung Stadttheater mehr schaden als nutzen würde. Auch sei es überhaupt nicht verbindlich gewesen, dass die Theatertage nach einer Vertragsverlängerung erneut nach Konstanz gehen. Osner warf Nix Foulplay vor: Der Intendant hätte schon vor der ersten Abstimmung über seinen Vertrag klar kommunizieren müssen, wie viel von seiner Anstellung abhängt.

Ein weiteres Grossprojekt, «Atlantis» (wir berichteten), soll aber über die Bühne gehen. Dies versicherte Intendant Nix am Mittwoch an einer Pressekonferenz des Stadttheaters. Er wehrte sich gegen Osners Argumentation: Es sei an vielen Theatern üblich, Intendanten eine Verlängerung für eine halbe Spielzeit zu bieten. Laut Seemoz veröffentlichte Nix Mailverkehr mit dem Landesvorsitzenden der Theatertage, die einer Zusage nahekommen.

Trotzdem gelobte Nix, wie der Südkurier schreibt, «sich die Laune nicht verderben zu lassen.» Man werde weiterhin gutes Theater machen. Er halte es aber für den «Inbegriff der Kulturlosigkeit», dass auch der Oberbürgermeister gegen ihn votiert habe.

Woraufhin OB Uli Burchardt sich an die Medien wandte und Nix der Lüge bezichtigte. Wahr sei vielmehr, dass Buchardt sich während der Sitzung für eine Vertragsverlängerung ausgesprochen habe.

Womit der Oberbürgermeister selbst gegen eigens aufgestellte Vorgaben verstösst: Denn in der Zwischenzeit gaben mehrere Konstanter Stadträtinnen und Stadträte öffentlich kund, wie sie in der geheimen Sitzung abgestimmt hatten, oder äusserten zumindest ihr Bedauern über den Ausgang der Abstimmung. Daraufhin versendete die Stadtverwaltung einen Mahnbrief an alle Mitglieder des Parlaments. Diese würden durch solche Äusserungen gegen ihre Verschwiegenheitspflicht verstossen – und das könne rechtlich relevant werden.

So driftet der Theaterstreit langsam ins Absurde ab und ein Ende der Vorstellung ist nicht in Sicht.

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One thought on “Vom Theaterstreit zum Kasperlitheater

  1. Bruno Neidhart

    Theater ohne Theater gibt es nicht! Auch in Konstanz nicht, obwohl hier im ältesten Theaterbau Deutschlands gespielt wird. Man kann nach den vielen Interventionen und „Fakten-Fakten-Fakten“ (!) tatsächlich von einem „Kasperlitheater“ sprechen, wie Stefan Böker treffend titelt. So richtig weiss in der Stadt nun niemand mehr – oder will es nicht mehr wissen -, wer-was-wann-wo-wie usw. festgestellt haben möchte. Im beschaulichen Konstanz wird halt so ziemlich alles, was in der Stadt poltisch entschieden wird – entschieden werden muss – gleich wieder von der Gegnerschaft verzaust. Da ist besonders die linke Internetseite seemoz nicht weit und schickt nach einem „Leitartikel“ flix seine feste Leserbriefarmada wiedermal zur Tinte (es existiert tatsächlich ein „Verein seemoz e.V“). Ist weiter nicht schlimm. Intendant Nix, ein linker Wirbelwind – Theater sei immer „links“, habe ich mal gelesen -!?, also Nix, von dem viele begeistert sind – ist ja schon mal ein Gütezeichen bei einer Intendanz! -, wirbelt eben auch mal die Räte durcheinander. Daran haben sie sich immer noch nicht ganz gewöhnt. Dass sein Engagement als Intendant über seinen Vertrag hinaus nicht verlängert wird, ärgert wohl eher seine Fans, als ihn selbst. Er weiss sich wohl schon zu helfen (als Jurist und gelernter Clown, spielte sogar mal mit Gardi Hutter! – toll…..). Man kann Nix ohne Theater nicht vorstellen. Im behäbigen Badischen, wo tatsächlich viel gemotzt wird – wo nicht! -, reguliert sich indes vieles nach einer Weile von selbst. Oder man trifft sich plaudernd zum Beispiel in der Konstanzer Haltnau überm See bei einem Glas (oder zwei) Müller-Thurgau und bringt wesentliche Wirrnisse wieder einigermassen auf Reihe. Fällt allerdings einigen nicht leicht. Hat dann meistens mit „Ideologie“ zu tun.

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