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Norovirus: Gefahr gebannt

Kreuzlingen – Der hartnäckige und hochansteckende Norovirus kommt alle Jahre wieder und verbreitete sich in den vergangenen zwei Wochen im Bezirk Kreuzlingen. Betroffene Institutionen wie Alterszentren, Spitäler oder Schulen gingen routiniert mit der Situation um. Mittlerweile ist der Alltag wieder eingekehrt.

Die Novovirus-Epidemie ist mittlerweile gebannt. (Bild: klz)

Insgesamt 13 Tage hatte das Alterszentrum Kreuzlingen geschlossen. Durchschnittlich seien vier Bewohnerinnen und Bewohner sowie vier Mitarbeitende pro Tag krank gewesen, sagt Geschäftsführerin Anna Jäger. «Betroffene Bewohner wurden sofort in ihren Zimmern isoliert», veranschaulicht sie die wichtigste Massnahme, die die Abteilungen in solchen Fällen ergreifen. Organisatorisch sei das weniger ein Problem, als es belastend für die Bewohner ist, denn die sozialen Kontakte nach aussen fehlen in dieser Zeit. Seit Mittwoch stehen die Türen wieder offen. Hinweisschilder an den Eingängen weisen allerdings immer noch darauf hin, sich regelmässig die Hände zu desinfizieren und auf Händeschütteln zu verzichten. Der Norovirus habe sich verabschiedet, die Magendarmgrippe sei jedoch noch nicht aus Kreuzlingen verschwunden.

Mundschutz im Krankenzimmer
Auch der Abendfrieden blieb vom Norovirus nicht verschont. 14 Bewohner und 17 Mitarbeitende lagen flach. «Es waren dieses Mal mehr Mitarbeitende betroffen, die sich zu Hause oder in Kreuzlingen als im Arbeitsumfeld angesteckt haben», weiss Geschäftsführerin Mirjam Brühwiler. Das Wohn- und Pflegeheim hatte insgesamt sechs Tage geschlossen. Bewohner durften das Haus nicht verlassen, betroffene Mitarbeitende wurden nachhause geschickt. Damit sie sich nicht anstecken, mussten Mitarbeitende unter anderem Handschuhe, Mund- und Nasenschutz und extra Kittel tragen. Seit Samstag hat der Abendfrieden aber wieder geöffnet.

Im Alters- und Pflegeheim Bindersgarten in Tägerwilen waren zehn Bewohnerinnen und Bewohner sowie drei Mitarbeitende betroffen. «Allerdings war kein bestätigter Norovirus-Fall darunter», wie Heimleiter Otto Egloff mitteilt. «Es könnte also auch eine normale Magen-Darm-Grippe gewesen sein.» Trotzdem hatte der Bindersgarten mehrere Tage geschlossen, mit dem Ziel, sich vor Ansteckung von aussen zu schützen. Seit Donnerstag ist der Alltag wieder eingekehrt. Das Restaurant war durchgehend geöffnet.

Wer sich mit dem Norovirus ansteckt, entwickelt die ersten Symptome bereits nach 24 Stunden. Deswegen müssen Alterszentren, aber auch Spitäler schnell handeln und die Massnahmen lange laufen lassen, denn: Auch nach einer akuten Erkrankung kann das Virus in Ausnahmefällen noch Wochen über den Stuhl weiter ausgeschieden werden.

Insgesamt 70 Personen, davon 30 im Patientenbett, hatten am Kantonsspital und der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen Beschwerden, die auf den Virus schliessen liessen, berichtet Spitaldirektor Stephan Kunz. In über 20 Fällen bestätigten Tests den Verdacht. Auch hier isolierte man die Betroffenen und leitete entsprechende Desinfektions- und Präventionsmassnahmen ein. «Die Situation war aber stets unter Kontrolle und hat sich nun entspannt», so Kunz.

Ab nachhause!
Schulen gehen mit der Situation anders um, denn sie können Betroffene einfach heimschicken. An den Kreuzlinger Primar- und Sekundarschulen und an der Primarschule Bottighofen waren zeitweise bis zu zehn Prozent aller Schüler abwesend. «Wir gehen einerseits von der starken Grippewelle und anderen Magen-/Darminfektionen aus, wobei wir andererseits den Norovirus nicht ausschliessen können», gibt Michael Thurau als Vize-Präsident der Kreuzlinger Sek und Präsident der Bottighofer Primarschule Auskunft. Die Lehrpersonen seien in Bottighofen bereits Anfang Jahr auf das Thema sensibilisiert worden. An den Schulen gelte, dass Kranke lieber zwei Tage länger daheim bleiben sollten, auch wenn die Symptome schon abgeklungen sind. Stunden seien seines Wissens nach keine ausgefallen, eine Behördensitzung in Bottighofen musste krankheitsbedingt abgesagt werden. Momentan sei die Welle am abflachen, so Thurau. Dem Bottighofer Schulskilager nächste Woche stehe nichts im Wege.

Norovirus

Die Norovirus-Infektion zählt zu den häufigen Ursachen für plötzliche Durchfallerkrankungen. (Bild: archiv)

An der Pädagogischen Hochschule Thurgau habe man die Ausbreitung der Viren mit geeigneten Massnahmen stoppen können, sagt Rektorin Priska Sieber. Dazu zählt sie Desinfektionsmittelspender oder Tafeln mit Verhaltenshinweisen wie regelmässigem Desinfizieren der Hände oder Vermeidung von Körperkontakt. Sieber: «Es gab Fälle, genaue Zahlen konnten wir nicht eruieren. In erster Linie waren Mitarbeitende der Verwaltung, vereinzelt auch Dozierende oder Studierende betroffen.»

An der Pädagogischen Maturitätsschule waren insgesamt über 100 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen an Grippe oder Magen-Darm-Grippe erkrankt. Eine eindeutige Diagnose auf Norovirus gab es allerdings nicht, teilt Rektor Lorenz Zubler mit. Schlimm war es zu Beginn des Monats, seit vergangener Woche gebe es keine Probleme mehr.

An der Schule Kemmental war der Höhepunkt bereits vor zwei Wochen erreicht. Neben Grippe, Erkältungen und Magen-Darm-Geschichten habe es sicher auch Fälle des Norovirus gegeben, erklärt Schulpräsidentin Isabelle Wepfer. «Die Desinfektions-Seifen-Spender bleiben sicher noch eine Weile in Gebrauch.»

An der Schule Oberhofen-Lengwil gab es Verdachtsfälle, die sich aber nicht bestätigten. Einen leichten Anstieg der Krankheitsmeldungen verzeichnete die Schule Tägerwilen in den vergangenen zwei Wochen, aber keinen Norovirus.

Auf einen Blick
Das Norovirus löst bei Betroffenen eine meist kurze, aber heftige Magen-Darm-Erkrankung mit Durchfall und Erbrechen aus. Etwas gegen die Erkrankung tun kann man nicht, ausser den zum Teil erheblichen Flüssigkeits- und Mineralsalzverlust ausgleichen. «Das Besondere an der im Bezirk Kreuzlingen grassierenden Epidemie der vergangenen Wochen war, dass das Virus sich zunächst in der Bevölkerung verbreitete», stellt die stellvertretende Thurgauer Kantonsärztin Agnes Burkhalter fest. «Zusätzlich ging die Grippe um.» Ein Norovirusausbruch in einer Institution ist meldepflichtig. Treten Fälle gehäuft auf, müssen sie dem Kantonsarzt gemeldet werden. Über die genaue Anzahl der betroffenen Institutionen im Bezirk Kreuzlingen oder die genauen Daten, wann wer Meldung machte, will die stellvertretende Kantonsärztin Burkhalter keine Auskunft geben.

 

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