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«Der Glanz des Paradieses strahlt durch»

Kreuzlingen – Der Oratorienchor Kreuzlingen bringt mit «Stabat Mater» das Leid der Gottesmutter Maria über ihren gekreuzigten Sohn Jesus zum Erklingen. Dirigentin Annedore Neufeld spricht im Vorfeld der Aufführung über das Mammutprojekt und die schönen Seiten von Dvoráks Komposition.

«Blickkontakt ist wichtig, damit auf der Bühne Musik entstehen kann», sagt Dirigentin Annedore Neufeld. (Bild: ek)

KreuzlingerZeitung: Für die Aufführung hat der Kreuzlinger Oratorienchor mit der Basler Münsterkantorei zusammengespannt. War es schwierig, die beiden Chöre zusammenzuführen?
Annedore Neufeld: Ich dirigiere ja bereits beide Chöre, von dem her gab es keine Differenzen in der musikalischen Leitung. An einem gemeinsamen Probewochenende war die Stimmung sehr gut, was die gesangliche Qualität noch gesteigert hat. Mittlerweile erklingen beiden Chöre zusammen wie aus einem Guss.

Beim Konzert kommen noch die Südwestdeutsche Philharmonie, vier Solisten und die Orgel hinzu. Schlussendlich stehen rund 120 Musikerinnen und Musiker im der katholischen Kirche St. Stefan. Wird es nicht irgendwann zu viel?
Das ist zwar viel, aber bei einer Aufführung in London kamen früher rund 850 Singende zusammen! Dvorák wusste, wie man solch eine Klangfülle zur Geltung bringt. Und wenn so viele Stimmen z.B. ein Pianissimo singen, ist das sehr berührend.

Der tschechische Komponist Antonín Dvorák hat selbst drei Kinder verloren und sich nach diesem Schicksalsschlag in «Stabat Mater» dem Schmerz Marias gewidmet. Ist das nicht sehr schwere musikalische Kost?
Ja, das ist musikalisch anspruchsvoll. Für Dvorák könnte das Werk vielleicht auch «Stabat Pater» heissen, aus der Sicht des schmerzerfüllten Vaters. Doch die Musik ist nicht nur leidvoll, sondern auch warm, tröstend und beinahe süsslich, es finden sich sogar tänzerische Stellen darin. Das Ende ist des zehnsätzigen Werkes ist zuversichtlich: Zwar wird gestorben, aber der Glaube an ein Leben danach ist da.

Ist es schwierieg, auf Latein zu singen?
Nein, gar nicht. Die Sprache liegt sehr gut zum Singen und man kann die Wörter so aussprechen, wie sie geschrieben sind.

Für das Werk proben Sie schon seit November. Was für einen Anspruch haben sie an die Chöre?
Die Sängerinnen und Sänger müssen ja erstmal den Notentext kennen und können, und dann ist es mir immer wichtig, dass alle die Anfänge und Enden der sieben Chorsätze auswendig können. Auf der Bühne soll gemeinsam Musik entstehen, da ist es wichtig, dass es viel Blickkontakt zu mir gibt. Das klappt nicht, wenn während dem Konzert alle starr in ihre Noten blicken.

Die Aufführung dauert eineinhalb Stunden. Haben Sie eine Lieblingspassage?
Sogar zwei! Ein wunderschönes Motiv im ersten Satz, das Dvorák von seinem Cellokonzert aufnimmt. Und auch der Schluss ist herrlich. Man spürt förmlich, wie das Paradies erstrahlt.

Konzertdaten
Das wohl bekannteste geistliche Werk des Komponisten Antonín Dvorák wird am 28. März, 19.30 Uhr, in der Kirche St. Stefan vom Oratorienchor Kreuzlingen gemeinsam mit der Basler Münsterkantorei zur Aufführung gebracht. Eine zweite Aufführung findet am Karfreitag, 18 Uhr, im Basler Münster statt. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Konzertbeginn. Tickets sind im Vorverkauf in der Buchhandlung Bodan oder online erhältlich über www.oratorienchor-kreuzlingen.ch

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