/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Dramatisch, satirisch, surreal

Kreuzlingen – Der Maler Boleslav Kvapil erlebte den Prager Frühling 1968 am eigenen Leib. Nach seiner Flucht fand er ein neues Zuhause am Bodensee. Seine politisch geprägten, eindrücklichen Bilder stellt nun das Museum Rosenegg aus. Die Vernissage ist heute, 18 Uhr.

Die Witwe des Künstlers Sabine Kvapil (li.) und Ivonne Istas. Das Werk des Malers zeigt die Produktion hohler Köpfe unter den Augen Gottes. (Bild: pw)

Kvapils Bilder sind bunt, anziehend und vielseitig. Sie hinterlassen neben einem Ausrufezeichen auch ein Fragezeichen. Denn betritt man den ersten Teil der Ausstellung mit dem Titel bemerkt man, dass nicht nur die Bilder des Künstlers ausgestellt werden, sondern auch seine Gedanken. In den Fenstern hängen Tücher auf denen Zitate des Künstlers zum Thema Freiheit und Menschsein stehen. Doch auch seine Bilder spiegeln seinen Intellekt wieder. Sie zeigen Szenen in denen Würdenträger immer wieder aufs Korn genommen werden. Kvapil nutzte den Pinsel als Waffe um seine Sicht der Dinge auf die Welt zu präsentieren. Prägend hierbei sind Traumata die er erlebte, denn schon mit 14 Jahren wurde der Tscheche in Sippenhaft genommen. Es folgten zwölf Jahre Schufterei in einem Bergwerk. Später legte er das Abitur ab und studierte Journalistik. Seine Waffe war zunächst der Stift. Er schrieb für kritische Zeitungen und war Mitbegründer der tschechischen Gesellschaft für Menschenrechte. Als das Pflaster 1969 zu heiss wurde, musste er Tschechien Hals über Kopf verlassen. Mit dabei Zeitungen und Briefe, die ihn als Dissident ausweisen. Diese werden neben seinen Bildern ausgestellt.

Kafkaesk und Kvapilesk
In sein Heimatland zurück kehrte Kvapil 1993 im Rahmen einer Ausstellung. Als einer der ersten stellte er nach der Wende in Prag aus. In Aquarellen und mit Ölmalerei beschäftigte er sich mit der Literatur Kafkas. Auch diese Bilder werden ab Freitag in Kreuzlingen gezeigt. Die Verschmelzung von Literatur und Kunst verleiht Kvapils Bildern eine faszinierende Ästhetik. Der Betrachter kann Literatur bildlich erleben.
Das Gruselkabinett

«In manchen von Kvapils Bildern lässt sich eine regelrechte Derbheit erkennen. Er konnte sich beim Malen richtig auskotzen», so Sabine Kvapil die Witwe des 2017 verstorbenen Künstlers. Auch dieses Auskotzen lässt sich im Rosenegg bestaunen.
In einem Bild sind tanzende Teufel zu sehen. Sie tanzen um das Höllenfeuer, darüber eine hohe Brücke von der aus Menschen das Spektakel betrachten. Sie wiegen sich, in grossen Abstand in einer vermeintlichen Sicherheit. Doch der Teufel weisst auf seine Uhr. Er scheint zu sagen: «Seid euch da oben mal nicht so sicher.»

Eine faszinierende Exposition
Die Ausstellung mit dem Titel «Freiheit, die ich meine» ist ein gelungenes Gesamtkonzept. Die Werke Kvapils fordern den Betrachter und lassen ihm kaum genug Zeit sie ganz zu begreifen, sie fesseln dauerhaft.
Auch die Lebensgeschichte des Boleslav Kvapil ist mitdokumentiert. Sie gibt dem Besucher noch bis Juni einen Einblick in das Leben eines Mannes der allen Schmerz mit Malen verarbeitet hat.

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