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Unmut auf dem Boulevard

Kreuzlingen – Die Mitglieder des Gewerbevereins Kreuzlingen trafen sich am Dienstagabend im Trösch zum Info-Anlass «Neue Verkehrsführung Boulevard». Dass dieser Abend nicht ohne Diskussionen vonstatten geht, war auch Andreas Haueter, Präsident des Gewerbevereins Kreuzlingen, klar.

Ernst Zülle (r.) erklärte die neue Verkehrsführung. Er erwähnte, dass zahlreiche Mails und Telefonate zum Boulevard bei der Stadt eingegangen sind. (Bild: jl)

Es lag Spannung in der Luft. Das Kreuzlinger Gewerbe und Vertreter der Stadt hatten sich eingefunden, um eine erste Bilanz der neuen Verkehrsführung auf dem Boulevard zu ziehen. «Wenn die Verkehrsführung bis Ende des Jahres so bleibt, dann gibt es keine Gewerbler mehr am Boulevard. Es gibt jetzt schon Detaillisten, die Existenzangst haben», tat Vincenza Freienmuth vom Sanitätshaus Karl Steuer ihrem Unmut Kund.

Geschichten von der Strasse
Seit 2011 der neue Boulevard eingeweiht wurde, gibt es Diskussionen über den Verkehr. Die Stadt musste die Veränderung der Hauptstrasse im Jahr 2012 gegen etliche Rekurse verteidigen. Zwar wurden alle Beschwerden vom Departement für Bau und Umwelt abgelehnt, doch gründete sich die Initiative für einen autofreien Boulevard. Das Anliegen der Initiative an die Stadt war, die Hauptstrasse von Helvetia- bis Löwenplatz motorfahrzeugfrei zu machen. Spätestens ein Jahr nach Annahme der Initiative sollten diese Forderungen in Kraft treten. Um eine Einigung zu finden, kam es im Mai 2014 dann zum ersten «Runden Tisch», ein Treffen der Initianten mit Vertretern vom Gewerbeverein und vom Quartierverein Bodan. Nach neun Sitzungen hatten die Vertreter am runden Tisch einen Konsens gefunden. Das Ergebnis ist die jetzige Verkehrsführung am Boulevard.

Verkehr nur verlagert?
Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau Stadt Kreuzlingen, stellte erste Zahlen zum Verkehrsaufkommen vor. Die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke konnte beispielsweise an der Hauptstrasse 58 von circa 8500 Fahrzeugen vor der neuen Verkehrsführung, auf 5400 Fahrzeuge vermindert werden. Mehr Verkehr gebe es laut Nöthiger allerdings auf der Gutenbergstrasse, der Nationalstrasse und der Schützenstrasse, hauptsächlich zu den Abendspitzenstunden. Ansonsten rät Nöthiger die Zahlen zu beobachten. Nach 30 Tagen rede man hier noch von Momentaufnahmen.

Detaillisten unzufrieden
Immer wieder sprachen die Detaillisten am Dienstag von Umsatzeinbrüchen. Ralph Schär, Inhaber von Schuh Haberer und einer der Gewerbevertreter am Runden Tisch, appellierte an die Vernunft. Man dürfe jetzt nicht jede Umsatzeinbusse sofort auf das neue Verkehrskonzept zurück führen. Da gebe es auch noch andere Faktoren, wie beispielsweise das Wetter, das dieses Jahr verrückt spiele, meinte er.

Zuzana Arnold versuchte dieses Argument zu widerlegen, indem sie bestätigte, dass trotz grosser Grippewelle die Kundenfrequenz in der Stadt-Apotheke abgenommen habe. Werner Meister, der ebenfalls am Runden Tisch sass, versuchte klar zu machen, dass ein Zustandekommen der Initiative möglicherweise gar keinen Verkehr mehr bedeutet hätte. «Es war oft kurz vor zwölf», so Meister. Daniel Moos, Gemeinderatspräsident und Mitinitiant der verkehrsfreien Lösung, weiss: «Es ist ein Kompromiss und ein Kompromiss kann für niemanden die beste Lösung sein.» Wichtig sei es, dass aber Initianten und Gewerbe weiter in Kontakt bleiben, so Moos.

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One thought on “Unmut auf dem Boulevard

  1. Frischknecht Ernst

    Es wäre an der Zeit, dass sich die Detaillisten wie z. Bsp Frau Arnold durch positive Aktivitäten hervortun und nicht durch ständiges Lamentieren! Diese Art von genereller Miesmacherei der durchaus akzeptablen Lösung auf dem Boulevard geht nämlich den Kunden auf den Wecker! Mit ansehlichen Steuermitteln wurde die Strasse umgestaltet; die Detaillisten mit ins Boot geholt und nun soll alles ein Pfusch sein? Sie müssen mit Aktionen z. Bsp. auf dem Boulevard, mit Rabattaktionen etc Präsenz im proaktiven Sinne zeigen und den Behörden und dem Steuerzahler gegenüber etwas mehr Goodwill entgegenbringen!

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