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Eine wunderbare Zeit

Tägerwilen – Mehrere Partygenerationen sind die vergangenen 18 Jahre durch die Hallen, Zelte und Türen der «wunderbar» gegangen. Doch die Feste im Tägerwiler Zecchinel Zentrum neigen sich dem Ende zu, der Mietvertrag mit der «WUBA» wurde nicht verlängert. Für Organisator Martin «Pfusi» Rutishauser beginnt nun die Suche nach einem neuen Ort für seinen Club.

«Ich habe keine Party verpasst», sagt Martin «Pfusi» Rutishauser, Mitbegründer Partyreihe «wunderbar». (Bild: ek)

Angefangen hat alles in der Kantine des Tägerwiler Unternehmens Späti Ladenbau. Zu alt für die Diskotheken, aber noch zu jung um zu Hause zu bleiben, setzten sich ein paar Freunde die fixe Idee in den Kopf, eine Party für Feierwütige in ihrem Alter zu organisieren. Der Name fiel auf «wunderbar», in Erinnerung an eine Konstanzer Kneipe am Fischmarkt, in der viele gemeinsame Nächte verbracht wurden. Schnell wurde eine Theke aufgestellt und eine Anlage besorgt. «Ausser uns kamen vielleicht noch fünf andere Leute», erinnert sich Martin Rutishauser. Der damals 27-Jährige und seine Freunde liessen den Kopf nicht hängen, sondern nickten weiter zu den Hits ihrer Zeit. Und die Partys stiessen auf Anklang: 1999 gab es von November bis Januar jeden Freitag eine Feier.

Die Anfänge der «wunderbar» waren bescheiden, doch das Konzept stiess auf Anklang. (Bilder: zvg)

Die Gruppe traf den Zahn der Zeit, plötzlich kamen hunderte Gäste, die 48 Quadratmeter der Fabrikhalle waren schnell gefüllt. «Wir wollten einen Farbfleck in die drei trostlosen Monate des Jahres bringen und den Leuten der Region etwas bieten», erklärt Rutishauser die Motivation in den Anfangsjahren. Denn weder in Kreuzlingen noch in Konstanz war in diesen Jahren ausgangstechnisch viel los. Lange konnten sie ihren Standort jedoch nicht behalten, das alte Fabrikgebäude wurde abgerissen. Die Organisatoren wichen nach Kreuzlingen aus, verbrachten einige Wintersaisons in wechselnden Locations. Mittlerweile war die Fabrik in Tägerwilen dem Erdboden gleichgemacht und der Platz wieder frei – nur fehlte ein Dach über dem Kopf. «Wir besorgten uns ein Zirkuszelt, bauten es in handarbeit um und starteten richtig durch», so Rutishauser, welchen viele Partygäste nur unter seinem Spitznamen «Pfusi» kennen. 2002 bis 2006 war dann auch die Hochzeit der «wunderbar», das Zelt war immer gerammelt voll. «Zur Spitzenzeit hatten wir 900 Besucher an einem Abend», so der Scherzinger. Das Zelt wurde zum Markenzeichen der «WUBA», noch heute assoziieren Gäste die runde Tanzfläche mit der Partyreihe.

 

 

«Ein gemischtes Publikum macht eine gute Party aus», ist «Pfusi» überzeugt. (Bild: zvg)

Der Club der Region
Die Organisatoren trugen auch ihren Teil dazu bei, den Zirkusflair beizubehalten. Denn nachdem auch der zweite Teil des Zecchinel Zentrums gebaut wurde, galt es erneut die Zelte abzubrechen. Wieder folgten Jahre der Wanderschaft, bis 2006 die derzeitige Lösung im Zecchinel Zentrum Realität wurde. Die weisse Halle verwandelte sich nach und nach in einen schwarzen Club mit Lounges, Discokugel und Lichtanlage. Die runde Tanzfläche wurde in Anlehnung an das Zelt beibehalten und auch die Decke aus Stoff erinnert an die Abende unter dem Spitzdach. Selbst der knallblaue Toilettenwagen mit Kultstatus hat die Fete in die Halle mitbegleitet. Und Eintritt wurde stets nur ab 24 Jahren gewährt.

 

Ein Blick an die Decke des Zelts, der sich bei vielen Besuchern der «wunderbar» eingebrannt hat. (Bild: zvg)

Geschäft mit guter Laune

Doch das monatliche Feiern ist schon lange kein Hobby mehr, hinter der «WUBA» steht eine GmbH. Es gilt Rechnungen für die Miete der Halle, den Strom und das Personal zu zahlen. Bekannte DJs werden gebucht, welche den Tanzwütigen richtig einheizen aber auch ihren Preis haben. Zwar sei das Nachtleben gewissen Wellen unterworfen, mal ist ein Club angesagt, mal gilt er als langweilig. Doch die «WUBA» ist immernoch erfolgreich. Durchschnittlich besuchen 500 Gäste die monatlichen Partys.

«Die WUBA hat sich zu einem Geschäftszweig entwickelt», erklärt der Landwirt, welcher einen Hof in Scherzingen hat. Mittlerweile ist er 46 Jahre alt, vom Partymachen und -organisieren ist er aber noch lange nicht müde. Die Feste seien ein guter Ausgleich zu Familie und Beruf, sich noch öfter die Nacht um die Ohren schlagen möchte er aber auch nicht. Am nächsten Morgen wieder bei den Kühen im Stall zu stehen, bringe ihn schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Die Nachricht, dass der Club aus der Halle verschwinden muss, kam für ihn und sein Team brüsk und überraschend. Bis Ende Mai muss alles draussen sein. Zwei Feste gibt es noch (siehe Box), dann ist vorerst Schluss mit der WUBA in Tägerwilen. «Ob wir nächsten Winter bereits wieder eine Location haben, steht noch nicht fest», so Rutishauser. Das Kernteam, zu dem immernoch die Freunde von vor 18 Jahren gehören, haben ihm aber bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Auf Biegen und Brechen einen neuen Club aufmachen möchte aber niemand. «Es muss passen, wir brauchen genügend Parkplätze und wollen keine Nachbarn stören», so Rutishauser. Er zeigt sich aber zuversichtlich und erinnert sich an die Anfangszeit zurück: «Wenn wir uns etwas in den Kopf setzen und es wirklich wollen, können wir alles schaffen.»

Noch zweimal WUBA
Freitag, 13. April: DJ Enrico Ostendorf Deutschlands erfolgreichster Radio-DJ legt auf. Er weiss, zu welchen Hits es sich gut tanzen lässt.

Freitag, 4. Mai: WUBA Revival-Party.
Ein letztes Mal Fünf-Liber-Party mit DJ Tommy Well.
Ab 22 Uhr geht es jeweils an der Hauptstrasse 137 in Tägerwilen los. Einlass ist ab 24 Jahren und kostet 20 Franken.

 

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