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Tierpark und WWF kommen sich ins Gehege

Kreuzlingen – Am Ostermontag, 2. April, präsentiert sich die Jungmannschaft des Tierparks Kreuzlingen. Eigentlich hätte für die Tiere bereits diesen Frühling die südliche Wiese umzäunt und als zusätzliche Weide bereitstehen sollen. Eine Einsprache des Thurgauer WWFs verhindert diese Pläne derzeit.

Die Wiese zur Linken des Tierparks sollte zum Frühling hin eingezäunt werden. Doch der WWF hat eine Beschwerde gegen das Baugesuch eingereicht. (Bild: ek)

Dem Tierparkverein Kreuzlingen geht es prächtig. Die Vereinskasse ist gut gefüllt und hinter den Zäunen im Seeburgpark tummeln sich Schweine, Esel, Ziegen und Hühner. So viele Tiere, dass der Platz langsam knapp wird. Ihre Auslauffläche ist arg strapaziert, die Wiese bräuchte längere Auszeiten um sich zu erholen. Deshalb stellte Vereinspräsident Elmar Raschle an der Generalversammlung vom April 2017 Pläne vor, um das südliche, unbebaute Stück der Allee einzuzäunen. Auf dem ehemaligen Acker wurde eine Spezialgrasmischung gesät, damit die Weide diesen Frühling bereit steht, um abgegrast zu werden. Dazu fehlt jetzt nur noch ein Haag und ein provisorischer Unterstand, damit sich die Tiere bei Regen unterstellen können.

Grün ist die derzeitige Fläche des Tierparks, gelb ist die geplante Wiese. Die rote Fläche wird vom Stadtrat 2022 in Aussicht gestellt. (Bild: Amt für Geoinformation TG)

Zaun löse keine Probleme
Bereits im September 2017 reichte der Tierparkverein ein Baugesuch ein, Ende Dezember flatterte dazu jedoch eine Beschwerde des WWFs ins Haus. Der geplante Zaun verstosse gegen den geltenden Gestaltungsplan, die Sondergenehmigung solle deshalb abgelehnt werden.
Da die Stadt selbst Grundstücksbesitzerin ist, kann sie nicht über den Fall entscheiden. Derzeit behandelt das Thurgauer Departement für Bau und Umwelt das Gesuch. «Der Zaun löst die Probleme des Tierparkvereins nicht», erklärt Kantonsrat und WWF-Mitglied Jost Rüegg. Er hat die Beschwerde zusammen mit Gabriele Aebli, Co-Präsidentin des WWF Thurgau und Guido Leutenegger eingereicht.

Die Tiere im Park litten derzeit an Parasiten, die zusätzliche Freifläche ändere nichts am Gesundheitszustand der Tiere. «Wir als Umweltverband und Fachleute wären bereit, Alternativen aufzuzeigen», so Rüegg. Doch ihre Vorschläge stiessen angeblich auf taube Ohren. «Es gab nie ein direktes Treffen zwischen den beiden Vereinen», stellt Raschle klar. Doch mit der angestrebten Biodiversität und dem Rassenerhalt seltener Tiere verfolge der Tierparkverein eins zu eins die Ziele des WWFs. «Ich bin masslos enttäuscht von der Einsprache», sagt Raschle. «Wir hatten keine andere Wahl», so Rüegg, welcher selbst Gönner des Tierparks ist. «Wir waren plötzlich mit dem Baugesuch konfrontiert und mussten handeln.»

Nachwuchs bereitet Platzsorgen
Dieses Frühjahr sind 18 junge Geissen auf die Welt gekommen, was die Platzverhältnisse im Tierpark noch verschärft. Aufgrund der geringen Auslauffläche fressen die Tiere während dem Grasen ihren eigenen Kot, weshalb sie Würmer kriegen. «Die Parasiten sind lästig», erklärt die Tierpflegerin Ingrid Ahn vom Tierpark. Zweimal im Jahr müsste die ganze Mannschaft entwurmt werden. Ahn zeigt sich aber überzeugt, dass mit der zusätzlichen Freifläche von 7000 Quadratmetern dieses Problem der Vergangenheit angehört.

Das Schweigen der Lämmer
Die Fronten sind verhärtet, derzeit wird nur noch auf juristischem Weg kommuniziert. Ursprünglich waren die Pläne des Tierparks um einiges ausgefallener. Ein grosser Unterstand aus Holz hätte den Tieren Unterschlupf bieten sollen. Der derzeitige Gestaltungsplan lässt jedoch keine festen Bauten zu. Der zeitlich auf fünf Jahre begrenzte Haag mit den provisorischen Hütten war ein Kompromiss, mit dem der Tierpark hätte leben können. «Wir haben fest damit gerechnet», so Ahn. Raschle findet die Situation indes äusserst frustrierend: «Damit keine Platznot entsteht, haben wir bereits den Verkauf einiger Tiere organisiert.»

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One thought on “Tierpark und WWF kommen sich ins Gehege

  1. Bruno Neidhart

    Dieser „Fall“ geht tiefer als eine zusätzliche Tierwiese: Er betrifft die „Kreuzlinger Park-Kultur“. Der „historische Seeburgpark“, ausstrahlend vom Schloss, war ursprünglich eine stille Einheit durch das Arboretum, den freien Flächen, kleinen Gärten, den Sichtachsen, usw. Erschlossen westlich durch eine magistrale Kastanienallee, vom Süden her durch einen kleineren Zugang. Konnte in den 1960er Jahren eine massive Hochhausbebauung (!) im Dreieck: Schloss-heutiges Rebgelände-Hörliberg noch knapp verhindert werden, nagte die Begehrlichkeit dafür von Westen her am bestehenden Parkgelände. So ist der historische Parkeingang am Beginn der Kastanienallee im Hafengebiet bereits lange seiner Funktion enthoben. Das Tor dient nur noch als Staffage. Volkstümlich mit Hütten- und Zaun-Zauber geht es am ehemaligen Seeweg zu. Hier siedelt u.a. eine Minigolf-Spielanlage, der Tennissport, ein kleines Tiergehege, und am Ende ein Saustall. Eine kleine Volière in der Nähe vervollständigt das Ensemble. Und beim ehemaligen Parkeingang West vergrössert sich die beliebte Kinder-Spielanlage regelmässig fast jede Saison.

    Es ist nun beileibe nicht so, dass diese „Institutionen“ keinen (volkstümlichen) Zulauf hätten. Ganz im Gegenteill: Hier wälzt sich das Publikum an schönen Tagen sogar pulkartig. Es „gefällt“ – es sei gegönnt! Die Frage ist nur, ob nicht ein Stück „klassischer Parkkultur“ unwiederbringlich verloren geht, wenn die ursprüngliche Parkästhetik weiterhin beeinträchtigt wird. Oder anders gefragt: Ist heute eine ästhetisch-sinnliche Funktion, die ein Park – besonders seine Stille – auszustrahlen vermag, noch zeitgemäss? Im historischen Parkgelände sind heute nur noch wenige Räume zu finden, die dem „Zug der Zeit“ noch nicht geopfert sind. Und auf dem seewärts vorgelagerten Auffüllgelände, das nicht mit dem historischen Seeburgpark verwechselt werden darf und heute als Liege- und Badewiese biotopumgeben funktioniert, tummeln sich mitunter Massen. Auch hier „gefällt“ es. Sogar ein riesiges Freiluftkino bespielt saisonal den Park, beansprucht Raum. Auch ein Theater.

    Was wäre zu tun? Zur Rettung wenigsten der historischen Rest-Kernzone „Seeburgpark“ plädiere ich besonders für eine kräftige „botanisch-bildende Aufwertung“ rund um den Schlossbereich. Als Ziel kann begrifflich „Botanischer Garten am See“ bereits eine kleine Vorstellung vermitteln. In Erweiterung zu bestehenden zentralen Parkörtlichkeiten, wie Arboretum, dem schönen Kräutergarten, oder dem kleinen Rosengarten unterhalb des Schlosses ist einer erweiterten Botanik zwischen Schauen-Begreifen-Sammeln-Wissen Raum zu geben, um einen Gegenpart zu prägen zum illustren Bild publikumswirksamer, mehr auf Freizeitvergnügen angelegten, oben geschilderten „Institutionen“. Dieser zu gestaltende „gärtnerische Gegenpart“ hätte zudem den Charme, neben der interessierten Bevölkerung auch den erfreulich vielen schulischen und studentischen Bildungseinrichtungen der Stadt als „zentraler botanisch Ort“ für Bildung und Forschung zur Verfügung zu stehen.

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