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Wir sind ein harmonisches Team

Interview - Am kommenden Wochenende kann man in Wäldi den Hütehunden bei der Arbeit zuschauen. Vorab haben wir den aktuellen Schweizermeister Johann Beeli interviewt. Der Bündner schwärmt von der speziellen Harmonie zwischen Hund und Mensch, die bei dieser Zusammenarbeit entsteht. Als Schäfer ist er zudem auf die Unterstützung angewiesen, die seine Hütehunde täglich leisten.

Johann Beeli und Becco sind Schweizermeister der Hütehunde. (Bild: zvg)

Herr Beeli, im letzten Herbst haben Sie den Schweizermeistertitel gewonnen. Möchten Sie nun auch den Europameistertitel erlangen?
Johann Beeli: Ich durfte bereits mehrere Male an einer Europameisterschaft teilnehmen. Das Niveau der Schweizer Hütehunde ist in jedem Fall konkurrenzfähig mit dem Rest der Welt. Allerdings braucht es neben starken Nerven auch immer Glück. Denn die Schafe vor Ort können durchaus einmal bockig sein.

Wie viel Arbeit steckt hinter einem solchen Titel? Sollte dabei der Hund oder der Mensch gelobt werden?
Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund ist sehr gross, wir sind ein Team und haben somit auch gemeinsam gewonnen. Wenn es eine Schwachstelle gibt, liegt die allerdings meistens beim Menschen. Der Hund möchte immer alles tun, um zu helfen.

Wie heisst Ihr Hund und wie lange trainieren Sie diesen schon?
Ich habe den Titel mit meinem Hund Glencregg Becco gewonnen, allerdings habe ich momentan drei Hütehunde, mit denen ich arbeite. Mit Becco habe ich angefangen zu trainieren, als er rund fünf Monate alt war. Den Zeitpunkt, um mit dem Training zu beginnen, entscheidet der Hund. Wenn er bereit ist, merke ich das, und es wird spielerisch begonnen. Die Ausbildung zu einem guten Hütehund dauert ungefähr vier Jahre.

Bei dieser Ausbildung muss man konzentriert arbeiten und starke Nerven zeigen. Wie trainiert man einen Hund auf derartige Übungen?
Man zieht einen Hund auf wie ein Kind: konsequent, fair und ohne Druck. Die Ausbildung beginnt mit den Grundbefehlen wie Sitz oder Platz. Sobald der Hund diese Befehle im Griff hat, benutze ich eine Pfeife. So kann ich schneller Kommandos erteilen.

Kann jeder Hund ein Hütehund werden oder gibt es bestimmt Kriterien (Grösse, Gewicht, Alter)?
Über die Jahre hat sich gezeigt, dass die Border Collies die besten Hunde für diese Arbeit sind. Bei der Zucht dieser Rasse wurde schon immer auf Intelligenz und weniger auf Schönheit geachtet. Ich persönlich bevorzuge sogar die etwas grösseren Tiere, da ihre Bewegungen die Nutztiere, also die Schafe, weniger nervös machen.

Braucht man, um einen Hütehund zu trainieren, Schafe oder können es auch beispielsweise Kühe sein? Sind es nur Nutztierhalter, die ihre Hunde so trainieren?
Mit den Hunden kann man alles treiben: Kühe, Schafe, Schweine, Hühner, alles. Es ist die Sensibilisierung der Tiere, auf die geachtet werden muss. Es sind nicht alles Berufsbauern oder Schäfer, es gibt auch viele, die halten Schafe zum Hobby und dazu auch noch einen Hund. Allerdings muss so ein Tier gefordert werden. In einer Familie ohne Hof würde es sich langweilen.

Wie muss man sich so einen Wettkampf vorstellen?
Es ist kein Wettkampf, mehr eine Arbeitsprüfung. Die Hundehalter und ihre Tiere können in verschiedenen Schwierigkeitsstufen antreten. Dabei lösen die Hunde Aufgaben, wie zum Beispiel eine Gruppe von Nutztieren durch einen Parcours treiben.

Also können wir dabei bereits von einem Sport sprechen?
Sport ist meiner Meinung nach nicht der richtige Ausdruck. Natürlich haben wir Zuschauer und an internationalen Wettkämpfen werden diese Prüfungen sogar im Fernsehen übertragen. Aber im Mittelpunkt stehen weder die Hunde noch die Menschen, denn das Ziel ist es, die Schafe sicher zu treiben. Aber eines ist klar: Wenn jemand mit dem «Virus» infiziert wurde, hilft auch kein Antibiotika. Diese Harmonie zwischen Tier und Mensch hinterlässt ein unglaubliches Gefühl.

Nehmen Sie auch in Wäldi teil?
Nein, das werde ich nicht. Zurzeit gibt es sehr viel zu tun in meinem Betrieb. Aber ich gehe oft an als Richter an Prüfungen.

Wie steht es um die Zukunft der Hütehunde?
Ich kann mir kaum vorstellen, wie es die Schafhirten früher ohne Hütehunde geschafft haben. Und ich bin nicht der einzige Schäfer, der dieser Meinung ist. Aktuell sind rund 550 Mitglieder im Verband. Ich würde sagen, die Nachfrage steigt, und zukünftig werden hoffentlich noch viele Hunde ausgebildet.

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