/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Wie man am Boulevard die Kunden vertreibt

Leserbrief - Ein Leser hat vergangene Woche eine unerfreuliche Beobachtung auf dem Boulevard gemacht. (Ernst Bucher, Kreuzlingen)

(Bild: archiv)

Am Donnerstag, 5. April, 15.15 Uhr bin ich vor der Migrosbank Zeuge einer unerfreulichen Situation geworden. Eine stark gehbehinderte, ältere Frau mit Konstanzer Autonummer parkierte vor der Migrosbank ihr kleines schwarzes Auto. Sie kam nur mit grösster Mühe die zwei Tritte rauf und runter zum Bankomat im Gebäude. Kaum eine Minute verging, da erschien ein Ordnungshüter und klemmte ihr einen Bussenzettel im Betrag von 40 Franken unter den Scheibenwischer. Ich kann mir bei der zeitlichen Kürze kaum vorstellen, dass er nicht gesehen hat, wie behindert die Frau war. Interessant: der betreffende Bussenverteiler hat sein weisses Auto (kein Polizeiauto) selbst neben dem Migrosgebäude parkiert, wo Parkverbot herrscht! Ich habe meine Empörung über diesen Vorfall unserem höchsten Stadtpolizisten, Herrn Schuler, anderntags bekanntgegeben, und ihn gebeten, diese Busse zu annullieren. Rechtlich ist der Fall undiskutabel , nicht aber vom Standpunkt der Ethik , die dem Recht übergeordnet ist. Das kurzzeitige Parkieren von höchstens drei Minuten hat niemanden gestört. Der Fall wäre schon gar nicht aufgetreten, wenn man den Vorschlag im Leserbrief von Herrn Merz umgesetzt hätte. Als minimalstes Entgegenkommen zu Gunsten der geschädigten Geschäftsinhaber am Boulevard wäre es, mit der Schaffung zusätzlich verfügbarer, zeitlich limitierter Gratisparkplätze, die Parkplatzsituation voll auszunützen. Das wäre auch aus Rücksicht gegenüber den vielen älteren Autofahrern geboten. Die Debatte über die höchst unerfreuliche und absurde Verkehrsplanung in Kreuzlingen wird noch lange nicht abreissen, dass wegen der einseitigen Sperrung des Boulevards soviele zusätzlichen Kilometer gefahren werden müssen, und Hunderte von Einwohnern zusätzlichem Lärm und Dreck ausgesetzt werden an Wohnstrassen. Die Inkompetenz unserer Kreuzlinger Verkehrsplaner ist kaum noch steigerungsfähig, wenngleich leider sogar noch abgesegnet vom DBU in Frauenfeld und dem Bundesgericht, welche offenbar auch nicht fähig sind, den Schaden an Umwelt und Wohnqualität Betroffener in Rechnung zu ziehen. Noch etwas: Ich bin seit 1986 nicht mehr Autofahrer, somit kein Vertreter der Autolobby!

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4 thoughts on “Wie man am Boulevard die Kunden vertreibt

  1. Toni Müller

    Sehr interessanter Bericht! Während in anderen Quartier-Strassen, rund um den Hauptbahnhof kaum, ja sogar Wochenweise nicht kontrolliert wird! Da stehen (vor allem Auto’s mit deutschen Schildern??) ohne überhaupt eine Parkscheibe aufzulegen oder die Parkscheibe wird einfach absichtlich falsch eingestellt (die Kontrolle müsste ja so ablaufen, dass man mal einen 1. Gang macht, die Zeiten notiert und dann sagen wir nach 2 Stunden, die selbe Strasse nochmals abläuft und dann sieht man, was los ist). Es handelt sich meist um Zugewanderte Bewohner oder deren Besucher!!Dies wird aber vom Ordnungsamt in keiner Weise richtig durchgeführt (dies müsste natürlich auch Samstag bis 16.00 Uhr mal erfolgen). Aber einer Gehbehinderten eine Busse aufbrummen – hoffentlich werden sie nie Gehbehindert vom Ordnungsamt! Man müsste mal eine Aufsichstbeschwerde bei der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen gegen die Kontrollorgane der Stadt Kreuzlingen einleiten!

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  2. Reto Meier

    Ich kann mir schon denken, um welchen Polizisten es sich handelt. Er verteilt sehr schnell seine Zettelchen bei meinen Kunden, wenn diese ein ausländisches Kennzeichen haben.

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  3. Bruno Neidhart

    Frühling 2018 (@ Toni Müller): „Mit deutschen Schildern“, „Zugewanderte Bewohner oder deren Besucher!“, „Aufsichtsbeschwerde bei der Staatsanwaltschaft“, usw. Es lebt sich scheinbar friedlich in Kreuzlingen…..!

    Um zur Sache zu kommen: Die „Beobachtungen des Herrn Bucher“ haben einen wesentlichen Kern. Es geht vorliegend sogar – meine ich – weniger um Ethik. „Gesunder Menschenverstand“ reicht aus! Diese Geschichte ist jedoch nur ein kleiner Splitter, wie untauglich sich bis jetzt alle Massnahmen an der Hauptstrasse auswirkten. Ohne breites, grosszügiges Verständnis geht hier im Moment gar nichts.

    Zur angestauten Problematik: Die Frage nach einer Verkehrsregelung wäre nur im Zusammenhang mit einer Prospektion sinnvoll, die Aufkunft geben könnte, was denn an der Hauptstrasse gesucht und gefunden werden sollte. Genauer: Welche Struktur diese Meile, die, unmittelbar von Konstanz ausgehend (Kreuzlinger Tor), sich auf einer eiszeitlichen Moräne historisch ins Herz der Stadt erstreckt, bekommen müsste. Es mag durchaus sein, dass die Ursachen der gegenwärtigen Schwierigkeiten der ursprünglich zentralen Einkaufsstrasse sich nicht auf wenige bekannte „Erscheinungen“ reduzieren lassen, die da sind: Grosse Einkaufs- und Parkierungsmöglichkeiten siedelten sich am Stadtrand an, Aufwertung des sFr durch eine „Nacht- und Nebelaktion der SNB“, Ladenmietpreise in einem Missverhältnis zur derzeit reduzierten Laufkundschaft, allgemeine Mobilität reizt zu weiten Einkaufswegen, (Stadt-) Nachbarschaftskonkurrenz, Bestellungen übers Internet, usw. Die aufgeführten Punkte sind selbsverständlich auch mit der aufgekommenen, nun latenten Hauptstrassen-Misere vergesellschaftet. Auf weite Sicht kann jedoch der ursprüngliche Zustand der Hauptstrasse, also das vorherrschende Vorhandensein von (oft kleinen) Einzelhandelsgeschäften womöglich nicht aufrecht erhalten werden. Es sei denn, alles konzentriert sich sehr massiv auf diese Meile als „Kreuzlinger Szene“ definierbar, dicht an dicht, an jeder Ecke, an jedem Beginn einer Seitenstrasse (in Ermangelung an Gassen) läuft was, usw. Ist womöglich eine Chance. Verschiedene Anbieter, etwa im Bereich „Uhren“, sind sogar im Pulk nebeneinander vorstellbar (wie bereits im Bankensektor). Hier wäre auch eine spezielle Grenzortkreativität besonders gefragt (Uhrenmesse mit Schweizer Uhren – nur als kleines Beispiel).

    Darüber hinaus erscheint es mir unerlässlich, „gesellschaftsrelevante Institutionen“ im Bereich Hauptstrasse anzusiedeln – oder zu belassen! Mit dem Auszug des Stadthauses aus dem Zentrum auf eine grüne Wiese wird allerdings die Chance verpasst, „Stadt“ kreativ und modern dort zu präsentieren, wo es dereinst wieder pulsieren soll (dann neu mit Stadthausrestaurant, Touistinformation, kleine museale Präentation der Geschichte von Kreuzlingen, Empfangsraum, Ausstellungsraum, usw.). Zu einer modernen Stadt gehört heute auch ein kreatives Stadtbibliotheks- und Veranstaltungsgebäude (mit Kino, mit Café, Leseraum, usw., besonders auch mit schüler- und studentenzentrierten Angeboten!). Als „Bildungsstadt“ sind die Anforderungen entsprechend hoch, Bildung aktuell und gesellschaftsrelevant von jung bis alt zu präsentieren. Sport-Vereine (und andere) als wichtiger Teil der Gesellschaft, sollten sich in einem Raum gemeinsam ganzjährig an der Hauptstrasse wirksam darstellen können. Ein kreativer Spieleladen für Kinder belebt ebenso die Szenerie! Und das rückwärtige Schiesser-Areal als Kulturstätte ist „irgendwie präsenter“ an die Hauptstrasse anzubinden, usw. Dies sind nur einige Beispiele. Ziel einer solchen Konzentration wäre das Schaffen von gesellschaftlichen Interessen, die mit den Interessen der hier konzentrierten Einzelhandelsgeschäften, Restaurants, Café’s, usw. gegenseitig befruchtend wirken können. Auf den Punkt gebracht: Die Hauptstrasse muss zukünftig für eine möglichst breite (-re) Bevölkerungsschicht interessant (-er) werden – für jung und alt. Und das täglich!

    Und wie kommt man an die Hautsrasse? Besonders mit dem Bus? Nun, das eigene Fahrzeug wird für viele noch lange eine herausragende Rolle spielen. Das Fahrrad, ohne oder mit Motor – letzteres nach Herrn Zweifel! – wird dann noch interessanter, wenn viele sichere Fahrradwege aus allen Quartieren ausgewiesen sind. Besonders in einer weit verzweigten Stadt wie Kreuzlingen (breit aufgefächert, zum Teil am Hang gelegen!), ist jedoch der Auto-Individualverkehr durchaus sinnvoll. Daher sind alle Versuche, dem Auto-Individualverkehr mit grossen Hürden zu begegnen, Gift für die „City“. Was es z. B. bräuchte – besonders auch für Stadtbesucher! -, sind auffallend ausgeschilderte, von rückwärtig der Hauptstrasse erschlossene Parkplätze, gar Parkhäuser, alles in unmittelbarer Nähe zum dann „ziemlich fussläufig gewordenen Zentrum“. Die noble Idee, die Hauptstrasse bereits heute als reine Fussgängerstrasse auszubilden, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Illusion. Dies wäre erst dann zu diskutieren, wenn die Strasse wiedermal als echte, attraktive, kreative „Einkaufs- und Begegnungszone“ von Einheimischen, aber auch besonders von Stadtbesuchern wahrgenommen werden kann. In diesem Zusammenhang ist auch wiedermal an die Gleisüberbrückung „zum und vom“ Klein Venedig-Grossveranstaltungsgelände als wichtige Stadtbesucherquelle zu erinnern. Hier liegt viel Publikumspotential für die Stadtmitte!

    Wäre einmal das Signal gegeben, die Hauptstrasse als Fussgängerzone auszubilden, ist zur Attraktivitätssteigerung gestalterisch noch viel Luft nach oben. Dies begänne bereits bei der Baumwahl, die mit der „Gleditschie“ noch nicht das Ende eingeläutet haben sollte! Und da die Haupttrasse in gerader Linie verläuft, sind z.B. einige Zwischenschritte zur Orientierung sinnvol (Ich schlug vor Jahren einem Uhrenhändler mal vor – nicht lachen! -, dass zur optischen Einbeziehung des publikumsfrequentierten Karussell in der Sichtachse ein „Schweizer Uhrenturm mit Glockenspiel“ an der Hauptstrasse zu installieren wäre (nachts ohne Lärm – nach Kreuzlinger Art!).. Der Händler damals : „Sage es mal dem Stadtpräsidenten, den ich gut kenne“ (Letzterer ist nun weg). Und das Wasser als see- und thermalstadtbelebendes Element? Nun, es sprudelt derzeit an der Strasse ziemlich diskret. Hier fehlt die weithin sichtbare Frische attraktiver Fontänen zur Markierung der Meile, usw. Und wo ist die überraschende, kreative Blumenszenerie? Ein breites Brainstorming würde womöglich noch ganz andere stadtattraktive Ausbildungen kreieren. Fast alles ist möglich..

    Es wird interessant zu beobachten sein, ob sich die Hauptstrasse wieder ihrer ehemaligen Funktion nähert, „die wahre zentrale Achse des inneren Stadtgebiets“ zu bilden. Wartet die kommende Generation darauf? Oder läuft – oder fährt – die Geschichte noch ganz aus dem Ruder? Solche Fragen sollten den Mut zu Grossem nicht erschüttern. Dazu gehört auch eine attraktive moderne Architektur. Es gibt viele Städte, die gerade dadurch an Aufmerksamkeit in jüngster Zeit gewannen. Ein neues, architektonisch attraktives Stadthaus im Herzen der Hauptstrasse wäre eine solche Chance gewesen. Wenn nicht – dann eben die neue „Stadtbibliothek“……..! So kanns gehen: Kreuzlingen braucht ein unverwechselbares Erscheiningsbild in seiner Mitte. Es ist das, was letztlich eine Stadt attraktiv macht. Daran führt nichts vorbei.

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  4. Toni Müller

    @Bruno Neidhart: Leider hat sich die Lebensqualität mit der Zuwanderung in der Schweiz bzw. eben in Kreuzlingen massiv in den letzten 20 Jahren immer „langsam“ aber immer mehr verschlechtert und ein Ende ist leider nicht abzusehen! Warum? Dann zu ihren langen Gedanken am Boulevard Kreuzlingen:
    Um es Kurz zu machen: Die „Hauptstrasse = Boulevard“ – soll das bleiben was sie schon vor Jahrzenten war – „die Hauptstrasse“ und das sagt ja schon das Wort „Haupt“ und „Strasse“, mit Parkplätzen, mehr als jetzt, jedoch so viele wie früher in den 80er Jahren!! Man sollte nicht immer im Leben alles was gut war – immer wieder verändern! Die „Renovation“ der Strasse mit den Lampen war gut, aber alles andere sollten wir so lassen wie es eben vor über 30 Jahren mal war!!

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