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Schloss sucht neuen Besitzer

Salenstein – Seit heute steht Schloss Eugensberg zum Verkauf. Der beauftragte Makler erwartet einen Preis von 35 Millionen Franken für die gesamte Anlage. Nur wer einen entsprechenden Vermögensnachweis leisten kann, erhält einen Rundgang auf dem einzigartigen Anwesen. (Jana Zellweger/Stefan Böker)

Das Hauptgebäude, in dem Rolf Erb wohnte. (Bild: zvg)

Es gibt kaum Privatliegenschaften in der Schweiz, die grösser sind als Schloss Eugensberg. Zwar ist der Zahn der Zeit auch hier nicht spurlos vorübergegangen, das Anwesen versprüht einen royalen und gleichzeitig bröckligen Charme – ein Rundgang ist dennoch atemberaubend. Und selten: Normalsterbliche erhielten hier nur alle Jubeljahre Zugang; Bilder vom Anfang des 19. Jahrhunderts erbauten Schloss existierten kaum.

Riesige Dimensionen
Durch ein vergoldetes Tor führt die Fahrt über eine lange Allee bis zum Hauptgebäude, in dessen Dachgeschoss Pleitier Rolf Erb bis zum Tod mit seiner Familie wohnte. Neben diesem 200 Quadtratmeter grossen Wohnraum bietet die Residenz sechs Wohnräume, elf Schlafzimmer und fünf Badezimmer. Der riesige Pool fasst 3300 Kubikmeter Wasser und in die unterirdische Garage mit Tunnel zum Schloss passen 18 Autos. Zur Verkaufsmasse zählen ausserdem Nebengebäude wie das aparte Rosenhaus, aber auch ein Badehaus direkt am Untersee, ein schmuckes Gutshaus, Bauland sowie Wald und Wiesen. Die Fläche des gesamten Anwesens entspricht in etwa 113 Fussballfeldern.

Für 3,56 Millionen Franken können Interessierte das Gutshaus plus Scheune und altem Melkerhaus einzeln erwerben. (Bild: zvg)

Sechs Teilobjekte
Gesucht wird ein Käufer, der alles auf einmal übernimmt. «Wir fänden es schön, wenn dieser aus der Region kommt. Es muss auch nicht zwingend eine Privatperson sein», sagte Claude Ginesta von Ginesta Immobilien am Verkaufsstart, zu dem Teams von 18 verschiedenen Medienunternehmen angereist waren. Ginesta sieht ebenfalls die Möglichkeit, die Räumlichkeiten für Seminare zu nützen. Nur wenige Grenzen seien bei der Gestaltung gestellt. Gerade die Lage mit der Nähe zum Ausland als auch zu den Städten St. Gallen und Zürich sollte für Investoren interessant sein. Ausbaumöglichkeiten gibt es dank der Baureserve bei der Burg Sandegg.

Das Badehaus am See mit einem 1000 Quadratmeter Grundstück hingegen sollte Einzelkäufer anlocken. Für den grossen Gutshof findet sich möglicherweise ein Landwirt, der den Betrieb wieder aufnimmt. Das Gebäude sowie die Scheune seien durchaus nutzbar, so Ginesta.

Das Badehaus mit 1000 Quadratmetern Land kommt auf etwas über einen Million Franken. (Bild: zvg)

Wer das Schloss kauft, geniesse bezüglich der anderen Objekte das Vorkaufsrecht. Laut Ginesta gibt es bereits jetzt mehrere Interessenten. Die ersten habe er bereits durch das Schloss geführt. Der Verkauf einer solchen Luxusimmobilie sei allerdings ein langer, umfangreicher Prozess. «Fürs Marketing haben wir in Absprache mit den Gläubigern eine Mindestdauer von drei Monaten veranschlagt», teilte er mit. Einen sofortigen Verkauf zu guten Konditionen schliesst der Makler dennoch nicht aus.

Doch er hielt auch nicht hinter dem Berg damit, dass einige Sanierungsarbeiten auf den Käufer zukommen könnten. «Beim Schloss sind Mängel bekannt. Die Technik ist veraltet, ein Lift funktioniert nicht, die Terrassen müssen saniert werden», sagte Ginesta. Wer umbauen will, müsse sich zudem mit der Denkmalpflege absprechen. Noch sei nicht abschliessend bekannt, welche Bereiche geschützt werden und welche nicht. Auch benötige ein derartiges Anwesen gehobenen Unterhalt. «Aktuell ist ein Gärtner angestellt, der sich um die Aussenanlage kümmert. Doch zu seinen besten Zeiten beschäftigte Rolf Erb zehn Angestellte», berichtet Ginesta.

Rolf Erb lebte seit 1991 mit seiner Familie auf Schloss Eugensberg. Dazu hatte der Unternehmer das Gebäude im royalen Stil saniert. Genau wie sein Vorgänger, der Schweizer Grossindustrielle Hippolyt Saurer, war Erb begeisterter Sammler von Antiquitäten. Daher wirkt ein Schlossrundgang heute beinahe wie ein Besuch im Museum. Als sich 2003 der Untergang der Erb-Gruppe abzuzeichnen begann – eine der grössten Firmenpleiten der Schweizer Geschichte – überschrieb Erb das Anwesen auf seine einjährigen Zwillingssöhne. 2004 meldete er Konkurs an. Trotz langwierigen Verfahren mit diversen Gläubigern wohnten Rolf Erb und seine Familie bis Anfang 2017 auf Schloss Eugensberg. Erb verstarb am 8. April 2017 in seinem Schloss, einen Tag vor dem Antritt zu einer Haftstrafe. Sein restlicher Besitz, etwa die Oldtimer-Sammlung und diverse Wertschriften, wurden bereits verkauft. Dabei erzielten die Konkursverwalter eine etwas grössere Summer als mit dem Verkauf des Schlosses noch aussteht. Doch auch dieser Betrag wird die kompletten Schulden, die der Unternehmer verursacht hat, nicht decken können.

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