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Schweizer kämpften in Schützengräben

Arenenberg – Im Napoleonmuseum auf dem Arenenberg wird am 1. Mai die neuste Ausstellung eröffnet. Dabei geht es um die Fronterfahrung von Schweizer Soldaten im ersten Weltkrieg.

Dominik Gügel und Christina Egli im Weinkeller des Napoleonmuseums im Arenenberg. (Bild: Emil Keller)

«Bei der Recherche zum Konstanzer Regiment fiel mir auf, dass einer der ersten Gefallenen ein Weinfelder war», sagte Dominik Gügel, Leiter Napoleonmuseum, bei einem Rundgang. «Da war mein Interesse sofort geweckt.» Rund 50000 Soldaten aus allen deutschsprachigen Kantonen kämpften Seite an Seite mit den Deutschen im Ersten Weltkrieg. Einige davon im Infanterie Regiment 114 aus Konstanz. Diese Tatsache wurde allerdings jahrelang vergessen. Erst als man im vergangenen Jahr das Kriegsende vor 100 Jahren feierte, wurde dieses Thema wieder spannend.

Das Napoleonmuseum eröffnet dazu eine Ausstellung mit vielen Erfahrungsberichten und Briefen. Zwei Zeitzeugnisse liegen dabei detailliert vor. Zum einen wird die Geschichte des Kaufmannes Adolf Merk aus Frauenfeld erzählt. Er war ein hochdekorierter Soldat und meldete sich damals freiwillig für den Krieg. Zudem sind viele Bilder der Ausstellung von Richard Adler. Der Kreuzlinger gehörte einer jüdischen Schuhhandelsdynastie an. Während des Krieges schoss er rund 2000 Fotos und ermöglicht nun – 100 Jahre später – einen intimen Einblick in die Kriegszeit.

Auf die Frage, weshalb tausende von Männern über die Grenze in den Krieg zogen, hat Dominik Gügel zwei Antworten. «Zum einen war es sicher die Sympathie gegenüber dem preussischen Reich und dem Kaiser. Zum anderen war es der Gedanke ans Geld, der die Schweizer in den Krieg trieb», so Gügel. Die Bundesverfassung von 1848 bedeutete eigentlich das Ende für Schweizer Truppen im fremden Dienst. Doch Individualpersonen war der Dienst in einer anderen Streitmacht immer noch erlaubt. Erst mit dem Militärgesetzbuch von 1927 wurde dies endgültig verboten.

Gefühle wie im Schützengraben
Die Ausstellung ist in drei Räume aufgeteilt. Während sich im ersten Teil viele Informationen und Bilder über das Leben an der Front wie beispielsweise zur Feldpost, Verpflegung, Grabenkunst und Ausrüstung befinden, soll der Weinkeller ein Gefühl wie im Schützengraben vermitteln. Vor dem Keller stecken schwarze und weisse Holzkreuze im Boden. «So wie es im Versailler Vertrag von 1919 vereinbart wurde, sind die Kreuze der Verlierer schwarz und die der Sieger weiss», erklärt Gügel, der auch Dozent für Militärgeschichte an der Offiziersschule in Dresden ist. Unten im Weinkeller herrscht eine kühle und bedrückende Stimmung. «Hier gibt es viele Hördateien mit Geschichten aus dieser Zeit und unsere Protagonisten in Lebensgrösse», sagt Gügel und zeigt auf das Ende des Kellers. Wer sich den beiden Herren in Uniform nähert, wird Schüsse und Explosionen hören. «Wir möchten zeigen, was die Soldaten den ganzen Tag im Schützengraben hören mussten. Als Erlebnis können die Besucher auch einen Stahlhelm oder einen Grabenpanzer anprobieren. «Der Panzer wurde zum Schutz vor Scharfschützen getragen», erklärt er.

Als dritter Ausstellungsort wird die Kapelle genützt. «Es werden in einer Dauerschleife die Namen der rund 3000 gefallenen Soldaten verlesen. Die Ausstellung «Wir waren auch dabei» wird am kommenden Dienstag, 1. Mai, eröffnet und dauert bis zum 11. November. Genau 100 Jahre nach dem Kriegsende beendet das Napoleonmuseum die Ausstellung. Zusätzlich hat Dominik Gügel einen Bildband mit geschichtlichen Informationen für die Besucher erstellt.

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