/// Rubrik: Stadtleben

Zivilstandsamt droht Liebesaus

Kreuzlingen – Der Kanton will ab dem Jahr 2020 eine ausgeglichene Rechnung präsentieren. Auch bei den Zivilstandsämtern setzt der Regierungsrat den Rotstift an. Die derzeitigen fünf Standorte sollen auf zwei reduziert werden, was das Aus für das Amt in Kreuzlingen bedeuten würde.

Im Kreuzlinger Zivilstandsamt soll man bald nicht mehr heiraten können. (Bild: ek)

Nicht selten sieht man vor der Villa «belle-vue» ganze Hochzeitsgesellschaften die Vermählung ihrer Liebsten feiern. Dort an der Hauptstrasse 16 hat das Zivilstandsamt für den Bezirk Kreuzlingen seine Büros. Bei solch schönen Räumlichkeiten ist es kein Wunder, dass man bei der Vermählung nicht auf eines der Traulokale in der Seeburg oder der Drachenburg in Gottlieben zurückgreift.

Derzeit hat jeder Bezirk im Thurgau sein eigenes Zivilstandsamt. Dort werden Geburten und Todesfälle registriert, Trauungen vollzogen oder Namensänderungen bewilligt. Seitdem der Kanton 2005 die Verantwortung über das Zivilstandswesen übernahm, konnten viele Arbeiten durch die elektronische Datenverarbeitung rationeller und effizienter gestaltet werden. In der Folge hat der Personalbedarf sukzessive abgenommen. Von den 2005 gesamthaft 2080 Stellenprozent werden 2018 nur noch 1160 Prozent gebraucht. Um 2020 einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren zu können, plant der Thurgauer Regierungsrat derzeit eine Vielzahl an Sparmassnahmen. Unter anderem ist angedacht, zwei gleichwertige Zivilstandsämter zu schaffen, welche je ein Kantonsspital in ihrem Gebiet haben. Damit sollen jährlich 150000 Franken an Mietkosten gespart werden, hinzu kommt ein geringerer Aufwand im Informatikbereich.

Die Wahl für die zukünftigen Standorte fiel auf Frauenfeld und Amriswil. Sollte der Grosse Rat die Pläne für 2020 gutheissen, müsste das Kreuzlinger Amt mit seinen 300 Stellenprozent umziehen.

Zweiter Anlauf
Bereits im November 2009, im Zuge der Reduktion der Thurgauer Bezirke, sprach sich der Grosse Rat dafür aus, alle Zivilstandsbezirke an einer Stelle zu vereinen. Es kam jedoch zu einem Behördenreferendum und das Thurgauer Stimmvolk entschied sich mit 29583 Nein- zu 23196 Ja-Stimmen klar dagegen. Nun wagt der Regierungsrat einen neuen Anlauf.
«Es ist ein klar politischer Entscheid», ist sich Giacun Valaulta bewusst. Als Leiter des Amtes für Handelsregister und Zivilstandswesen hat er die Idee lanciert und ist nun gespannt auf die Diskussion im Kantonsparlament. «Die Zivilstandsämter sind natürlich ein emotional aufgeladenes Thema», so Valaulta. Aus seiner Sicht macht die Zusammenlegung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch aus der Dienstleistungsperspektive Sinn. Gerade Bezirke, welche kein Spital und somit keine Geburten abzuwickeln haben, hätten bei wenig Trauungen keine vernünftige Auslastung.

Hinzu kommt, dass die Öffnungszeiten bei Ferienabwesenheit oder Weiterbildungen derzeit schwer zu gewährleisten seien. Mit der Zusammenlegung könne man diese Probleme lösen und gleichzeitig längere Öffnungszeiten anbieten. «Personal wird keines abgebaut», betont der Amtsleiter.

Dass damit ein längerer Anfahrtsweg für Kreuzlinger in Kauf genommen wird, wäre zu vernachlässigen. «Damit herrschen immer noch idyllische Verhältnisse», sagt der gebürtige Graubündner. In seinem Heimatkanton müssten teils weit längere Strecken auf sich genommen werden, um ein Amt zu besuchen.

An den speziellen Traulokalen wie z.B. der Seeburg soll sich zudem nichts ändern. Sich an einem solchen Ort vermählen zu lassen bleibe wie jetzt Sache von den Privatleuten. Vor Herbst rechnet Valaulta nicht damit, dass das Geschäft im Grossen Rat behandelt wird. Zum Tragen komme die Veränderung erst im Januar 2020. Bis dahin soll auch die Frage nach den neuen Lokalitäten abgeschlossen sein.

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