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Bekenntnis für den Stadtbus

Kreuzlingen – Der Stadtrat legt mit zwei Botschaften an den Gemeinderat ein klares Bekenntnis zum Stadtbus ab. Einerseits will er die Einzelbillette vergünstigen und andererseits die Buslinie nach Tägerwilen erhalten.

Die Linie 907 soll auch in Zukunft Kreuzlingen und Tägerwilen verbinden. Der Stadtrat will dafür jährlich 265’000 Franken ausgeben. (Bild: ek)

Die Aufregung in den sozialen Medien und Leserbriefen war gross, als sich im Dezember 2016 die Billettpreise für eine Fahrt im Stadtbus um fast 50 Prozent verteuerten. Als der Kanton Thurgau dann noch bekanntgab, seine Kostenbeteiligung von 50 Prozent an der Regionallinie 907 auf 15 Prozent zu reduzieren, lancierte die SP eine Petition. 1’248 Mitunterzeichner forderten darin den Stadtrat auf, für günstigere Tickets und den Erhalt der Linie nach Tägerwilen zu sorgen. Mit den beiden Vorschlägen, welche der Stadtrat am 3. Mai dem Gemeinderat vorlegt, kommen sie diesen Forderungen nun weitgehend nach.

Starkes Zeichen aus Tägerwilen
Der Erhalt der Linie nach Tägerwilen scheint dabei einen starken politischen Rückhalt zu geniessen. Die Tägerwiler Stimmbürger sprachen bereits an der Gemeindeversammlung vom vergangenen Dezember zusätzlich 95’000 Franken, damit der Bus im Jahr 2019 weiterfahren darf.

Auch der Kreuzlinger Stadtrat will die Verbindung durch das Quartier Ribi-Brunegg nach Tägerwilen erhalten und sogar ausbauen. Neu soll auch das Industriequartier mit der neu gebauten Produktionshalle der Mowag angefahren werden.

Bis anhin musste Kreuzlingen für den Anschluss ans Nachbardorf jährlich 165’000 Franken berappen. Ohne die Mittel des Kantons werden es jährlich 265’000 Franken sein. «Damit tragen wir 60 Prozent und Tägerwilen 40 Prozent des Defizits», so Stadtrat Ernst Zülle. Gleichzeitig liebäugelt Zülle aber bereits wieder mit Zuschüssen vom Kanton. Denn bei der Überprüfung der Auslastung der regionalen Buslinien hat sich der Kanton auf Zahlen von 2014 gestützt – ein sehr schwaches Jahr für die Linie 907. «In Gesprächen wurde uns versichert, dass die Regionallinie 907 in zweieinhalb Jahren erneut überprüft wird», so der Vorsteher des Departements Bau. Falls in Zukunft ein Zuwachs an Fahrgastzahlen zu verzeichnen ist, übernimmt der Kanton wieder 50 Prozent des Gesamtdefizits.

Eine Fahrt geschenkt
Dazu beitragen soll auch eine Fahrpreisreduktion der Einzelbillette und der Mehrfahrtenkarten. Diese Subventionen will sich der Stadtrat 65000 Franken im Jahr kosten lassen. Die zusätzliche Förderung des ÖVs soll für vier Jahre gelten, danach wollen die Verantwortlichen prüfen, ob die Massnahmen Wirkung zeigen. Das Departement Bau erhofft sich davon, eine Umverlagerung des Kaufverhaltens von Einzeltickets auf Mehrfahrtenkarten zu erwirken. Heute spart man beim Kauf eines Sechser-Tickets nur ein halbes Billett, in Zukunft soll die sechste Fahrt geschenkt sein.

Der Preis für ein Einzelticket sinkt von 3,20 auf drei Franken. Damit reagiert der Stadtrat auf die Preiserhöhung durch den Tarifverbund Ostschweiz im Dezember 2016. Der Preisanstieg von 2,30 Franken auf 3,20 Franken kam für viele überraschend und schlug sich auch in den Fahrgastzahlen nieder. Fast zehn Prozent weniger Passagiere verzeichneten die Stadtbusse im ersten Halbjahr 2017. Diese verlorenen Fahrgastzahlen will die Stadt mit diesen Vergünstigungen nun wieder zurückgewinnen.

Um die Reduktion der Fahrkartenpreise zu ermöglichen, rechnen die Verantwortlichen mit jährlichen Mehrkosten von rund 65’000 Franken. «Dabei gehen wir davon aus, dass die Fahrgastzahlen um zehn Prozent steigen und wir 20 Prozent mehr Mehrfahrtenkarten verkaufen», erklärt Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau, die Auswirkungen der neuen Tarifstruktur. Die Mehrfahrtenkarten sollen zudem Anreiz sein, öfter mit dem Bus zu fahren. 2016 wurden 69’708 Einzelbillette verkauft, aber nur 4799 Mehrfahrtenkarten. Mit den neuen Preisen soll eine Umlagerung stattfinden.

Politischer Gegenwind
«Wir hätten die Billettpreise gerne noch weiter gesenkt», erklärt Zülle. Doch der Stadtrat fürchtete um den politischen Rückhalt im Gemeinderat. In Anbetracht der gleichzeitigen Defizitübernahme der Linie 907 wollte man das Fuder nicht überladen.
Denn anders als bei der Rettung der Buslinie verspürt Zülle bei seiner zweiten Vorlage politischen Gegenwind. Dem einen Lager geht die Preisreduktion nicht weit genug, eine zweite Gruppierung findet eine erneute Subventionierung der Busse überflüssig. Kreuzlingen steuert jährlich 2,2 Millionen Franken an den Öffentlichen Verkehr bei. Falls sich beide Lager zusammentun, könnte sich eine unheilige Allianz im Gemeinderat bilden und die Vorlagen kippen.

Abbau des ÖV verhindern
«Der ÖV ist die Zukunft», ist sich Zülle sicher und will einen Abbau des «Service public» verhindern. Er nimmt sich dabei ein Beispiel an grösseren Städten. Würden dort alle Einwohner mit dem motorisierten Individualverkehr unterwegs sein, stünde täglich ein Verkehrschaos an. «Entweder wir drehen jetzt an der Schraube, um den ÖV attraktiv zu machen oder wir warten auf den Verkehrskollaps», warnt Zülle. ek

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