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Bärenstarke Leistung: Nur ein Tor fehlte zum Wunder!

Handball – Mit einem tollen Auftritt beim 29:19 über den Playoff-Teilnehmer Wädenswil verabschiedeten sich die 1.-Liga-Männer des HSC Kreuzlingen aus der Saison 2017/18.

Die HSC-Herren gewinnen das letzte Spiel der Saison. (Bild: Gaccioli)

Am Ende war die mit 400 Zuschauern sehr gut besetzte Egelseehalle gefüllt mit vielen Emotionen. Stolz auf die eigene Leistung mischte sich im Kreuzlinger Lager mit grosser Enttäuschung, verhaltener Jubel nach der Klatsche gab es beim NLB-Playoff-Teilnehmer aus Wädenswil. Die Zürcher wussten, dass sie nur einigem Glück, einem überragenden Torhüter Jonas Steiner und dank umstrittenen Schiedsrichterentscheiden in den Schlussminuten die im Vorfeld der «Finalissima» bereits sicher geglaubten NLB-Playoffs gegen Chênois Genf erreicht haben. Das war auch Gäste-Trainer Predrag Milici bewusst, der auf die Schlussphase mit drei, vier strittigen Szenen angesprochen nur vielsagend die Schultern hochzog. Nichtsdestotrotz wurde die Kreuzlinger Mannschaft von ihrem Anhang mit einer «Standing Ovation» verabschiedet und selbst Wädenswiler Zuschauer meinten nach dem Spiel: «Ihr hättet die Playoff-Qualifikation mit dieser Leistung ebenso verdient gehabt!»

Tatsächlich hat der HSC an den letzten beiden Finalrunden-Spieltage beide NLB-Playoff-Teilnehmer bezwungen: Zuerst auswärts die Seen Tigers Winterthur mit 34:31 und nun den HC Wädenswil mit 29:19. Am Ende stolperten die Kreuzlinger über eine vierwöchige Formkrise, während der sie vier von fünf Spielen verloren und die zum Wechsel an der Seitenlinie führte. Unter dem neuen Trainer Marcel Keller fand man dann wieder zurück auf die Erfolgsstrasse und holte 11:3 Punkte.

Komfortable Ausgangslage
Der letztjährige NLB-Absteiger war mit grosser Zuversicht an den Bodensee gereist. Immerhin hatten die Zürcher dank des 39:25-Heimsieges am Wochenende zuvor gegen den inferioren TV Muri zwei Punkte mehr auf ihrem Konto und ein um 21 Treffer besseres Torverhältnis. Sie konnten sich somit in Kreuzlingen eine Niederlage mit bis zu zehn Toren Unterschied leisten.

In der Startphase deutete noch wenig darauf hin, dass die Wädenswiler, welche das Hinspiel gegen die Kreuzlinger diskussionslos mit 32:23 gewonnen hatten, am Bodensee in Bedrängnis kommen könnten. Die zahlreich mitgereisten Zürcher Fans waren von Beginn weg in Playoff-Partylaune. Nach einer knappen Viertelstunde lagen die Gäste sogar mit 7:6 vorne. In der Folge steigerten sich die Thurgauer aber sowohl in der Abwehr als auch im Angriff massiv. Bei Halbzeit hatten sie mit dem 15:9 bereits sechs der geforderten elf Treffer Differenz erreicht. Dass Wädenswil nicht noch deutlicher zurücklag, hatten sie in allererster Linie ihrem Torhüter Oliver Steiner zu verdanken, der im ganzen Spiel bravourös hielt. Sein Gegenüber Holger Hug stand ihm allerdings in nichts nach.

HSC verpasst K.O.-Schlag
Der Glaube bei den Kreuzlingern, das erhoffte Handballwunder doch noch realisieren zu können, wuchs ab der 40. Minute kontinuierlich an. Mit vier Treffern in Serie zog das Team von Marcel Keller sogar auf 23:12 weg und hatte damit erstmals die geforderten elf Treffer Differenz geschafft. Als Linksaussen Fabian Schneider in der 49. Minute mit seinem 10. Tor das 25:13 gelang, hing Wädenswil wie ein angeschlagener Boxer in den Seilen. Auch drei Minuten vor dem Abpfiff war der HSC immer noch auf Playoff-Kurs. Nach dem 29:18 ging in der Offensive aber nichts mehr – die Batterien schienen nach der kräfteraubenden Aufholjagd leer zu sein. Trotzdem durften die Thurgauer noch bis gut eine Minute vor Schluss auf die Sensation hoffen. Dann brachte Simon Gantner die Wädenswiler mit seinem Gegenstosstreffer zum 29:19 wieder auf Kurs. Zwei strittige Schiedsrichterentscheide alleine in den letzten 60 Sekunden brachten den HSC, der die letzten zwei Minuten überdies noch in Unterzahl agieren musste, schliesslich um die Möglichkeit, den benötigten Elftore-Vorsprung wieder herzustellen. Verständlicherweise haderten sie nach dem Schlusspfiff mit den Unparteiischen, die sich mit ihren Entscheiden in den Mittelpunkt setzten und hitzige Diskussionen auslösten.

Beste Werbung für Handball
«Natürlich waren wir unmittelbar nach dem Schlusspfiff enttäuscht und frustriert, auf diese Weise um die verdienten Früchte dieser tollen Leistung gebracht worden zu sein. Ich kann Trainer Marcel Keller und jedem einzelnen Spieler aber nur zu diesem tollen Auftritt gratulieren. Da haben sie tolle Werbung in eigener Sache und für den Kreuzlinger Handball im allgemeinen gemacht,» blickt HSC-Präsident Patrick Müller auf den Samstag zurück. «Und wenn man bedenkt, dass wir praktisch die ganze zweite Finalrundenhälfe ohne gelernten Kreisläufer auskommen mussten, sind die Leistungen umso bemerkenswerter.» Die Kaderplanung für die nächste Saison sei bereits weit fortgeschritten und man werde die Mutationen zeitnah bekanntgeben. Neben dem Appenzeller Linkshänder und Topscorer Arie Thür (20) sind noch zwei, drei andere gewichtige Transfers im Gespräch. «Grossmehrheitlich bleibt die Mannschaft aber zusammen,» betont Müller, «was mich freut und für die nächste Saison sehr zuversichtlich stimmt.»

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