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Kündigt das SRF der Bodensee-Arena?

Kreuzlingen – Stadtrat und Verwaltungsrat der Eishalle haben bekanntgegeben, dass das SRF aus Spargünden einen Rückzug aus Kreuzlingen prüft.

Der Verwaltungsratspräsident der Bodensee-Arena, Matthias Mölleney. (Bild: sb)

Verwaltungsratspräsident Matthias Mölleney stand in intensivem Kontakt mit den Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens (SRF). An der heutigen Medienkonferenz präsentierte er schlechte Nachrichten für die Befürworter einer langfristigen Vermietung ans TV. Trotz Ablehnung der No-Billag-Initiative überlege das Fernsehen, Kreuzlingen als Produktionsstätte abzuschiessen. Die Entscheidung soll laut Mölleney an einer SRF-Verwaltungsratssitzung im Juni fallen. «Grund sind Sparübungen, welche das Fernsehen trotz No-Billag-Aus machen muss. Es geht um 100 Millionen Franken. Alle externen Produktionsstätten stehen auf dem Prüfstand», erklärte er. Wahrscheinlich sei, dass die Verträge mit Kreuzlingen in diesem Fall nicht verlängert werden. Sie laufen bis April 2019. Eine Kündigung würde aber auch das Ende grosser, eigenproduzierter Schlagershows wie «Hello Again» bedeuten. Will das SRF diesen Weg gehen?

Bei den Kreuzlinger Eissportlern wird diese Nachricht sicherlich für Jubel sorgen. Ihnen wäre eine Mischnutzung der Eishalle mit Sport und Events immer schon der liebste Weg gewesen. Und das ist auch genau der Weg, den die Bodensee-Arena einzuschlagen gedenkt, falls das Fernsehen den Hut nimmt.

«Die Bodensee-Arena hat trotzdem eine Zukunft. Wir müssen dann umplanen und den Fokus stärker auf Sport und alternative Eventnutzungen legen», sagte Mölleney. Er denkt dabei etwa zurück an den Davis-Cup, den man 2008 veranstaltete. Die Bodensee-Arena habe 3000 Plätze und grosse, internationale Sportevents seien auch in anderen Sportarten wie Handball oder Volleyball denkbar.

«Das gäbe eine Durststrecke»
Zwei Drittel vom Jahresumsatz breche so aber zunächst weg. Das entspricht rund 350’000 Franken. Mit einer Dauervermietung ans SRF wäre es dieser Betrag gewesen, der pro Jahr mehr in die Kasse geflossen wäre. Trotzdem ist Mölleney überzeugt, dass die Bodensee-Arena auch ohne Fernsehen bestehen kann, «aber eine Durststrecke würde es schon geben. Wir sind aber vorbereitet.»

Stadträtin Dorena Raggenbass und Stadtpräsident Thomas Niederberger. (Bild: sb)

Denn das Betriebs- und Nutzungskonzept, welches unter Federführung von Ruedi Wolfender (Stadt) und Marcel Wick (Eishalle) erarbeitet wurde, sei auf gutem Weg und enthalte zwei Varianten, wie Stadträtin Dorena Raggenbass mitteilte: die vom Gemeinderat angestrebte Kompromisslösung mit dem SRF als Dauermieter inklusive neuem Eisfeld, und eine zweite ganz ohne TV. Dafür befragten die Autoren alle Nutzer der Arena, untersuchten Abläufe, prüften bauliche Veränderungen und berechneten die Wirtschaftlichkeit. Die Tennishalle sei in beiden Varianten eine willkommene Raumerweiterung, so Raggenbass. «Bis Ende Mai liegt das Betriebs- und Nutzungskonzept auf dem Tisch, rechtzeitig zur Entscheidung des Fernsehens. Diese Vorbereitungen können wir in jedem Fall nutzen.» Gekostet habe die Planung rund 25’000 Franken.

Wenn das Fernsehen geht, so Raggenbass, wolle man auf jeden Fall die öffentliche Eisnutzung verbessern. «Der Bedarf ist da», sagte die Stadträtin.

Im Stadthaus wie in der Arena wartet man nun gespannt auf die Entscheidung aus Leutschenbach, rechnet aber allgemein mit einer Absage. «Uns ist es wichtig, früh darüber zu informieren, damit keine Gerüchte in der Stadt umgehen», sagte Stadtpräsident Thomas Niederberger.

So fing es an
Ende 2016 fragte das Schweizer Fernsehen (SRF) wegen einer langfristigen Mietlösung beim Verwaltungsrat der Bodensee-Arena nach. Die Anfrage löste heftige Diskussionen in der Stadt aus, sahen sich die Eissportvereine doch in ihrer Zukunft bedroht. Der Gemeinderat entschied sich im Mai 2017 ohne Gegenstimme dazu, den Baurechtsvertrag in der Bodensee-Arena zu ändern, um so die Möglichkeit für eine Dauervermietung zu schaffen – mit dem klaren Auftrag, den Eislauf nicht einzuschränken.

 

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One thought on “Kündigt das SRF der Bodensee-Arena?

  1. Bruno Neidhart

    Die Arena wurde 1978 als Eishockeyarena gebaut. Mit regulär 4300 Plätzen – bei speziellen Events bis zu 5-6’000! – zeigte sie sich für Kreuzlinger Verhältnisse bald als zu gross. Besonders das mit der Umsiedlung des HC Thurgau aus Weinfelden haute damals nicht hin. Hier war „der Wunsch Vater des Gedankens“. Zudem stieg Konstanz als Mitfinanzierer aus dem Interesse an der Halle aus. Inzwischen siedelte sich alles Mögliche in der Arena an. Über das Schweizer Fernsehen liess sich Kreuzlingen schweizweit besonders durch – na ja – „volksnahe musikalische Events“ positionieren. Dann sah es vor der Halle jeweils wie die „vereinigten Hüttenwerke“ aus: Zur Grösse der Halle stimmt die allgemeine Infrastruktur bei Grossveranstaltungen nicht. „Der Sport an sich“ wurde im Zeitverlauf immer weiter zurück gedrängt. Tennis z.B. (Davis-Cup) blieb ein einmaliges Ereignis. Die breite Eislaufgemeinde bemängelt dagegen verständlicherweise zunehmend die eingeschränkten Eiszeiten.

    Wenn nun der sportliche Aspekt wieder vermehrt ins Blickfeld der Halle gerät – geraten könnte -, kann das nur positiv sein. Allerdings ist es endlich Zeit zu überlegen, wie es auf dem gesamten Areal Klein Venedig in den kommenden 5-15 Jahren überhaupt weiter zu gehen hat. Genauer: Ob Sport im Allgemeinen auf diesem stadtnahen, attraktiven Seeufergebiet noch eine Zukunft haben kann (damit ist besonders auch Fussball angesprochen).

    Investitionen auf Klein Venedig sollten entsprechend zukunftsgerichtet sein, was immer auf diesem Areal geschieht. Dazu ist von der Stadt eine verbindliche Planung vorzulegen. Sie fehlt bis heute. Sie hätte u.a. speziell den Zeitrahmen aufzuzeigen, wie lange die vorhandenen Anlagen noch zu nutzen sind. Andererseits: Bleibt „Sport“ auf diesem Areal dagegen fester Bestandteil (sogar Fussball), zeigten sich ganz neue Aspekte von ziehlführenden Investitionen durch eine Zusammenarbeit aller hier angesiedelten Sportanlagen und Nachbarinstitutionen (z.B. NET, SBW) – ganz unabhängig, wie das SRF entscheidet. Sich vom SRF abhängig machen, wäre in jedem Fall keine sinnvolle, dauerhafte Lösung.

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