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Stirb langsam – Boulevard

Leserbrief – Grundsätzlich sind es ja «die Kreuzlinger», die das Süppchen auslöffeln dürfen, das die Initianten des Boulevard Ihnen da eingebrockt haben. (Katrin Jordan, Tägerwilen)

Lerserbrief (Bild: Archiv)

Mit Wohnsitz in Tägerwilen ist es für mich in der Zwischenzeit schlicht nicht mehr interessant genug auf dem sogenannten Boulevard in Kreuzlingen einkaufen zu gehen. Es gibt zu vieles, das ich gezwungenermassen anderswo einkaufen muss. Als Geschäftsfrau habe ich zudem wenig Zeit und möchte mich beim Einkauf nicht mit irgendwelchen absonderlichen Verkehrsregelungen herumschlagen. Peinlich finde ich, wenn sich zwei ältere Herren in der Zeitung «an den Kragen gehen», in der Meinung damit irgendwelche Probleme lösen zu können. Das Verständnis, das ein Grüner den Geschäftsinhabern entgegenbringt, interessiert mich hingegen sehr. Ich frage mich, wie weit dieses Verständnis geht, wenn es um Ertragsausfälle und damit um die Entlassung von Angestellten geht – und zähle dabei auf die Kreativität der Verantwortlichen, die dazu sicher auch schon ganz konkrete Pläne in ihrem Schubkästchen haben. Bisher lässt sich keine Entwicklung feststellen, die es möglich macht, dass von all den tollen Vorschlägen irgendjemand etwas abbeissen kann.

Es wäre jetzt an der Zeit, eine ehrliche Bilanz zu ziehen und einzusehen, dass das Experiment Boulevard eine Fehlplanung ist. Viele Geschäfte gibt es in der Zwischenzeit nicht mehr. Kreuzlingen ist nicht Konstanz und wird es nie sein. Fehler passieren – auch in der Politik. Letztendlich geht es darum, den Schaden nicht auf dem Buckel der Geschäfte abzuwickeln. Es soll sogar Menschen geben, die den Mut haben, einen Fehler zuzugeben. Noch ist es nicht zu spät zu verhindern, dass weitere Geschäfte langsam vor die Hunde gehen !

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4 thoughts on “Stirb langsam – Boulevard

  1. Toni Müller

    Ja richtig Fehler passieren überall……aber nicht immer die gleichen!!!! Lassen wir endlich diesen Boulevard oder besser „Hauptstrasse“ wie sie eigentlich heisst – wie er immer war eine Durchgangstrasse mit Tempo 50 Stundenkilometer und mehr Parkplätzen (mehr wie jetzt). Sollte dann in x-Jahren ja mal eine richtig Umfahrungstrasse (z.B. Unterirdirsch, oder neben der Hauptstrasse und ca. 2 grosse Parkhäuser in der Nähe gebaut werden (bzw. dann gebaut sind!). Dann können wir uns über den Boulevard Gedanken machen und vorher sollten wir alles sein lassen wie es ist.
    Kreuzlingen entwickelt sich immer mehr zur Todgeburt bzw. Einwanderungsstadt mehr nicht !

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  2. Toni Müller

    Schade das sie meine Kommentar immer löschen oder gar nicht veröffentlichen….hat das was zu tun, dass sie in Deutschland produzieren?

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    1. Emil Keller

      Kommentare werden von uns nur gelöscht, wenn sie ehrverletzend, rassistisch oder werberisch sind. Wir prüfen jeden Kommentar, daher erscheint ihr Beitrag nicht sofort auf unserer Homepage.

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  3. Bruno Neidhart

    Die Hauptstraße

    Was an der Hauptstraße geschieht, erregt, wie man erkennt, nicht viele Kreuzlinger, nimmt man die „kleine städtische Leserbriefschar“ als Maßstab (über die zwei sich duellierenden, gestandenen Männer muss hier nicht geschrieben werden!).

    Zu den Fakten: Die Hauptstraße war mal das A und das O der (ehemaligen) Gartenstadt Kreuzlingen und ihrer (bis jetzt noch) großen grünen Mitte: der volkstümlichen „Gemeindewiese/Festwiese“. Die zur Stadt heranwachsende Gemeinde bildete sich bekanntlich aus der Klostergeschichte heraus. Um das heutige Klosterareal herum – das erste Kloster stand ganz an der Grenze zur nördlich gelegenen Nachbatstadt – gruppierten sich im Osten, Süden und Westen alte Siedlungskerne (Kurzrickenbach, Egelshofen, Emmishofen). Das Zentrum (Bodan) entstand erst später. Aus den Siedlungskernen erwuchs schließlich die gemeinsame Stadt.

    In den verschiedenenen Quartieren entwickelte sich ein eigenständiges kleines Geschäftsleben, soweit es besonders den täglichen Bedarf abzudecken betraf. Zum Beispiel Bäckereien, Metzgereien, „Tante-Emma-Läden“ (damals noch „Kolonialwarenläden“ genannt), sowie einiges Kleingewerbe unterschiedlichster Art (Schuster, z.B.). Spezialgeschäfte wiederum siedelten sich allmählich vermehrt an der Hauptstraße an, die sich dann langsam zum eigentlichen Geschäftszentrum entwickelte. Mit schönen Bäumen und breiten Trottoirs. In deren Mitte das Stadthaus als gesellschaftlicher Anlaufpunkt.

    Die Hauptstraße hatte zu ihrer Hochzeit alles zu bieten, was gekauft werden musste. Ja es bildeten sich eigentliche „Kult“-Geschäfte aus, wie etwa „Hofmann-Egli“ am „Großen Stein“, das famose Allerweltshaus vom einfachen Eisennagel über Werkzeuge aller Art, Elektroartikel, Rasenmäher, Kühlschrank, usw. Kult auch die beiden Metzgereien Gross am Löwenplatz und Wirz (!) bei der Helvetia (das Helvetia-Haus war noch ein Stadthotel!). Einige volkstümliche gutbürgerliche Gaststätten waren für die kulinarischen Bedürfnisse zuständig. Das Café Livers war ebenso eine berühmte Adresse. Im Zentralhaus lebte Fachgeschäft an Fachgeschäft – angefangen bei Porzellan oder Drogerieartikel. Kleider-und Schuhgeschäfte, Lederwaren und Hutmoden wechselten sich links und rechts der Straßenszene ab. Es gab Papeterien, einfach alles – selbst ein Kino (Bodan). Viele Banken erstürmten das Zentrum. Ein Zeitungsverlag (Bodan, „Thurgauer Volksfreund“) lieferte täglich ab Hauptstrasse eine Tageszeitung aus, usw. Einiges später entwickelte sich zum Beispiel auch die – lustige – „EPA“ beim Löwenplatz zu einem volkstümlichen Kultgeschäft. In der Nähe entstand zudem ein Reformhaus. Der Löwensaal bildete einen wichtigen gesellschaftlichen Anlaufspunkt inmitten der pulsierenden Stadt.

    Mit dem Aufkommen der so genannten „Großverteiler“ änderte sich das Bild langsam. Das Sterben der Quartierläden begann schleichend, aber sich stetig steigernd. Diese Großverteilerer erweiterten ihr Sortiment laufend über den Lebensmittelsektor hinaus. Bald konnte man neben Nüdeli und Gruyère auch Zahnbürsten und Büroklammern kaufen. Baumärkte (als „Hofmann-Egli-Ersatz“) kamen auf, selbst Tiernahrungsläden (mit Parkplätzen!), Das „Karussell“, etwas abgeschieden der Hauptstraße, murtierte quasi zu einem Warenhaus für alle möglichen Begierden und boten zudem Gratisparkplätze an. Auch Gastronomisches hielt Einzug.

    Diese Veränderungen mussten sich zwangsläufig auch auf die Hauptstraße auswirken, zumal die Großverteiler, die sich zuerst sogar in Quartieren mit kleineren Läden niederliessen (Hirschenplatz, Bergstrasse, Blaues Haus, Konstanzerstrasse, um nur einige Örtlichkeiten zu nennen), bald am Stradtrand ihre grossen Einkaufszentren mit riesigen Gratisparkplätzen erstellten.

    Das Stadtzentrum, die Hauptstraße, begann zu wanken. Die seltsame begriffliche Erhöhung und Umgestaltung der Straße zu einem „Boulevard“ war der letze Versuch, zu retten was zu retten ist. Das Resultat liegt vor. Selbst die Stadtbehörde glaubte nicht mehr an das Zentrum als urbane, gesellschaftlich stützende Funktion und verabschiedete sich zusammen mit wenig über 50 Prozent der Wählerschaft auf die grüne Fläche vor der Klosterkirche. Nun soll ein anderes „Verkehrsmanagement“ die Rettung der Hauptstraße einleuten.

    Selbstverständlich gibt es noch eine Reihe weiterer Entwicklungen, welche zunehmend zu einem Aderlass im Zentrum führt. Hier ist besonders die Schweizerische Nationalbank (SNB) zu erwähnen, die bei Nacht-und-Nebel am Schweizerfranken derart herumschraubte, dass Regionen an der Grenze zur EU besoders dann betroffen waren – und noch immer sind, wenn als Nachbar eine attraktive, grössere Stadt existiert! Und dann wären da noch die Ladenmieten und Personalkosten, welche ganz rasch nicht mehr mit den zu erzielenden Einnahmen kompatibel sein können, wenn die Laufkundschaft fehlt, usw.

    Was ist zu tun? Nun, wie Eingangs erwähnt, erscheint das Engagement von „ganz Kreuzlingen“ zugunsten der Hauptstrasse eher bescheiden zu sein. Viele haben wohl ihre Einkaufsquellen in „anfahrbarer Nähe“ entdeckt und zufriedengestellt. Wenige sind bemüht, der Staße wieder mehr gesellschaftliches Leben einzuhauchen. Den erstrebenswerten Ur-Zustand wieder zu erreichen, wird jedoch absehbar kaum möglich sein. Was eher Erfolg verspricht, ist die Struktur der Straße stetig derart zu verändern, dass sie nicht mehr ausschließlich mit den eingelebten Einkaufsgewohnheiten ausserhalb des Zentrum zu konkurrenzieren hat. Die Gesellschaft müsste sich also bei anderen Gelegenheiten im Zentrum begegnen. Auch besonders die Jugend! Der Bau eines modernen Stadhauses ins Zentrum der Hauptstrasse als „federführender Aufbruch zur Bildung einer neuen Innenstadt mit ganz spezifischem Charakter“ wäre eine wichtige Bedingung. Alles Gesellschaftsrelevante hätte sich hier im Zentrum zu vereinen – z.B. angefangen bei einer modernen, multikulturellen Stadtbibliothek. Also Kultur-Kultur-Kultur im weitesten Sinn! Auch Spezialisierungen wären ev. ein Mittel, z.B. Begriff: „Schweizer Top-Uhren“ (nur als kleines Beispiel – passt doch zu den vielen Banken!). Allgemein müsste „mehr Geist“ in diese Straße fließen, mehr Innovation – selbst bei der optischen Ausgestaltung als definierte Stadt-Attraktion! Es fehlt hier der Raum, alles zu beschreiben, was die „City“ zu beleben hätte, inklusive der notwendigen Verbesserung von Zugangsmöglichkeiten (etwa der Gleisdreieckssteg zur und von der belebten Hafenszene, oder ein veritables Parkierungsmanagement, usw.). Persönliche Streitigkeiten sollten begraben und durch Mut zu grossen Veränderungen ersetzt werden! Der Stadt- und Gemeinderat wäre permanent zu fordern. Und die Bevölkerung müsste mitziehen. Ein Riesenpaket. Einzige Chance? Ja! Und sie beginn bereits heute, in dem die Bevölkerung trotz aller erkennbaren Querelen die Hauptstraße als wichtige Straße im Leben ihrer Stadt erkennt, sich entsprechend öfter hier zeigt und die (tapfer verbliebene) Geschäftswelt unterstützt. Dazu sind stadtseits besonders die „mobilen“ Voraussetzungen zweckendsprechend zu gestalten.

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