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907er ist gerettet

Kreuzlingen – Der Stadtbus kann es sich auch 2019 noch leisten, nach Tägerwilen zu fahren. Die Billettpreise für Einzelfahrten und Mehrfahrtenkarten senkte der Gemeinderat jedoch nicht.

Der Stadtbus verbindet weiterhin Kreuzlingen und Tägerwilen. (Bild: ek)

Weil der Kanton Thurgau seine Beiträge an die Route 907 auf ein Minimum kürzen will, stand die Zukunft des Nachbarschaftsbusses auf dem Prüfstand. Das Tägerwiler Stimmvolk hatte sein Bekenntnis für die Linie am 5. Dezember 2017 in Form von jährlich 175000 Franken bereits abgegeben. Mit 36 Ja- zu zwei Nein-Stimmen stellte auch der Kreuzlinger Gemeinderat die Unterstützung nicht in Frage. Bereits heute zahlt Kreuzlingen 165’000 Franken an die Linie, ab 2019 wird diese Defizitübernahme um 100’000 Franken erhöht. Die Kostendeckung ist auf vier Jahre befristet.

Gemeinderat Alexander Salzmann (FDP) wollte vom zuständigen Stadtrat Ernst Zülle wissen, wann denn die Kostendeckungsgrenze für den Bus erreicht sei. Sprich: Ab wann lohnt es sich nicht mehr, die Linie finanziell mitzutragen. Zülle bestätigte zwar, dass die Linie derzeit sehr unrentabel sei, zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Fahrgastzahlen in Zukunft steigen werden. Er appellierte zudem an den Rat, nicht beim ÖV zu sparen. Darauf wollte Salzmann gar nicht hinaus, er gab nur zu bedenken, dass andere, vom Bus schlecht erschlossene Gebiete in Kreuzlingen vielleicht besser mit dem Geld bedient wären. Zusammen mit Gemeinderatskollege Alfredo Sanfilippo (CVP) stimmten sie als einzige gegen den Erhalt der Linie 907.

Keine Senkung der Einzeltickets und Mehrfahrtenkarten
Eine Allianz aus links und rechts unterstützte gestern den Rückweisungsantrag der SP zum Vorschlag des Stadtrats, die ÖV-Fahrpreise zu senken (22J/18N/1E). Einzel- und Mehrfachbillette des Stadtbusses wären durch 65’000 Franken Unterstützung, angelegt auf vorerst vier Jahre, etwas günstiger geworden (wir berichteten).

Schon in der vorberatenden Kommission Werke, Bau und Umwelt hatte es grosse Diskussionen gegeben. Letztendlich lehnte diese den Stadtratsantrag ab, wie Präsident Christian Forster berichtete – allerdings nicht, weil der Kommission der ÖV nicht am Herzen liege, sondern weil der Vorschlag des Stadtrats nicht überzeugte. So hatten denn zwei Fraktionen Änderungsanträge für die Ratssitzung in der Tasche. Die CVP sah laut Alfredo Sanfilippo in einer grösseren Mehrfahrkartenvergünstigung die richtige Stossrichtung, während André Troll im Namen der FDP/EVP eine Erhöhung des Geldbetrags zugunsten von Kinderbilletten ansprach.

Die SVP war fast einstimmig gegen den Stadtratsantrag. «Wegen dem bisschen Senkung fährt keiner mehr Bus», urteilte Daniel Lauber im Namen seiner Fraktion. Die SP forderte durch Markus Brüllmann gemäss ihrer Bus-petition weitere Schritte, um den Umstieg auf den ÖV zu fördern, und stellte schliesslich Antrag auf Rückweisung. In der ausführlichen Diskussion, die sich daraufhin entsponn, setzte sich vor allem Beat Rüedi (FDP) für den Antrag des Stadtrats ein. So hätte man wenigstens den Spatz in der Hand gehabt, befand er. Bis der Stadtrat über die Bücher geht, kann es nun dauern – und die Preise bleiben bis mindestens 2019, wie sie sind.

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