/// Rubrik: Stadtleben

Ein echter Seebueb

Kreuzlingen – Polizist, Taucher, Rettungsschwimmer: Urs Eberli war 36 Jahre bei der Thurgauer Seepolizei tätig und hat in dieser Zeit alle Facetten des Bodensees erlebt.

Urs Eberli bewahrt seinen Blick aufs Wasser. (Bild: ek)

Braun gebrannt und mit Sonnenbrille blickt Urs Eberli über die Wellen. Wo Touristen die strahlende Sonne und die Wassertemperatur kommentieren, taxiert der ehemalige Chef der Thurgauer Seepolizei die vorbeifahrenden Boote. Und sinniert über die vergangenen 36 Jahre im Dienst. Wenn die Sturmwarnung wild blinkte und alle vom See runterjagte, fuhr Eberli mit seinem Patrouillenschiff direkt in den Sturm hinaus. Unzählige Kapitäne konnte er so aus Seenot retten oder Surfer aus dem aufgewühlten Wasser fischen. Für Einige kam aber auch jede Hilfe zu spät und vermisste Schwimmer blieben in den Tiefen des Bodensees verschollen. So war Eberli beim Flugzeugabsturz der Airline «Rheintalflug» einer der ersten Taucher vor Ort. Bei der Bergung der elf toten Passagiere im Februar 1989 half er mit. Auch 1994, als eine Cessna beim Landeanflug auf St. Gallen-Altenrhein im Bodensee abstürzte, suchte er nach Überlebenden. Ein Verdacht machte die Runde, dass radioaktives Material im Flugzeug vorhanden war. Also gingen die Taucher mit Geigerzählern ins Wasser. Über die Jahre hat er so an die 30 Leichen aus dem Wasser geborgen. «Diese unerfreuliche Arbeit gehört bei jedem Polizisten dazu», relativiert Eberli. Die eingeschweisste Tauchertruppe unterstützte sich jeweils gegenseitig nach solch harten Einsätzen. Zweifel an seiner Tätigkeit kamen nie auf.

In die Polizei eingetaucht

«Tausche Motorboot gegen Segelboot»: Mit diesen Worten verabschiedete sich Urs Eberli nach 36 Jahren von der Seepolizei Thurgau. (Bild: ek/zvg)

Aufgewachsen in Gottlieben gehörten der See und die darauf fahrenden Boote schon immer zu Eberlis Leben dazu. Auf dem Schiff des Vaters lernte er zu segeln. Den gelernten Maschinenmechaniker zog es schon früh zur Uniform. 1980 schloss er die Polizeischule ab und bewarb sich gleich auf eine frei gewordene Stelle bei der Seepolizei, welche er im Frühjahr 1982 antrat. Normalerweise dauert es rund zehn Jahre bis junge Polizisten, welche den Seepolizeidienst im Nebenamt ausgeübt haben, zur vollamtlichen Seepolizei wechseln können. Eberlis Verständnis für Boote und Motoren, sowie der Bezug zum Wasser kamen ihm gelegen und er durfte die Abteilung wechseln. Rund 15 Jahre jünger als seine Kollegen verdiente er sich bei den Polizeitauchern seine Sporen ab.

Respekt bewahrt
«Es ist eine ganz andere Welt unter Wasser», erzählt Eberli von seinen Erlebnissen unter der Oberfläche. Gleichzeitig merkt man dem 61-Jährigen auch nach Jahrzehnten auf dem See den Respekt vor dem Nass noch an. «Das Wasser ist das Element der Fische und nicht der Menschen.» Ein Element, welches er zu meistern lernte. Nach acht Jahren und zig Tauchbrevets übernahm er die Leitung der Polizeitaucher.

Und galt auch als Chef noch als der Mann, welchen man in brenzligen Situationen anrief. So wie 2010, als ein Paar mit ihrem Kajak kenterte und in einer Wasserwalze fest hing. Eine Rettung per Helikopter erschien unmöglich und so wurde Eberli eingeflogen. Mit einem Rettungsring bewaffnet, stellte er sich der Strömung und holte die beiden Schiffbrüchigen aus der Thur. Seine Kondition bewies der leidenschaftliche Läufer zudem an mehreren Marathons oder bei einer Seeüberquerung. Selbst die «Piranha» Amphibienfahrzeuge der Mowag hat er schon im Kreuzlinger Hafen gewassert.

Sicherheit durch Technik
Doch Mut und starke Beine alleine hätten ihm 2008 nicht die Beförderung zum Dienstchef der Seepolizei eingebracht. Auch was die Technik und Ausrüstung anging, war er immer auf dem Laufenden. «Zuhause hatte ich schon den dritten Computer, als wir im Büro noch mit elektrischen Schreibmaschinen arbeiteten», erinnert sich der Kreuzlinger. Als er einen ersten Laptop samt Beamer für Instruktions- und Präsentationszwecke für 25’000 Franken anschaffen wollte, musste er einiges an Überzeugungsarbeit leisten.

Auch was die Motorisierung seiner Truppe anging, war Eberli immer darauf bedacht, dass alle auf dem See sicher sind. Bei der Anschaffung der neuen Polizeischiffe 2008 und 2011 konnte es sich so schnell mal um 800’000 Franken drehen. Heute gehören Radar, GPS und Wärmebildkameras zur Standardausstattung auf den Schiffen.

Leid geworden ist er das Bööteln auch als Pensionär noch nicht. Nur hat er das Motorboot der Polizei gegen sein zehn Meter langes Segelschiff eingetauscht. «Nur als Taucher habe ich denn Bodensee langsam gesehen», sagt Eberli. Denn mit seiner Frau hat er schon die Unterwasserwelten der Seychellen, Philippinen und der Karibik erkundet. So ging es in der letzten Ferienwoche bei der Seepolizei auf die Malediven: «Als Polizist in die Ferien und als Rentner wieder zurückgekommen», beschreibt Eberli seinen Abgang. Seine Tätigkeit auf dem See ist damit noch lange nicht zu Ende. Ab Mai wird man Eberli also als Kapitän auf dem Fahrgastschiff MS Delphin vom Kreuzlinger Hafen in See stechen sehen.

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Ein Gedanke zu „Ein echter Seebueb

  1. James Bond Thurgau

    Vielen Dank !! Urs Eberli ein wahrer Polizist oder besser Seepolizist der alten Schule. Gratuliere, dass gibt es heute leider nicht mehr !
    Urs Eberli war in all den Jahren der richtige Mann im Staatsdienst des Kantons Thurgau. Das ist ein Beispiel wie man gegenüber dem Bürger/Einwohner Auftritt und „uns“ nach aussen präsentiert. Alles Gute in der Pension !!!

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