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Bienen leisten wieder Höchstarbeit

Tägerwilen – Der Frühling ist in den letzten Wochen mit geballter Kraft erwacht. Es blüht an jeder Ecke und wer genau hinhört, kann die Bienen wieder summen hören. Meinrad Frey aus Tägerwilen ist seit rund 40 Jahren Imker und gehört dem Imkerverein Thurgauisches Seetal in Tägerwilen an.

Meinrad Frey betreut 15 Bienenvölker am Lehrbienenstock und nochmals weitere 25 Bienenvölker am privaten Bienenstock. (Bild: jl)

«Die Begeisterung für Bienen liegt bei mir im Blut», gesteht Meinrad Frey. Sein Vater hatte auch Honigbienen, doch damals half er als junger Bub nur beim Schleudern des Honigs. Erst später sprang der Funke dann vollends auf ihn über.

Als er das Imkern lernte, habe er sich die Handgriffe noch von Bekannten abgeschaut und anschliessend selbst angewendet. «Heutzutage kann man in Kursen, wie wir sie vom Imkerverein Thurgauisches Seetal anbieten, den Umgang mit den Honigbienen lernen», berichtet Frey, der ursprünglich aus Willisau stammt. In 18 halbtägigen Praxis- und Theorie-Einheiten am Lehrbienenstand vermitteln Frey und seine Kollegen vom Imkerverein ihr Wissen und ihre Erfahrungen. Frey ist Imker aus Leidenschaft. «Wenn man keine Zeit hat, sollte man keine Bienen haben», ist er sich sicher. Man muss sich um die kleinen emsigen Insekten kümmern. Es gilt regelmässig die Waben auszutauschen, die Varroamilben zu bekämpfen und Honig zu schleudern.

Der Feind aus Asien
Die Varroamilbe ist einer der grössten Feinde der Biene. Es handelt sich dabei um einen rund 1,5 Millimeter grossen Parasiten, der in den 1970er Jahren aus Asien nach Europe eingeschleppt wurde. Die Milbe saugt sich am Rücken der Biene fest. Durch diese offene Wunde wird die Biene dann anfällig für Viren und Bakterien. Besonders tragisch ist aber, dass die Varroamilbe auch die Brut angreift, sich in dieser vermehrt, und zusammen mit Viren und Bakterien die Brut beeinflusst, sodass verkrüppelte Bienen schlüpfen.

Regelmässig muss man deshalb prüfen, ob und wie sehr der Bienenstock von der Varroamilbe befallen ist, und diesen dann gegebenenfalls behandeln. Dafür verwendet Frey im Lehrstock seit langer Zeit natürliche Mittel wie Ameisen- und Oxalsäure. Es besteht jedoch immer die Gefahr, auch den Bienen damit zu schaden. Die Pflege durch den Imker ist also essenziel für die Gesundheit der Honigbienen. Auch Wildbienen sind von dem Parasiten befallen, werden aber nicht behandelt. Die Folge: Die Wildbienen sterben aus.

So kann ein Bienenhotel aussehen. (Bild: jl)

Ein Schlaraffenland für Bienen
Die Bodenseeregion mit den vielen Obstbäumen bietet ein gutes Umfeld für die Bienen. «Wichtig ist, dass Landwirte und Imker miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Die Obstbauern profitieren von unseren Bienen und wir profitieren von deren Blüten», meint Frey. Unter Zusammenarbeit versteht er vor allem, dass Bauern möglichst natürliche Spritzmittel verwenden sollten, um den Bienen nicht zu schaden.

Aber auch privat kann man die kleinen Bestäuber unterstützen. Etwa indem man ein sogenanntes «Bienenhotel» für Wildbienen aufstellt und diesen so Unterschlupf bietet. Sie sind im Gegensatz zu Honigbienen Einzelgänger. Wer in seinem Garten einen bunten Blumenmix pflanzt, tut den Bienen ebenfalls etwas Gutes. «Löwenzahn, Weiden und Kirschen mögen sie besonders gerne», weiss Bienenfreund Frey.

 

Bienenretter

Pascal Brunner und sein Vater Willi Brunner aus Winterthur haben mit ihrem Start-up «Vatorex» den Kampf gegen die Varroamilbe aufgenommen. Sie verzichten auf Säurebehandlungen und setzen stattdessen auf eine Wärmebehandlung im Bienenstock. Durch das Erwärmen der Waben auf 41 Grad mithilfe eines im Wachs eingebauten Heizdrahtes können die Milben abgetötet werden, ohne dass die Bienen davon geschädigt werden. Mit ihrer Crowdfunding-Kampagne wollten sie 50’000 Franken sammeln, um die Wachsplatten automatisiert mit einem Heizdraht versehen zu können. Innert kürzester Zeit wurde dieses Ziel erreicht und die Unternehmer geben nun jeden zusätzlich gespendeten Franken in Form von kostenlosen Wärmesystemen an die Imker zurück. www.vatorex.ch

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