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Viel Geld aber wenig Platz

Kreuzlingen – Die Kreuzlinger Primar- und Sekundarschulgemeinden warten für das Jahr 2017 mit kerngesunden Finanzen auf. In Zukunft stehen jedoch einige Knacknüsse an: Die steigenden Schülerzahlen, die kantonalen Beitragszahlungen und die hohe Nachfrage nach Hortplätzen hindern die Behörde daran, die Steuern zu senken.

Das Schreiberschulhaus wurde 2017 saniert. (Bild: pw)

Eigentlich hatten beide Fakultäten für das Jahr 2017 eine rote Null budgetiert. Die Primarschulgemeinde weist nun einen Gewinn von 2,3 Millionen Franken und die Sekundarschulgemeinde einen Überschuss von 1,3 Millionen Franken aus. «Diese sind weitgehend auf die höheren Steuereinnahmen von juristischen Personen zurückzuführen», erklärt Finanzchefin Susanne Burgmer den unerwartet hohen Ertrag.

In das gute Ergebnis mit reingespielt haben aber auch die jeweils 200’000 Franken geringeren Zahlungen an finanziell schwächer gestellte Gemeinden. Dennoch flossen 2017 immernoch 6,2 Millionen Franken aus der Rechnung der Sekundarschulgemeinde ab, immerhin 30 Prozent des Gesamtaufwandes. «Ein substanzieller Anteil unserer Ausgaben», stellt Michael Thurau, Vize-Präsident der Sekundarschulgemeinde, klar. Der Kanton überarbeitet derzeit diesen Verteilschlüssel. Ein erster Vorschlag erhielt jedoch vom Verband Thurgauer Schulgemeinden schlechte Noten (wir berichteten). Zahlreiche Verbesserungsvorschläge gingen an die Arbeitsgruppe des Regierungsrats zurück. Ursprünglich sollte das Gesetz über die Beitragsleistungen auf den 1. Januar 2019 in Kraft treten. «Ein sehr ambitioniertes Ziel», urteilt Burgmer in Anbetracht, dass das neue Gesetz noch vom Grossen Rat verabschiedet werden muss.

Begehrte Hortplätze
Zum hohen Ertrag der Schulen beigetragen haben auch die Horte. Seit August 2016 führt die Primarbehörde die Schule mit Tagesstruktur und ist von der Nachfrage regelrecht «überrollt» worden. «Alle Plätze sind belegt und mehr Eltern als erwartet zahlen die höchste Tarifstufe», erklärt Burgmer die guten Einnahmen.

Für das kommende Schuljahr kann nicht allen Interessenten ein Betreuungsplatz zugesprochen werden. Die Behörde plant deshalb eine Erhöhung der Mittel für die Schule mit Tagesstruktur. Die Situation mutet komisch an: Einerseits verzeichnet die Primarschule jedes Jahr Millionengewinne, andererseits kann sie ohne Zustimmung des Souveräns nicht mehr Geld für Hortplätze ausgeben. «Wir wollen so schnell wie möglich eine neue Volksabstimmung, um mehr Plätze für die Schule mit Tagesstruktur anbieten zu können», erklärt Blättler. Die Stadt rechnet im Frühling 2019 mit einer Botschaft an den Souverän.

Nicht nur in den Horten, auch in den Schulen selbst wird der Platz langsam knapp. Aufgrund der Geburtenzahlen könnten in den nächsten drei Jahren rund 140 zusätzliche Kinder in die Primarschule eintreten. Die Schulbehörde beobachte die Situation genau und muss bald entscheiden, ob mehr Schulraum gebaut werden soll. 1,7 Millionen Franken ihres Gewinns will die Primarschulbehörde deshalb in einen Erneuerungsfond stecken, welcher für bauliche Massnahmen reserviert ist. Auch die Sekundarschulbehörde will 500’000 Franken ihres Überschusses für die Sanierung des Thermalbads Egelsee zur Seite legen. Zusammen mit den bereits gesparten vier Millionen sind die Kosten für den vom Volk beschlossenen Umbau damit bereits gedeckt.

Steuersenkung für 2019 geplant
Angesichts der guten finanziellen Lage sei in beiden Behörden eine Steuersenkung diskutiert worden, damit auch die Steuerzahler am Gewinn teilhaben können. Wenn die Prognose für das Ergebnis im 2018 ebenfalls positiv ausfällt und man die Auswirkungen des neuen Beitragsgesetzes abschätzen kann, stellen beide Schulgemeinden eine Senkung des Steuerfusses um zwei Prozent in Aussicht.

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