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Lebensretterin geehrt

Kreuzlingen/Bern – Die Stiftung für Lebensretterinnen hat der Kreuzlingerin Eva Büchi eine Silbermedaille verliehen. Im Juni 2017 rettete sie einen chinesischen Austauschschüler vor dem Ertrinken.

Eva Büchi mit der ihr verliehenen Silbermedaille. (Bild: Sandra Blaser)

Fast ein Jahr ist vergangen, seitdem die Kantilehrerin Eva Büchi heldenmutig ins Wasser sprang, um einen in ihre Obhut übergebenen Schüler aus dem Bodensee zu bergen. Die Ereignisse dieses sonnigen Mittwochnachmittags im Juni 2017 begleiten die promovierte Geschichtslehrerin noch heute.

Bei einem Ausflug in die Tägerwiler Badi mit der chinesischen Austauschklasse war einer der Schüler untergegangen. Büchi zögerte nicht und zog den damals 15-Jährigen aus drei Metern Tiefe zurück an die Oberfläche. Mit dem Rettungsgriff brachte sie den 1,80 Meter grossen Jungen an Land und leistete Wiederbelebungsmassnahmen. Nach zehn Tagen an einer Lungenma­schine und im Koma konnte der Junge das Unispital Zürich verlassen und flog in ein Kran­kenhaus nach Shanghai zurück. Für Büchi war die Sache jedoch noch nicht vorbei, die Staatsanwaltschaft untersuchte den Fall, und auch beim Jungen war lange nicht klar, ob er vom Unfall Hirnschäden davonträgt. Auch mental belastete Büchi der Vorfall. Sie suchte Rat bei einem Notfallpsychologin, welche auch Ärzte und Rettungsleute nach schwierigen Einsätzen betreut.

Grenzüberschreitende Erfahrung

«Auch die Retter sind Opfer des Unglücks», sagt Eva Büchi. (Bild: Sandra Blaser)

Vergangenen Freitag wurde Büchi für ihren selbstlosen Einsatz von «Carnegie» – der Stiftung für Lebensretter/innen geehrt. Im Berner Hotel Bellevue Palace erhielt sie die Silbermedaille, für ihren «heldenmütigen Charakter».

«Man merkte vielen Preisträgern an, dass die Ehrung auch mit einer Bürde einhergeht», berichtet Büchi von der Zeremonie. Sie war eine von wenigen, welche detailliert von ihren Erlebnissen und Gefühlen berichtete. Selbst gestandenen Männern habe man angesehen, dass sie immer noch mit dem Erlebten zu kämpfen haben. «Rettungseinsätze sind gerade für Laien eine psychische und physische Grenzüberschreitung», weiss Büchi. So werden aus Rettern bei Unfällen und Verbrechen im Nachhinein oft traumatisierte Opfer.

«Natürlich würde ich mir wünschen, dass der Badeunfall nie passiert wäre. Doch ich bin überglücklich, dass schlussendlich alles gut ging», sagt Büchi rückblickend. Die Strafuntersuchung wurde eingestellt und auch der Verunfallte hat keine bleibenden Schäden davongetragen. Er schickt ihr sogar alle paar Monate eine Nachricht samt Bild aus Shanghai.

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One thought on “Lebensretterin geehrt

  1. Navyo Brigitte Lawson

    Sehr geehrter Herr Keller

    Kürzlich haben Sie darüber berichtet, wie Frau Eva Büchi mutig einem chinesischen Schüler das Leben gerettet hat. Dafür hat sie eine Silbermedaille bekommen, was mich freut.
    Was ich aber gar nicht verstehe und äusserst unfair finde bei Ihrer Berichterstattung ist die Tatsache, dass Sie nur Frau Büchi als Lebensretterin erwähnen. An jenem Tag war ich mit meiner erwachsenen Tochter unterwegs, als wir gerade sahen, wie der Junge auf dem Steg lag. Ohne jegliches Zögern rannte meine Tochter zur Unfallstelle und leistete sofort Hilfe, indem sie die Herzmassage ausführte, während Frau Büchi die Beatmung übernahm. Gleichzeitg war auch ein Herr zur Stelle, der den Rettungsdienst anrief und ständig telefonische Anweisungen erhielt, die er ans Rettungsteam weitergab. Also, mit anderen Worten: Ohne die Herzmassage meiner Tochter und den telefonischen Kontakt mit dem RTW wäre keine Lebensrettung möglich gewesen! Meine Tochter hatte damals gerade den Erstehilfekurs absolviert und ging nun total mutig an die Arbeit heran, die sie zum ersten Mal „life“ ausübte, sie blieb während mindestens 20 Minuten dran, bis die Santiäter kamen. Danach war sie völlig erschöpft, körperlich und psychisch, schliesslich wusste man damals noch nicht, ob der Junge überleben würde…
    Sowohl meine Tochter als auch der Anrufer waren schulfremde Leute, die einfach sofort bereit waren, bedingungslos Hilfe zu leisten, das ist heute leider nicht mehr selbstverständlich. Und dann wird das nicht einmal mit einem Satz erwähnt? Ich finde das beschämend, traurig, unfair.
    B. Lawson

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