/// Rubrik: Leserbriefe | Topaktuell

Luxusappartements statt Familienwohnungen

Leserbrief – Der geplante Abriss des 50-jähriger Wohnblocks, diesmal an der Reutestrase, ist alarmierend. Zähneknirschend haben die Bewohner dieser günstigen Mietwohnungen die Kündigung zu schlucken. (Ernst Frischknecht, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

Dabei wiegten sich viele Bürger und Bürgerinnen im offensichtlich naiven Glauben, dass mit dem verdichteten Bauen in erster Linie verhindert werden soll, dass weiter ins grüne Land hinein gebaut wird. Tatsache ist aber, dass vermehrt intakte Wohnhäuser mit durchaus guter Bausubstanz niedergerissen werden, weil eben dieses verdichtete Bauen eine höhere Ausnützungsziffer erlaubt und so eine bessere Rendite zu erzielen ist! Fatale Folge ist dann, dass Mieten von 1800 bis 3000 Franken. verlangt werden und damit die neuerstellten Wohnungen für die meisten ehemaligen Mieter unerschwinglich geworden sind. Betroffen fragt man sich: Wo bleibt eigentlich der soziale Wohnungsbau?

An der Waidstrasse in Zürich zum Beispiel wurde 1926 eine Baugenossenschaft mit der Absicht gegründet, «frohmütig, gesund und billig» zu wohnen. Heute schafft es dieselbe Gemeinschaft, 110 neue Wohnungen zu erstellen, die mit einem monatlichen Mietzins von knapp unter 1000 bis 2400 Franken zu liegen kommen! Die Bauten sind im Hybridholzbau System vom Büro Duplex Architekten errichtet und als Familienwohnungen gedacht.

Leider besitzt Kreuzlingen weder eigenes Land für solche verheissungsvolle Projekte noch Genossenschaften, die sich für gemeinnütziges Bauen stark machen. Was jedoch bleibt und offensichtlich zu wenig genutzt wird, sind Verhandlungen mit den privaten Akteuren auf dem Platz Kreuzlingen. Das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) stellt interessierten Gemeinden detaillierte Leidfäden zur Verfügung, die aufzeigen, wie mit einem Anreizsystem die Investoren auch für günstigeren Wohnungsbau zu gewinnen wären. Allerdings muss die Gelegenheit frühzeitig bei Umzonungen, Aufzonungen oder im Rahmen eines Gestaltungsplanes genutzt werden. Beispiele aus Küsnacht (ZH), Nyon oder Meggen(LU) belegen, dass solche Lösungen möglich sind. Hat Kreuzlingen nicht einiges verpasst?

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