/// Rubrik: Stadtleben

Mehr Schub für den Bus

Kreuzlingen – Die Stadtbuslinie nach Tägerwilen ist gerettet. Doch damit sehen die Petitionäre für einen attraktiven Stadtbus erst eine von ihren drei Forderungen erfüllt. Sie verlangen weiterhin günstigere Billettpreise und eine bessere Vermarktung des ÖVs.

Wollen den Stadtbus in guten Händen sehen: (v.l.) Markus Brüllmann, Walo Abegglen und Hanns Wipf. (Bild: ek)

«Den 1250 Unterschriften fühlen wir uns verpflichtet», erklärt Walo Abegglen, weshalb er weiterhin für tiefere Buspreise kämpft. Der Mitbegründer der Petition für einen bezahlbaren Bus ist zwar dankbar für das Engagement des Stadtrats. Die Vorschläge der Regierung gingen für Abegglen aber zu wenig weit: «Die Stossrichtung war gut, nur waren die Vorschläge zu allgemein.» An der vergangenen Gemeinderatssitzung wies eine Allianz aus SVP und SP die Botschaft des Stadtrats für eine moderaten Senkung der Billette zurück.

Nun konkretisieren die Buslobbyisten ihre Forderungen: Einzelfahrpreise, die deutlich unter drei Franken liegen, günstigere Fahrpreise für Kinder und noch preiswertere Mehrfahrtenkarten. Bei den derzeitigen Fahrgastzahlen rechnen sie mit jährlich 125’000 Franken an Mehrausgaben. Zudem soll der Kreuzlinger ÖV aktiv vermarktet werden: «Es braucht in der Stadtverwaltung einen Anwalt für den Bus», so Gemeinderat Markus Brüllmann, welcher selbst in der Buskommission tätig ist. Dieser soll durch Aktionen das Busfahren ankurbeln oder Kooperationen mit der Wirtschaft suchen. Dafür soll der Stadtrat Ressourcen freistellen.

Problemzonen
Als Vorbild nehmen sie sich die Stadtwerke Radolfzell. Diese haben die Buspreise radikal auf einen Euro reduziert – und hatten unerwarteten Erfolg damit. Die Fahrgastzahlen verdoppelten sich und durch die hohe Auslastung entstanden nur geringe Mindereinnahmen.
Ganz so einfach hat es Kreuzlingen nicht. Da sie im Tarifverbund Ostschweiz ist, muss die Stadt alle Vergünstigungen bei den Billettpreisen direkt mit Steuergeldern bezahlen. Von allfälligen Mehreinnahmen durch mehr Fahrgäste sieht die Stadtkasse jedoch nichts.

Diese Tarifstruktur ist es dann auch, welche den Petitionären sauer aufstösst. «Es kann nicht sein, dass ich für eine Fahrt vom Seepark nach Bottighofen 6,40 Franken zahle», pickt Hanns Wipf ein Negativbeispiel aus dem Zonensystem heraus. Er wünscht sich wieder eine Speziallösung wie die im Dezember 2016 gestrichenen Lokalzonen. Dieser Wegfall führte dann auch zum «Preisschock» bei den Einzelfahrten von 2,30 auf 3,20 Franken. «Der Stadtrat muss mehr Druck beim Tarifverbund aufsetzen», so Wipf, «am besten zusammen mit anderen Städten wie Frauenfeld und Wil.» Der Bus für eine Preisreduktion im 2019 ist bereits abgefahren. «Das muss aber das letzte Jahr ohne günstigere Buspreise bleiben», verlangt Brüllmann möglichst rasch eine überarbeitete Botschaft vom Stadtrat.

Stadtgespräch
«Stadtbus – wie weiter?» – zu diesem Thema diskutieren am 13. Juni Stadtrat Ernst Zülle, der Tägerwiler Gemeindepräsident Markus Thalmann und der Kreuzlinger Gemeinderat Markus Brüllmann. Das Stadtgespräch wird von der SP organisiert und findet um 19.30 Uhr im Trösch statt.

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2 Gedanken zu „Mehr Schub für den Bus

  1. Alexander Salzmann, Gemeinderat (FDP)

    Tja, die SP muss jetzt natürlich in die Offensive mit „Mehr Schub für den Bus“. Der Stadtrat hatte bereits eine Fahrpreisreduktion vorgeschlagen, die FDP wie auch die CVP wollten diese mit Änderungsanträgen verfeinern und die Ticketpreise sogar über das stadträtliche Mass hinaus senken. Die von der SP beabsichtigten Mehrausgaben von CHF 125’000.– wären in der letzten Gemeinderatssitzung wohl mehrheitsfähig gewesen. Die SP selbst hat jedoch mit einem erfolgreichen Rückweisungsantrag die Fahrpreisreduktionen ab 2019 verhindert und damit den Petitionären ihrer eigenen Partei geschadet. Dass dieses „Hin- und Her“ der SP nun erklärungsbedürftig ist, versteht sich von selbst.

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    1. Hanns Wipf, Gemeinderat (SP)

      Es lag neben der Botschaft leider kein Vorschlag auf dem Tisch, dessen Auswirkungen und Absichten klar gewesen wären. So gesehen: leider auch nicht von uns. Nun haben wir aber immerhin einen Vorschlag mit klaren Absichten:
      Reduktion des Einzelfahrpreises auf markant unter 3.- Franken;
      Reduktion des Preises der Mehrfahrtenkarten, so dass eine Einzelfahrt leicht unter den alten Einzelfahrpreis von Fr. 2.30 zu stehen kommt;
      eindeutig benannte Preise für Kinder-Fahrkarten.

      Schade finde ich, dass die Medienbericht nicht erwähnen, dass wir zuallererst wollen, dass sich die Stadt für eine gescheitere Preisstruktur im Ostwind-Tarifverbund einsetzt. Örtliche Steuergelder verwenden, um die Mängel in der Preisstruktur zu verringern, sollte nur eine Notlösung sein.

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