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Eine Villa zum Anfassen

Kreuzlingen – Einst war es ein Herrenhaus, heute gehen Scharen von Schülern durch die Türen ein und aus. Die Jugendherberge in Kreuzlingen bietet den Gästen ein Erlebins.

Vor der Villa Hörnliberg leuchtet das Logo der Schweizer Jugendherbergen im Rasen. Sie gehört zur Herbergskette, die in der ganzen Schweiz Unterkünfte anbieten. (Bild: jz)

«Wir haben bereits Reservationen für das Jahr 2020», verrät Bernhard Granacher. Seit rund 25 Jahren leitet er die Jugendherberge. Als Herbergsleiter müsse man ein Allrounder sein. So ist der 59-Jähre jeden Tag in der Küche und kocht für die hungrigen Gäste. Aber auch die Instandhaltung sowie die Büroarbeit gehören dazu. Insgesamt arbeiten fünf Personen in der Herberge. Zudem werden sie aktuell von einem Praktikanten aus der Stiftung Zukunft und einem Zivildienstleistenden unterstützt. «Am Morgen geht hier die Post ab. Wir haben 91 Betten, aber nur 70 Sitzplätze im Esssaal, also wird gestaffelt gefrühstückt», erklärt Granacher. Neben guter Infrastruktur und toller Lage gibt es rund um das Anwesen verschiedene Möglichkeiten, sich zu beschäftigen.

Von der Praxis zur Herberge
Das Haus selbst ist ein wahres Schmuckstück. Die hohen und verzierten Decken sind ein Hingucker. 1853 erbaute Johan Konrad Studer-Olbrecht das Landhaus Hörnliberg. 1897 lies Henny Ammann neben dem Hörnliberg eine Villa errichten, benannt nach seiner Frau. So lebte Ammann in der Villa Cécile. Das Landhaus Hörnliberg wurde abgebrochen und das Haus Cécile wurde zur Villa Hörnliberg. Sie wurde vom Technikpionier vor allem für sein Hobby genutzt. In Zusammenarbeit mit den lokalen Spitälern baute er sie zu einer Praxis für Röntgen- und Elektrotherapien aus. 1920 kaufte der Textilunternehmer Victor Herosé das altehrwürdige Haus und baute dieses zu seiner Residenz um. 35 Jahre später zog ein Landerziehungsheim in das Anwesen, bis die Stadt Kreuzlingen im Jahr 1969 alles aufkaufte und ein Jahr später die Herberge darin eröffnete. «Im Jahr 2002 gab es eine grosse Renovation für Zimmer und Nasszellen. 2018 wurde eine neue Heizung und Sonnenkollektoren auf dem Dach installiert», erläutert Granacher. So fliessen alt und neu ineinander. Während im Keller und dem ersten Stock die Zimmer eher im älteren Stil gehalten sind, wirken die Unterkünfte im zweiten Stock moderner. «Früher gab es zuoberst 16er Schläge, doch diese waren sehr rustikal. Mit den Zweier- und Vierer-Zimmern haben wir eine gute Lösung gefunden.»

Eigene Dachterrasse
Als Herbergsleiter ist er verpflichtet, im Haus zu wohnen. «Gemeinsam mit meiner Frau lebe ich in einer Wohnung im obersten Stock.» Es gebe Vor -und Nachteile, meint er. Die Dachterrasse mit Blick über den See ist sicher ein grosses Plus. «Es kommt nicht selten vor, das die Gäste mitten in der Nacht klingeln, weil sie den Schlüssel vergessen haben», erzählt Granacher. Es gab so manche Geschichten, aber auch schöne Begegnungen in den letzten 25 Jahren. «Ich erinnere mich gut an eine Gruppe von Studenten aus Zürich, die ihr Zimmer neben einer Cheerleader-Truppe aus Amerika hatten. Den ganzen Tag wurde geflirtet, was das Zug hielt», sagt der Leiter

Einiges ist noch im Originalzustand, so auch die Wände der Aufenthaltsräume der Villa aus dem Jahr 1897. (Bild: jz)

lachend. Neben Gruppen aus dem In- und Ausland gibt es ab und an auch Hochzeitsgesellschaften, die in die Villa kommen. «Wir haben eine Bar, einen grossen Grill und genügend Platz. Es ist nicht so luxuriös wie in einem Hotel, aber genau diese Lockerheit suchen unsere Gäste.»Es habe einige Male Diskussionen gegeben, ob eine Jugendherberge die passende Institution für ein solches Gebäude sei, sagte er. «Ich finde, es ist ein Erlebnis für die Gäste, in einer Villa übernachten zu können. So etwas ist kaum an einem anderen Ort möglich.»

 

 

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