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Die harte Schule durchlaufen

Kreuzlingen – Gebannt verfolgte die Eishockeynation Schweiz vergangenen Sonntag das WM-Finalspiel gegen Schweden. Mit auf dem Eis waren drei Athleten, welche ihre Kufen in Kreuzlingen abverdient haben.

Eishockeyprofi Timo Meier (mitte) schoss das 2:1 gegen Schweden. Hier besuchte er im August 2017 seine Trainer Mirko Spada (l.) und Christian Rüegg. (Bild: zvg)

«Untersander, Fiala und Meier sind schon als Jugendliche durch ihren Ehrgeiz und ihre Leidenschaft aufgefallen», erinnert sich Mirko Spada, Leiter der Nationalen Elitesportschule Thurgau (NET), zurück.
Die heutigen Spieler der Schweizer Eishockeynati haben am Anfang ihrer Karriere jeweils zwei Jahre in Kreuzlingen trainiert. Der 27-jährige Ramon Untersander war 2005, seine Mannschaftskollegen Timo Meier und Kevin Fiala 2011 zu Besuch in der Eishalle am See. «Siebenmal pro Woche sind sie aufs Eis gegangen, ohne zu murren», sagt er. Als Leiter der Sportschule war er der «Tätschmeister», welcher auch mal auf den Tisch hauen musste. «Die drei haben natürlich Seich gemacht wie jedes andere Kind auch», so Spada.
Seine Aufgabe war es, die angehenden Profis im persönlichen Bereich für ihre Ziele wach zu rütteln. Diese harte Gangart, sowie die Fachkompetenz des Trainers Christian Rüegg waren dann auch die Gründe, weshalb die drei Nachwuchstalente nach Kreuzlingen kamen. «Wir galten als sehr harte Sportschule», weiss der 49-Jährige.

Social Media als Karrierekiller
In den 17 Jahren seiner Tätigkeit in der NET haben es rund 30 Eishockeyspieler in die Schweizer Nationalliga A geschafft, drei sogar in die US-Liga NHL. Doch werde es immer schwieriger, Topathleten auszubilden. «Den Kindern fehlt eine gewisse Grundstabilität und Schnelligkeit», beobachtet Spada – und hat gleich die Ursache dafür parat: «Die neuen Medien machen uns Trainern zu schaffen.» Kinder verbrächten ihre Freizeit nicht mehr mit Rennen und Klettern, sondern vor Bildschirmen. Zudem leide zwischen Smartphone, PC, Netflix und Instagram die Konzentration. «Wären mir als kleiner Junge soviele Möglichkeiten zur Ablenkung zur Verfügung gestanden, hätte ich sicher nicht so hart trainiert», ist der ehemalige Profi-Zehnkämpfer überzeugt.

Das alles führe dazu, dass der Fokus auf das Ziel «Profisportler» verloren gehe. Eine Qualität, die er an den drei Natispielern schon von Jung auf beobachten durfte. Deshalb hat Spada unter der Woche auch schon mit Handyverboten geliebäugelt. Doch solche Opfer für die Sportkarriere zu erbringen, seien nicht mehr viele junge Talente bereit.

Neue Herausforderung
Für Spada sind die derzeitigen Klassen die letzte Garde an angehenden Profis, die er betreut. Er hat seine Stelle bei der NET abgegeben und übernimmt ab August die Leitung der Volksschule Wigoltingen. Ganz vom Sport verabschieden will er sich jedoch nicht. Er plant bereits nebenher polysportives Training für Kinder an zu bieten. «Es war eine Ehre für mich in der NET die vielen Sporttalente auf ihrem Weg zur Profikarriere zu begleiten», so Spada. Für ihn sind ausgebildeten Spitzensportler aber auch ein Beweis, dass sich Durchhaltewillen und hartes Training bezahlt machen. Emil Keller

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