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Die Schattenseiten des Internets

Thurgau – Das Internet ist allgegenwärtig – auch für junge Menschen. Heranwachsende können vielseitig vom Online-Angebot profitieren. Doch birgt das Netz auch Gefahren. Daniel Meili, der bei der Kantonspolizei Thurgau im Bereich Prävention tätig ist, gab uns Auskunft zur anonymen Gefahr im Internet.

Daniel Meili ist regelmässig an Schulen im Kanton unterwegs und klärt Schülerinnen und Schüler zum Thema Onlinesicherheit auf. (Bild: zvg)

Herr Meili, wo sehen Sie die grössten Schattenseiten für Jugendliche und Kinder im Netz?
Daniel Meili: Genauso wie die Chancen sind auch die Risiken sehr vielfältig. Aus unserer Erfahrung besteht beispielsweise die Gefahr, dass sich Unbekannte unter falschen Identitäten an Kinder und Jugendliche heranmachen, diese sexuell belästigen oder sogar versuchen, ein Treffen zu verabreden. Aber auch Betrug, Cybermobbing oder der allzu freizügige Umgang mit persönlichen Informationen können zum Problem werden.

Welche Straftaten werden im Netz besonders oft begangen?
Über alle Altersstufen gesehen sind das Vermögensdelikte, konkreter gesagt Betrugsversuche verschiedenster Art.

«Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» heisst es. Gilt dieses Sprichwort auch in Bezug auf den elterlichen Umgang mit den Kindern, die im Netz surfen?
Ich bin kein Medienpädagoge, aber die Lösung liegt aus meiner Sicht – wie so oft im Leben – irgendwo in der Mitte. Sprich: Es ist vermutlich nicht der beste Weg, wenn Eltern jeden Schritt der Kinder kontrollieren und heimlich täglich deren Handy durchforsten. Umgekehrt kann es aber auch gefährlich werden, wenn Eltern absolut egal ist, was ihre Kinder online so treiben. Schön wäre es beispielsweise, wenn die Eltern Interesse zeigen und sich bei Bedarf von den Kindern erklären lassen, wie Instagram und Co. funktionieren. Auch ein Gespräch über mögliche Risiken kann hilfreich sein.

Wie sieht es mit der Internetkriminalität gegenüber Kindern und Jugendlichen im Thurgau aus? Wie viele Fälle gibt es?
Seit 2010 wurden bei der Kantonspolizei Thurgau mehrere Dutzend Delikte in Zusammenhang mit Minderjährigen und dem Internet registriert. Die Bandbreite reicht von Vermögens- bis hin zu Sexualdelikten.

Welche Taten gelten im Bezug auf Internetkriminalität denn überhaupt als Straftat?
Grundsätzlich gilt folgende Faustregel: Alles, was im «Offline»-Leben verboten ist, ist auch im Internet oder in sozialen Netzwerken nicht erlaubt.

Machen sich denn Jugendliche auch unwissend zu Straftätern?
Ja. Es ist schon vorgekommen, dass Schüler einer ersten Oberstufe pornografisches Material in den Whats-App-Klassenchat geschickt haben. Im entsprechenden Gesetz ist aber festgehalten, dass die Weitergabe von Pornografie an unter 16-Jährige verboten ist. Deshalb machen wir in unseren Vorträgen auch immer auf die Gesetzeslage aufmerksam. Die Information, dass die Gesetze schon ab dem Alter von zehn Jahren gelten (Strafmündigkeit), sorgt dabei nicht selten für grosse Augen.

Glauben Sie, dass die meisten Fälle auch tatsächlich gemeldet werden oder gehen Sie von einer grossen Dunkelziffer aus?
Wir gehen nicht davon aus, dass alle Fälle gemeldet werden. Es gibt Delikte, die für die Betroffenen mit Scham verbunden sind. Da fällt der Weg zur Polizei unter Umständen zu schwer.

Wie bringt man sein Kind dazu, über Erpressung, anzügliche Nachrichten oder Ähnliches zu sprechen?
Ich denke, es ist wichtig, dass ein gutes Vertrauensverhältnis besteht. Wenn Kinder wissen, dass sie mit allen Problemen bei den Eltern ein offenes Ohr finden, werden sie ihnen auch solche Erlebnisse anvertrauen. Es kann sicher auch hilfreich sein, wenn Eltern ihre Kinder auf auffälliges Verhalten ansprechen.

Kann man die Spur der Täter denn zurückverfolgen?
Wenn die Täterschaft aus dem näheren Umfeld respektive aus der Schweiz kommt, sind die Chancen sicher intakt. Bei grossangelegten Betrugsversuchen aus Afrika oder Osteuropa gestalten sich die Ermittlungen schwieriger.

In Ihrer Arbeit steht Prävention und Aufklärungsarbeit zum Thema Onlinesicherheit im Mittelpunkt. Was wollen Sie den Kindern und Jugendlichen persönlich mit auf den Weg geben?
Nutzt das Internet und die sozialen Netzwerke, habt Spass damit, aber passt bitte auf. Das Internet vergisst nie. Was ihr einmal verschickt oder gepostet habt, habt ihr nicht mehr unter Kontrolle. Richtet deshalb eure Privatsphären-Einstellungen so ein, dass ihr bestmöglich geschützt seid. Seid sehr vorsichtig bei Kontakten mit unbekannten Personen, man kann sich online einfach als jemand anderes ausgeben. Lasst euch nie unter Druck setzen oder erpressen. Wenn ihr etwas seht, das euch Angst macht oder ihr sonst ein Problem habt, meldet euch bei euren Eltern oder anderen Vertrauenspersonen und lasst euch helfen.

 

Kompetenzen stärken

Die Kantonspolizei Thurgau bietet umfangreiches Informationsmaterial zum Thema Sicherheit im Netz an, beispielsweise die Broschüre «My little safebook», die in einer Version für Jugendliche und in einer für Eltern erhältlich ist. Auf der Internetseite www.kapo.tg.ch/internetsicherheit können die Broschüren auch heruntergeladen werden. Ausserden werden ab kommendem Schuljahr an Kreuzlinger Schulen Medien- und Informatiklektionen ab der fünften Klasse unterrichtet. Diese Lehreinheit soll die Medienkompetenz fördern und für einen sicheren Umgang mit dem Internet sensibilisieren. Des Weiteren werden aus denselben Gründen in der vierten Klasse persönliche Tablets in den Schulalltag integriert (wir berichteten).

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