/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Ein Seelsorger mit Leib und Seele

Kreuzlingen – Ivan Trajkov war 15 Jahre lang Pastoralassistent in der katholischen Pfarrei St. Stefan in Kreuzlingen-Emmishofen und Bruder Klaus in Tägerwilen. Ab August leitet er den Pastoralraum Altnau-Güttingen-Münsterlingen. Im Interview spricht er über die Flamme des Glaubens, die weiterhin mächtig in ihm lodert, und erklärt, warum seine Kirche eine offene sein soll.

Erfolgreiches Projekt mit einer Vision: Ivan Trajkov (40) hat den Kindersamstag zusammen mit seiner Frau ins Leben gerufen, um Familien für den Glauben an Jesus Christus zu begeistern. Das Paar hat selbst vier Kinder. (Bild: zvg)

Herr Trajkov, kann man davon ausgehen, dass Sie die liberale Richtung, für die ihre neue Kirchgemeinde bekannt ist, weiter verfolgen werden?
Ivan Trajkov: Ich möchte nicht in Schubladen von liberal und konservativ denken. Für mich steht das christliche Menschenbild im Vordergrund. Christus sagt: Liebe deinen Nächsten, sogar deinen Feind. Das ist die Herausforderung, das ist die Botschaft, die wir immer wiederholen müssen. Für die Kranken, für die Verlassenen, für die Ausgestossenen. Jeder soll und kann seinen Platz finden. Ausgrenzung ist in meiner Kirche nicht angesagt.

«Wir sind kein Klub von Auserwählten», haben Sie mal gesagt …
So sehe ich das. Es freut mich, wenn Ehrenamtliche mit anpacken und sich in der Pfarrei engagieren. Jeder Mensch hat seine Qualitäten, und der Starke trägt die Last des Schwachen. Einer hat mehr Zeit, der andere weniger. Für mich ist das wie in einer grossen Familie.

Wie motiviert man Menschen?
Indem sie die Möglichkeit erhalten, sich ihrem Talent gemäss einzusetzen. Ich erkenne relativ schnell, wo jemandes Stärken sind. In den vergangenen Jahren durften wir dankenswerterweise zahlreiche Ehrenamtliche ausbilden und bevollmächtigen, so dass wir heute gemeinsam mit Jesus unterwegs sind.

Früher war das anders?
Als wir angefangen haben, war die Struktur noch etwas anders. Viele hatten das Bild einer Servicekirche im Kopf. Für mich ist Kirche aber keine Dienstleistung. Es geht vielmehr darum, sein Leben zu teilen.

Was hat Sie motiviert, sich in Altnau, Güttingen und Münsterlingen zu bewerben?
Ich kenne Matthias Loretan und das Team. Wir sind gut befreundet. Menschlich passt es einfach sehr gut. Vor allem aber hat mir die familienfreundliche Ausrichtung gefallen. Ich sehe sehr viel Potential dort.

Gibt es schon etwas, das Sie ändern möchten?
Erstmal nichts. Ich kann nicht frisch kommen und sofort beurteilen, was gut oder schlecht läuft. Erst einmal muss ich die Pfarreien besser kennenlernen. Diakon Loretan hat
mich aber bereits gut eingeführt, von seiner Erfahrung kann ich profitieren.

Als Leiter des Pastoralraums kommen ja auch einige neue Aufgaben auf Sie zu …
Auch in St. Stefan habe ich schon Leitungsaufgaben wahrgenommen, so in der Katechese. Neu ist der Bereich Personalführung. Ich werde eine Weiterbildung absolvieren, um das zu bewältigen. Im Grossen und Ganzen bin ich aber im Auftrag von Jesus unterwegs, und das wird so bleiben.

Wie man hört, wird Ihnen Pfarrer Josef Gander als Priester im 30-Prozent-Pensum zur Seite stehen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe ihn bereits im Dezember vor seiner Pensionierung gefragt, und schliesslich wurde es von oben auch reibungslos bewilligt. Das sehe ich als Gottes Fügung, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit, denn wir kennen uns gut und sind ein eingespieltes Team.

Was macht Ihnen am meisten Spass an Ihrem Beruf?
Am meisten Spass macht mir die Arbeit mit den Menschen aus verschiedenen Altersgruppen, mit Familien mit Kleinkindern, mit Jugendlichen oder Senioren. Ich möchte die Menschen in ihrem Alltag begleiten und dort, wo es möglich ist, Hilfe im religiösen wie auch im praktischen Sinne bieten. Glaube bewährt sich im Alltag.

Das kann aber auch sehr belastend sein …
Es gibt Situationen, da verstummt man als Seelsorger. Es ist dann ganz wichtig, zu zeigen: Hey, ich bin da. Wenn Menschen diese Unterstützung annehmen, ist das ein sehr berührender Moment. Schliesslich möchte ich zu dem stehen, was ich sage. Ich habe auch schon abends nach 22 Uhr für einen Trauernden die Kirche aufgeschlossen, mit ihm eine Kerze angezündet und zusammen gebetet. Wir als Kirche können aus der Verbundenheit mit Jesus Christus grosse Kraft schöpfen, in kleinen wie in grossen Dingen. Die Verbundenheit mit Jesus Christus und das Miteinander sind für mich wichtig. Kirche besteht nicht nur aus Beten.

Was werden Sie an ihrer alten Stelle vermissen?
Die vielen Kontakte. Aber ganz aus der Welt sind wir ja durch den Umzug nicht. Ich werde immer dankbar sein über meine Aufnahme in Emmishofen und Tägerwilen. Von Anfang an habe ich hier die Offenheit der Menschen genossen. Und ich habe sehr gute Freundschaften geschlossen. Die Zusamenarbeit mit dem Team und mit Josef Gander war stets sehr gut, und das will ich weiterführen. Die Früchte der Seelsorgearbeit sind erst nach Jahren zu sehen, und da sind in unserer Pfarrei viele gewachsen, glaube ich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass möglichst viele von den Projekten, die ich mit angestossen habe, weitergeführt werden. Ich freue mich, dass die Kirchenvorsteherschaft mit dem neuen Jugendarbeiter Daniel Schneider einen guten Mann gefunden hat. Er und Pater Jan Walentek werden hoffentlich vieles weiterführen – und dann weiss ich, dass ich etwas richtig gemacht habe.

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