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Die Reise ins Ungewisse beginnt

Kreuzlingen – Das in die Jahre gekommene evangelische Kirchgemeindehaus soll auf Vordermann gebracht werden. Doch bereits die Planung für die Renovation des 56-jährigen Baus sorgte in der Kirchgemeindeversammlung für Diskussion.

So soll das umgebaute evangelische Kirchgemeindehaus schlussendlich aussehen. (Bild: zvg)

Dass die evangelische Kirche Kreuzlingen im vergangenen Jahr trotz prognostiziertem Verlust einen kleinen Gewinn ausweisen konnte, interessierte am vergangenen Montagabend die wenigsten Kirchbürger. Viel mehr überwog die Sorge, wie die finanzielle Situation in einigen Jahren aussehen könnte, wenn es an die Sanierung und Erneuerung des Kirchgemeindehauses geht. Denn der Bau aus der Nachkriegszeit ist in die Jahre gekommen, am Dach kommt es immer wieder zu Wassereinbrüchen.

Aus einem Architekturwettbewerb ist ein Siegerprojekt hervorgegangen, welches mit einem möglichst kleinen baulichen Fussabdruck den architektonisch wertvollen Bau auffrischen möchte. Doch um genau abklären zu können, woran es überall im Haus hapert, musste die Kirchgemeinde einen Projektierungskredit in Höhe von 584’000 Franken genehmigen. «Bei so einem alten Gebäude ist es sehr schwierig abzuschätzen, was für Kosten schlussendlich auf uns zukommen», erklärte Architekt Brian Baer den relativ hohen Betrag für die Bauplanung. Gleichzeitig unterstrich er die Wichtigkeit einer sauberen Vorabklärung.

Diese Zahl führte im Verlauf des Abends Diskussionen. Die einen Votanten fanden das Projekt per se überdimensioniert, für die anderen waren die Planungskosten zu niedrig. «Lieber jetzt 150’000 Franken sprechen, damit es später keine bösen Überraschungen gibt», befand Arnold Baumann.

Für Unsicherheit sorgte überdies die Tatsache, das keine Zahl zu den endgültigen Baukosten im Raum stand. «Uns steht eine Reise ins Ungewisse bevor», befand Walter Studer und stellte einen Rückweisungsantrag. «Die Kirchenvorsteherschaft soll erst einmal kommunizieren, wieviel Geld sie maximal für die Sanierung ausgeben will», so Studer. «Ohne den Projektierungskredit werden wir nie mit Sicherheit sagen können, wie teuer es wird», entgegnete Kirchenpräsident Thomas Leuch. Eine Argumentation, welcher die meisten Kirchbürger grossmehrheitlich folgten und Studers Antrag ablehnten. Auch der Kredit wurde wie vorgeschlagen mit nur zwei Gegenstimmen bei zwölf Enthaltungen genehmigt. Nun geht es für die Architekten in die Detailplanung: Im Frühjar 2019 wird sich zeigen, wie teuer die Erneuerung wird.

Kirchenpflegerin überzeugte
Mit Marianne Pfändler als neuer Kirchenpflegerin stand zudem eine Personenwahl an. Für ein «mulmiges Gefühl im Magen» sorgte bei einigen Kirchbürgern die Tatsache, dass die Mutter von drei Kindern nicht in der Kirchgemeinde Kreuzlingen wohnhaft ist. «Ich bin in Sommeri verwurzelt und bleibe auch dort», sagte Pfändler bestimmt. Mit ihrer offenen und direkten Art stellte sie sich den kritischen Fragen der Kirchgemeinde und erntete neben einem Glanzresultat bei der Wahl auch Beifall.

Nicht mehr aufhören wollte der Applaus bei der Verabschiedung von ihrem Vorgänger Kurt Schweizer. «Du warst treu und zuverlässig wie eine Schweizer Uhr», so der Kirchenvorsteher Leuch. Schweizer habe immer ein offenes Ohr für die Anliegen aus der Gemeinde gehabt.
Wenig Gehör für die Anträge aus der Gemeinde hatte an diesem Abend hingegen Kirchenpräsident Leuch. Seine Vorgängerin Susanne Dschulnigg wollte die Revision der Kirchgemeindeordnung vorantreiben und eine ausserordentliche Versammlung einberufen. Bereits vor einigen Jahren sei dafür ein Anlauf genommen worden, nun liege die überarbeitete Fassung vor. «Vor der wegweisenden Abstimmung zum Baukredit müssen wir die Kirchgemeindeordnung endlich à jour bringen», appellierte Dschulnigg an die Kirchbürger. Leuch entgegnete, dass die Vorsteherschaft «am Anschlag» sei und eine ausserordentliche Versammlung rund 20’000 Franken koste. Mit 18 Ja- zu 26-Nein Stimmen legten die Kreuzlinger Reformierten die Kirchgemeindeordnung vorläufig auf Eis. ek

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