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Förderbeiträge feierlich übergeben

Kreuzlingen – Regierungsrätin Monika Knill hat im Kino Roxy in Romanshorn die Förderbeiträge 2018 an sechs Kulturschaffende aus dem Kanton Thurgau übergeben. Der Abend war geprägt von Musik, bildender Kunst, Videos und vielen lobenden Worten.

(vlnr.:) Micha Stuhlmann, Beat Keller, Felix Brenner, Olga Titus, Vincent Scarth, Sarah Hugentobler. (Bild: ID)

Es dürfte für die sechs Personen ein spezieller Moment gewesen sein, als sie auf der Bühne einen der Förderbeiträge im Umfang von je 25 000 Franken überreicht bekommen haben. Aus 46 Bewerbungen wurden sie von einer Fachjury ausgewählt. Es sind dies Felix Brenner, bildender Künstler, Altnau, Sarah Hugentobler, bildende Künstlerin, Bern; Beat Keller, Musiker, Winterthur; Vincent Scarth, bildender Künstler Zürich; Micha Stuhlmann, Theater- und Tanzschaffende, Kreuzlingen; Olga Titus, bildende Künstlerin, Winterthur.

Regierungsrätin Monika Knill betonte in ihrer Ansprache, dass es nicht einfach sei, den Weg einer Künstlerin, eines Künstlers zu gehen: «Künstlerinnen und Künstler sollen eigenständig, originell und innovativ sein. Gleichzeitig dürfen sie aber auch nicht allzu experimentell sein mit ihrer Kunst, sondern müssen markttauglich sein.» Die Kulturförderung des Kantons müsse deshalb diesem anspruchsvollen Umfeld Rechnung tragen und unterstütze die kulturelle Vielfalt jedes Jahr mit den Förderbeiträgen.

Kanton unterstützt Kulturschaffende
Der Kanton Thurgau vergibt einmal pro Jahr maximal sechs Förderbeiträge an Kulturschaffende. Diese sind finanziert aus dem Lotteriefonds und belaufen sich auf je 25 000 Franken. Die Förderbeiträge sind als Kunststipendien für die künstlerische Weiterentwicklung bestimmt. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen die Jury mit ihrem Leistungsausweis, ihren Entwicklungsmöglichkeiten und einem geplanten Vorhaben überzeugen. Sie müssen im Kanton Thurgau wohnhaft sein oder einen engen Bezug zum Thurgau aufweisen, z. B. durch den Schwerpunkt des künstlerischen Wirkens oder durch Herkunft. Die nächste Ausschreibung erfolgt im Herbst 2018. Mehr Informationen gibt es unter www.kulturamt.tg.ch

Felix Brenner
Felix Brenner ist eine eigenwillige, auffällige Künstlerpersönlichkeit. Wie die Kuratorin und Jurymitglied Rebekka Ray in ihrer Laudatio sagte, verstehe Brenner sich als Ethnobotaniker, der die Beziehung zwischen Pflanzen und Mensch untersucht. Er züchte Pilze, Kakteen und andere psychoaktive Gewächse, deren Gedeihen er genau beobachte. «Seine präzisen Darstellungen von Details, sein Übereinanderschichten von Räumen, Wirklichkeiten, Wahrnehmungsebenen aber auch sein Selbstverständnis als Künstler konfrontiert uns Betrachtende dabei mit unserer eigenen, von Konventionen und Normen bestimmten Wahrnehmungsweise unserer Lebenswelt». So Ray.

Sarah Hugentobler
Mit Jahrgang 1981 bringt die Kunstschaffende Sarah Hugentobler mit digitaler Kamera und Computer ihr Können zum Ausdruck. Wie Markus Landert, Jurymitglied und Direktor Kunst- und Ittinger Museum Thurgau, in seiner Laudation für die Künstlerin anerkennend feststellte: «Mit diesen digitalen Ausdrucksmitteln konstruiert sie irritierende Bildwelten, in denen sich unser sicheres Wissen über die Beziehung zwischen Wirklichkeit und Bild fast unmerklich aber umso nachhaltiger auflöst.»

Beat Keller
Aus der Sparte Musik wurde in Romanshorn dem Gitarrist Beat Keller einen Förderpreis in der Höhe von 25’000 Franken übergeben. Geboren in Frauenfeld, aufgewachsen in Weinfelden, Gitarrenstudium in Zürich, beschäftigt sich der Künstler heute mit dem Klang einer ganze speziellen Gitarre, der Feedbacker-E-Gitarre. Oder wie es Jurymitglied Dominik Deuber in seiner Laudatio ausdrückte: «Der Eigenklang des Instruments. Nicht die Relation der einzelnen Töne nacheinander und miteinander. Der Klang als Klang. Der Klang als das, was er ist – nicht wofür er benutzt werden kann; der Klang – dieser Klang, das Singen, das Klingen, das Schwingen.»

Vincent Scarth
«Vincent Scarth ist ein virtuoser Geschichtenerzähler mit dem Medium der Malerei.» Mit diesem Satz begann die Laudation von Judith Villiger, Jurymitglied und Kunstschaffende. Das Werk des 27-jährigen Vincent Scarth erstreckt sich von kleinen, wie beiläufig hingeschmissenen Skizzen, die zum Teil animiert sind, bis hin zu Wandbildern in der Grösse von anderthalb mal zehn Metern. Scarth, der im Oberthurgau aufwuchs, kontrastiere komplexe philosophische Themen mit bewusst amateurhaft umgesetzten Zitaten, so Villiger. «Mit den technischen und finanziellen Ressourcen hält er sich dabei weitestgehend zurück, um das kreative Potenzial der Prekarität herauszufordern», beschreibt sie das Schaffen des Künstlers.

Micha Stuhlmann
Die Theaterarbeit von Micha Stuhlmann ist in grundsätzlichen, hochaktuellen gesellschaftlichen Feldern angesiedelt. Sie beackert Themen wie «Integration» oder «Beeinträchtigung». Peter Surber, Journalist und Jurymitglied, zitiert Stuhlmann in seiner Laudatio so: «In ihrem Ensemble, sagt Micha Stuhlmann, gibt es Leute mit Lebens- oder Arbeitserfahrungen, an die ein Bühnenprofi nie herankommen wird. Mit andern Worten: Profi oder Laie ist man nicht einfach – sondern es kommt auf die Aufgabe an. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich weitherum in der Theaterlandschaft der Begriff der «Experten des Alltags» eingebürgert.»

Olga Titus
«Möglicherweise sollte ich Sie vor dem Genuss der Arbeiten von Olga Titus warnen – zu verführerisch und betörend sind ihre berauschenden Werke», so Rebekka Ray, die im Kino Roxy auch die Laudatio für Olga Titus hielt. Die schillernde Oberfläche und Ästhetik seien beinahe von magischer Anziehungskraft. Olga Titus, im ländlichen Sulgen aufgewachsen, studierte in Luzern Bildende Kunst und schafft Videoarbeiten, Installationen, Kurzfilme und Objekte. Dabei entreisst sie reale Motive ihrem Sinnzusammenhang und arrangiert sie neu. Oder wie es Ray ausdrückte: «Kaleidoskopartig, gespiegelt, geschichtet und montiert werden ihre Motive in nun scheinbar rein ornamentale Gefüge überführt. Farbe, Reizüberflutung, Bewegung und Rhythmus erinnern an Bilder der Werbung, der Clip-Ästhetik oder des Video-Games. Zugleich werden aber auch Flüchtigkeit und Vergänglichkeit dieses visuellen Reizes zelebriert.»

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