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Ewig aktuelle Revolte in Kreuzlingen

Kreuzlingen – An der Pädagogischen Maturitätsschule bringen die Schülerinnen und Schüler das Musical «Hair» auf die Bühne. Diese Wochenende finden drei Aufführungen statt.

An der PMS wird das Musical Hair mit den Schülern inszeniert. (Bild: zvg)

«Hat einer von euch einen Kamm?» Mit der Frage fällt der jugendliche Hippie-Darsteller ein wenig aus der Rolle, doch seine Langhaarperücke sitzt wirklich noch nicht richtig. Die Stirnbänder und Sonnenbrillen seiner Kollegen sind dagegen einfacher angelegt. Sie verwandeln sich in Minutenschnelle in die Blumenkinder, die 1968 in den USA die freie Liebe dem Kriegsdienst in Vietnam vorzogen. Fünfzig Jahre ist die Uraufführung des Musicals am Broadway inzwischen her. An Aktualität eingebüsst hat der Stoff nichts. Zwar musste der Regisseur Oliver Schneider den Schülern des Freifaches «Musical» eine Nachhilfestunde in Geschichte geben, damit sie die Zusammenhänge rekapitulieren konnten, doch an der grundsätzlichen Frage, was wirklich wichtig ist im Leben, hat sich über die Jahrzehnte nichts verändert. «Immer aktuell ist die Auflehnung der Jungen gegen das Establishment», sagt die Gesamtleiterin Alexa Vogel. Für diesen Aspekt ihrer Rollen müssen sich die Jugendlichen nicht gross verstellen – ihre Alter Egos sind genau im gleichen Alter, allerdings sind sie ihnen – erfreulicherweise – um einige Erfahrungen voraus: «Wer Drogen konsumiert, kann euphorisch oder depressiv sein», erklärt ihnen die Choreographin Franziska Diebold die Bewegungsabläufe beim Song «Haschisch»: «Einige von euch können apathisch in der Ecke hängen, andere müssen hyperaktiv wirken.»

Mitreissende Rhythmen mit Botschaft
Der Erinnerungskult um die 68-ger vor fünfzig Jahren war nicht der Grund für die Auswahl des Stoffes. Die Lehrer und Lehrerinnen sind viel pragmatischer vorgegangen. Es gab stolze vierzig Anmeldungen für das Freifach Musical, rund dreissig der Teilnehmer wollen selbst auf der Bühne stehen. «Wir brauchten also ein Stück, das viele attraktive Solopartien hat und grosse Massenszenen, bei denen alle Mitwirkenden gefragt sind», so Alexa Vogel. «Ausserdem wollten wir fetzige Musik und ein Stück mit Botschaft.» Die Musik in «Hair» habe ihren eigenen Charakter, meint Daniel Steger, der die sechsköpfige Band leitet. «Sie ist anders als man es im typischen Musical erwarten würde. Wenn man sich in dem Stil zuhause fühlt, ist es nicht schwierig, aber es hat eben sehr eigene Wendungen.» Hilfreich sei der eingängige Rhythmus. «Aber ein vierstimmiger Chorsatz mit Choreographie ist immer aufwändig.»
Das Bühnenbild ist dagegen vergleichsweise einfach. Drei Schauplätze müssen den Darstellern genügen. «Es ist für uns aber ein grosser Luxus, dass uns Daniel Hausamann, Lehrbeauftragter für Gestaltung und Kunst an der PHTG, mit seinem Team behilflich ist. Sie bauen uns jedes Requisit, das wir brauchen», lobt Regisseur Schneider.

Grosser Aufwand – grosser Effekt
Seit August arbeiten die Jugendlichen und ihre Lehrer am Werk. Bei einem klassischen Casting wurden die Rollen verteilt. Die Bewerber mussten vorsingen und vorspielen. Die Leiter mussten danach ein Ensemble formen und allen Teilnehmern klarmachen, dass jeder wichtig ist, auch wenn er keine Hauptrolle bekommen hat. «Jetzt ist es die Herausforderung, sie zu motivieren den Text zu lernen», sagt Alexa Vogel. «Aber es ist auch faszinierend zusehen, wie sehr sie sich gesanglich entwickelt haben», ergänzt Anna Gitschthaler, die als Vocal Coach für die Stimmen zuständig ist.

Aufführungen in der Aula der PMS Kreuzlingen am Freitag 8. und Samstag 9. Juni um 19 Uhr, am Sonntag 10. Juni um 17 Uhr. Eintritt frei. Um Spenden wird gebeten.

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