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«Unser primäres Ziel ist es, dass Mutter und Kind gesund sind»

Münsterlingen – Im Spital Münsterlingen erblickten im vergangenen Jahr 1143 Kinder das Licht der Welt. Das sind durchschnittlich rund drei Kinder pro Tag. Die Leitende Hebamme Sandra Schönholzer, der Chefarzt der Frauenklinik Dr. med. Markus Kuther und das gesamte Team sorgen bei jeder Geburt für einen möglichst reibungslosen Verlauf.

Die leitende Hebamme Sandra Schönholzer und Dr. med Markus Kuther, Chefarzt Frauenklinik, im freundlich gestalteten Geburtsraum mit Wanne und neuester Technik. (Bild: jl)

«Es ist erfreulich, dass wieder mehr Kinder zur Welt kommen», meint Dr. Kuther. Vor einem Jahrzehnt wurden rund 800 Kinder pro Jahr in Münsterlingen geboren. Im Jahr 2017 waren es 42 Prozent mehr, nämlich 1143. «Das ist aber keine Besonderheit, sondern ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend», weiss der Chefarzt der Frauenklinik. Während auf dem Land die Geburtenzahlen sinken, stiegen sie in Ballungsräumen, führt er weiter fort. Da Kreuzlingen zum Haupteinzugsgebiet des Spitals gehöre, wundere man sich nicht über den Anstieg. Auch die Aussichten für das Jahr 2018 sind vielversprechend.

Bis Mitte Mai diesen Jahres durften in Münsterlingen schon 429 Babys (Stand: 17. Mai) das Licht der Welt erblicken. «Das sind derzeit circa 50 Geburten mehr als zur selben Zeit des Vorjahres», freut sich Kuther, denn die Kapazitäten dafür sind gegeben. Laut ihm wären auch noch mehr Geburten mit derselben Menge an Personal machbar. Der Chefarzt ergänzt: «Unser Personal ist ohnehin rund um die Uhr anwesend, ein weiterer Anstieg der Geburten würde für unsere Station eine Effizienzsteigerung bedeuten.»

Werdende Mütter sind heute älter
Nicht nur die Anzahl der Kinder steigt, auch das Alter der Frauen, welche ihr erstes Kind bekommen nimmt stetig zu. «Im Durchschnitt ist eine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes 28 Jahre alt», kommentiert der Gynäkologe. Mit dem steigenden Alter nehmen aber auch die Problemfälle zu. «Wenn wir den Betreuungsaufwand einer Schwangeren von heute und von vor 20 Jahren vergleichen, gibt es immense Unterschiede.» Hinzu komme, dass die meisten dieser Frauen auch erstgebärend sind und deshalb noch keine Erfahrung und Gelassenheit mitbrächten.

Das Bild der Schwangerschaft im Wandel
In einer Gesellschaft, die geprägt ist von Selbstoptimierung, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch der Blick auf die Schwangerschaft verändert. «Frauen projizieren heute sehr viel in eine Schwangerschaft hinein und haben eine starke Wunschvorstellung, wie alles zu sein hat», erklärt der Chefarzt kritisch. Da falle es oft schwer den Erwartungshaltungen immer gerecht zu werden. «Unser primäres Ziel ist es, dass Mutter und Kind gesund sind», betont Kuther. Und obwohl die Gesundheit des Kindes für viele Gebärende als selbstverständlich hingenommen werde, ist es gerade das eben nicht. «Wir müssen 24 Stunden und sieben Tage die Woche höchste Qualität gewährleisten, um das möglich zu machen», so der Chefarzt, der seit 2016 die Frauenklinik leitet.

Auch werde in der Gesellschaft oft vorausgesetzt, dass die Männer ihre Frauen zur Geburt begleiten. Die Leitende Hebamme der Münsterlinger Frauenklinik Sandra Schönholzer sieht diese Entwicklung kritisch. Denn manche Männer könnten schwer damit leben, dass ihre Frau leidet und werden dann auch aggressiv. Die leidenschaftliche Hebamme rät deshalb vielleicht lieber die beste Freundin oder Schwester zur Geburt mitzubringen, wenn man eine Begleitperson wünsche.

Das Wichtigste ist, dass das Kind am Ende gesund auf die Welt kommt. (Bild: Sandra Werner/ pixelio.de)

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich natürlich auch einiges im Spital Münsterlingen zum Wohl der Frauen verändert. Im Geburtszimmer kann man heute individueller denn je auf die werdenden Mütter eingehen. Neben der klassischen Geburt im Liegen ist dank Badewanne im Zimmer auch eine Wasserentbindung möglich. «Viele Frauen empfinden die Pausen zwischen den Wehen im Wasser als angenehmer», erklärt Schönholzer. Ausserdem kann das Bett dank neuester Technik per Knopfdruck umgebaut werden, so dass eine Frau auch im Vierfüsslerstand oder mit dem Rücken angelehnt im Stehen das Kind zur Welt bringen kann. Bei diesen Methoden wirke laut Schönholzer die Schwerkraft als Unterstützung.

Generell hat man auch versucht, das Zimmer so wenig wie möglich wie ein klassisches Krankenhauszimmer wir­ken zu lassen. Die Farben und Bilder bringen einen höheren Wohlfühlfaktor und bieten dem Team aus 22 Hebammen, drei Beleghebammen und 17 Ärzten trotzdem alles, was für den reibungslosen Ablauf einer Geburt notwendig ist. Um werdende Eltern bei Ankunft im Spital schon zu unterstützen, gibt es direkt am Eingang auch einen «Storchenparkplatz». Dort kann man sein Auto kostenlos abstellen, wenn es mal schnell gehen muss. Insgesamt schätzt Schönholzer, dass sie in den letzten 20 Jahren als Hebamme schon bei circa 3000 Geburten dabei war. Bei Dr. med Kuther waren es in seiner Arztkarriere seit 1994 noch mehr. Was Schönholzer an ihrem Job gerne mag, ist dass keine Geburt einer anderen gleiche. Eines hätten aber alle gemeinsam: «Jede Geburt ist schön.»

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