/// Rubrik: Gesundheit | Topaktuell

Starthilfe für das Wunder des Lebens

Kreuzlingen – Keine Sorge, wenn’s beim ersten Mal Baby machen nicht klappt. Es gibt viele Gründe, weshalb es an der Fruchtbarkeit zwischen zwei Partnern hapert. Heute gibt es viele Therapieansätze, damit ein Kinderwunsch Wirklichkeit wird – die künstliche Befruchtung ist nur eine davon.

Verschlossene Eileiter, feindlicher Schleim im Gebärmutterhals oder unfitte Spermien – es gibt viele Gründe, warum männliche Samen nicht ihren Weg in die Gebärmutter finden. Und wenn Dr. Lachat mit einer Samenübertragung ein wenig nachhilft, ist das immer noch eine natürliche Befruchtung. (Bild: ek)

So vielfältig das Leben selbst ist, so vielfältig sind mittlerweile auch die Methoden, um eine Schwangerschaft zu erzielen. Denn bloss weil es mit dem Kinderwunsch nicht auf Anhieb klappt, heisst es noch lange nicht, dass dieser nicht in Erfüllung geht. «Heute geht man davon aus, dass jedes sechste Paar Schwierigkeiten hat, schwanger zu werden», sagt Dr. Remo Lachat. Der Leiter vom milagro Kinderwunsch-und IVF-Zentrum in Kreuzlingen hat schon tausenden von Paaren zu Kindern verholfen. Dennoch sehen sich der Reproduktionsmediziner und sein Team immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert.

Die eidgenössische Abstimmung zum Fortpflanzungsmedizingesetz 2016 hat diese im Abstimmungskampf wieder deutlich zu Tage gebracht: Noch immer herrschen religiöse und ethische Vorbehalte beim Thema künstliche Befruchtung. Doch was sich im zweiten Stock an der Hauptstrasse 54 abspielt, erinnert weniger an eine «Hexenküche», sondern vielmehr an eine fundierte Ursachensuche für das ausbleibende Kinderglück. «Wir suchen immer den einfachsten und natürlichsten Weg, damit es mit der Schwangerschaft klappt», so Lachat.

Deshalb stehen beim ersten Besuch in der Praxis keine ärztliche Untersuchung oder Labortests an, sondern erst einmal ein ausführliches Gespräch, in dem die aktuelle Situation erläutert wird. Wer zum Beispiel gerade erst die hormonelle Verhütung eingestellt hat, muss manchmal einfach etwas Geduld haben. Auch Stress bei der Arbeit, Druck in der Beziehung oder ein ungesunder Lebenswandel können Gründe für eine ungenügende Fortpflanzungsfähigkeit sein. «Erst wenn ein Paar mindestens ein Jahr lang erfolglos versucht, ein Kind zu bekommen, sprechen wir von Sterilität», erklärt der Arzt. Um diese zu überwinden setzt die Praxis aber nicht nur auf Schulmedizin, sondern auch auf Komplementärmedizin.

Der lange Weg zur Schwangerschaft

Hier passiert die Magie: Unter absolut sterilen Bedingungen unter dem Mikroskop wird die Samenzelle mit der Eizelle vereint. (Bild: milagro.ch)

«Eine Schwangerschaft setzt eine lange Kette an körperlichen Bedingungen voraus, die stimmen müssen», so Lachat. Seine Praxis hat sich darauf spezialisiert, die verschiedenen Glieder zu untersuchen und gegebenenfalls zu stärken.

Deshalb geht es in einem zweiten Schritt ans Medizinische. Oft herrscht noch die Meinung vor, dass es an der Fruchtbarkeit der Frau hapert, wenn der Schwangerschaftstest stetig negativ ausfällt. «Dabei sind beide Teile gleich stark daran beteiligt, ob es klappt oder nicht», klärt Lachat auf. Die Gründe für eine ausbleibende Schwangerschaft sind mannigfaltig: Die Hoden des Mannes produzieren von Haus aus zu wenig Samenzellen, hohes Fieber kann die Samenqualität für bis zu drei Monate beeinträchtigen oder Infektionen durch Bakterien können die Samenleiter verschliessen und eine Mumps-Infektion in der Kindheit kann Hodengewebe zerstören. Ein sogenanntes Spermiogramm gibt Aufschluss über die Qualität des männlichen Ejakulats. Dafür arbeitet Milagro mit Biologen und Urologen zusammen.

Lachat selber ist Gynäkologe und kennt sich speziell gut im Unterleib von Frauen aus. Auch hier muss vieles Stimmen, damit sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Im Schleim des Gebärmutterhalses können zum Beispiel Infektionen dafür sorgen, dass dieser für männliche Samen undurchlässig ist. Hormonelle Veränderungen oder Störungen können für ein Ausbleiben des Eisprungs sorgen. Die Eileiter, welche als Transportweg des Eis vom Eierstock in die Gebärmutter dient, kann verwachsen und vernarbt sein. Veränderte oder erkrankte Eileiter sind etwa für ein Viertel der Fälle von Unfruchtbarkeit verantwortlich.

Mittels Ultraschall und allenfalls einer Bauchspiegelung kann Lachat solche Beeinträchtigungen ermitteln. Der erfahrene Frauenarzt kommt zusammen mit seinem Team aus Biologen und Ärzten relativ schnell zu einer Diagnose und kennt oft auch eine Behandlung für die mangelnde Fruchtbarkeit. Falls Polypen, Vernarbungen oder Endometriose den Weg versperren, weiss der Arzt, diese mit minimal invasiven Eingriffen zu entfernen. Einer der nächst möglichen Schritte besteht darin, die besten Samenzellen des Mannes mittels dünnem Katheter unmittelbar vor dem Eisprung direkt in die Gebärmutter zu übertragen. «Timing ist dabei alles», so Lachat. Eine Frau ist während ihres Zyklus eigentlich nur 24 Stunden nach dem Eisprung fruchtbar.

Heutzutage kann dieser Zeitpunkt ganz genau ermittelt werden und es kommt zu einer Punktlandung von Samen und Eizelle. Danach kann das Wunder des Lebens seinen natürlichen Lauf nehmen. Diese sogenannte «Insemination» zahlt die Krankenkasse drei mal. Rund ein Viertel Prozent aller Paare darf sich nach solch einer Behandlung Sorgen um ein geeignetes Kinderzimmer machen. Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, greift Lachat zum Reagenzglas.

Liebe machen im Reagenzglas
«In Vitro-Fertilisation» heisst die Methode, eine Befruchtung ausserhalb des Körpers von statten gehen zu lassen. Milagro ist dabei das einzige Institut im Thurgau, welches diese hochspezialisierte Leistung erbringt. Dabei werden Eizellen direkt aus den Eierstöcken gewonnen. Durchschnittlich acht bis zwölf Eizellen gewinnt Lachat bei solch einem Eingriff. Die hoch spezialisierten Biologen wählen die besten Samen des Mannes aus und bringen die beiden Komponenten im Reagenzglas zusammen. «In der Hälfte aller Fälle müssen wir dann gar nichts mehr tun», so Lachat.

Nur wenn die Samenzellen des Mannes so stark beschädigt sind, dass sie nicht aus eigener Kraft in die Eizelle eindringen können, hilft der Biologe nach. «Ein bedeutender Unterschied», betont Lachat. Erst jetzt spricht der Fachmann von künstlicher Befruchtung. Denn bis anhin verlief die Verschmelzung von Eizelle und Samen ganz von alleine. Erst bei dieser «Samen-Mikroinsemination» wird mittels einer ganz dünnen Glaskapillare der Samen unter einem speziellen Mikroskop direkt in die Eizelle eingeführt.

Danach werden Kulturen angelegt, die ersten Zellteilungen finden im Brutkasten statt. Schon am ersten Tag können die Biologen unter dem Mikroskop die embryonale Entwicklung beobachten. Eine bis zwei befruchtete Eizellen (Embryonen) werden nun ausgewählt. Die übrigen befruchteten Eizellen können tiefgefroren und für einen weiteren Versuch oder für ein zweites Kind aufgespart werden.

Geschickt und mit viel Erfahrung wird durch Lachat unter Ultraschallkontrolle der Embryotransfer in die Gebärmutter durchgeführt. Nun beginnt das Warten, erst zwei Woche später kann mittels Bluttest festgestellt werden, ob der Transfer geglückt ist. Eines von drei Paaren verlässt die Praxis nach einer solchen Behandlung mit einem positiven Schwangerschaftstest, die übrigen zwei können mit den eingefrorenen Zellen einen weiteren Versuch starten. Trotz aller Zuversicht in seine Arbeit bleibt Lachat aber auch realistisch. «Für einige Paare kommt leider auch irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich von weiteren Behandlungen abrate.»

Neben dem finanziellen Aufwand kann das Ausbleiben des Kinderglücks auch zu einer psychischen Belastung werden. Ein weiterer Grund, weshalb der Arzt ethisch und moralisch voll hinter seiner Behandlung steht. Schon vielen Patientinnen und Patienten konnte er so die Last, kinderlos zu bleiben, nehmen. Und während des ganzen Prozesses verhilft er Paaren zur Erfüllung ihres Kinderwunsches. Vorabklärungen über Eigenschaften des Kindes werden bei Milargo keine vorgenommen. «Wir erfüllen Kinderwünsche, aber keine Wunschkinder», fasst Lachat zusammen.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.