/// Rubrik: Stadtleben

«Für dieses Verkehrsregime sehen wir keine Zukunft»

Kreuzlingen – Die Umfragebögen sind zurück und die Entscheidung ist gefallen: Am 25. Juni werden die Tafeln der neuen Verkehrsführung auf dem Boulevard wieder abgebaut. Der Stadtrat reagiert damit auf die massive Kritik aus dem Gewerbe. Aber auch in den Quartieren hatte sich Widerstand gebildet.

Ab dem 25. Juni verschwindet die Fahrverbotstafel. (Bild: ek)

Es war nur als Versuch gedacht und wird nun vorzeitig beendet: Die nördliche Einfahrt des Boulevards sowie die Querstrasse zum Einkaufszentrum Karussell sollen ab Montag, 25. Juni, wieder für Autos befahrbar sein. «Diese Entscheidung haben wir im Stadtrat am Dienstag gefällt», erklärte Stadtpräsident Thomas Niederberger bei einer Medieninformation den vorzeitige Stopp der Versuchsphase. Die Ergebnisse der Umfrage zur neuen Verkehrsführung war zuvor noch am runden Tisch, an dem Vertreter des Gewerbes, die Initianten für einen autofreien Boulevard sowie der Quartierverein Bodan beteiligt war, besprochen.

«Ich finde es persönlich bedauerlich, dass wir den Versuch beenden müssen», erklärte Stadtrat Ernst Zülle die Hintergründe. Doch die Rückmeldungen seitens des Gewerbes seien «niederschmetternd» gewesen. Als «Totengräber der Detaillisten» sei die Stadt mit Briefen und Mails bombardiert worden. In den Antworten der Umfrage bei 300 Geschäftsleuten am Boulevard war oft von Umsatzeinbussen die Rede. Rund 90 Prozent der Händler sprachen sich deshalb gegen die derzeitige Verkehrsführung aus. 80 Prozent aller befragten Geschäfte klagten über Verkaufsrückgänge. Bei den Haushalten waren die Meinungen geteilt. 48 Antworten konnte die Stadt auswerten, eine eindeutig Steigerung der Aufenthaltsqualität auf dem Boulevard bei den Einwohner ging aus den Antworten nicht hervor. Zwar erhielt die Bauverwaltung auch positive Rückmeldungen, vor allem von Velofahrern oder Fussgängern. Gleichzeitig reichte eine Gruppe aus Anwohnern eine Petition mit 173 Unterschriften beim Stadtrat ein, welche eine sofortige Beendigung der Versuchphase verlangte.

Dank und Erleichterung
Stadtrat Thomas Beringer unterstrich dann noch einmal die gravierenden Folgen für die Detaillisten: «Als Ladeninhaber habe ich die Einbussen selbst gespürt», so Beringer. Das Gewerbe sei nun dankbar und erleichtert, dass die Verkehrsführung wieder ihren gewohnten Gang gehe. Der grösste Problempunkt war dann auch nicht die gesperrte nördliche Einfahrt des Boulevards, sondern das Verbindungsstück Schützentrasse zur Sonnenstrasse. «Kunden und auch die Betriebe mussten deswegen viele Kilometer Umweg fahren», gab Beringer die Hürden weiter, mit dem sich das Gewerbe die vergangenen Monate herumschlagen musste.
Neben der Umfrage hat die Bauverwaltung regelmässig Verkehrszählungen vorgenommen. So nahm der Autoverkehr auf dem Boulevard wie erwartet ab. «Von täglich 8500 Fahrzeugen zählten wir nur noch 5500», so Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbau bei der Stadt Kreuzlingen. Dass dieser Verkehr nicht einfach verschwinden würde, war jedoch schon vor Beginn des Versuchs klar. In der Löwenstrasse stieg die Zahl der täglich fahrenden Autos um 20 Prozent an. Auch in der Gutenberg-, National-, und Schützenstrasse mass die Bauverwaltung eine Zunahme des motorisierten Verkehrs. «Besonders zu Stosszeiten bildeten sich dadurch Staus in den Quartieren», erläuterte Nöthiger die Beobachtungen.

5000 Autos bleiben das Ziel

Stadtrat Ernst Zülle (stehend), beschreibt Stadtrat Thomas Beringer (v.l.), Stadtpräsident Thomas Niederberger und Sandro Nöthiger, Leiter Tiefbauamt Kreuzlingen, die Problematik mit dem Verkehr auf der Hauptstrasse. (Bild: ek)

«Unter diesen Umständen sehen wir für dieses Verkehrsregime keine Zukunft», stellt Stadtpräsident Niederberger klar. Dennoch bekenne sich der Stadtrat zum Boulevard als Begegnungszone und wird mit anderen Massnahmen versuchen, diesen in Zukunft attraktiv zu gestalten. Das Ziel sei es immer noch, den Verkehr auf dem Boulevard unter 5000 Fahrzeuge am Tag zu halten. «Nur wollen wir dies nun nicht mit Verbotstafeln sondern gestalterischen Mitteln erreichen», erklärt Zülle den neuen Ansatz. Ein Verkehrskonzept zur Erschliessung des neuen Stadthauses liege bereits in der Schublade. Ein neuer Busbahnhof sei bereits angedacht und die Sanierung der Löwenstrasse stehe bevor. «Damit können wir die Einfallstrassen zum Boulevard neu gestalten.» Die Versuchsphase und die daraus gezogenen Erkenntnisse bereut der Stadtrat nicht. Der runde Tisch, welcher zu einem Rückzug der Initiative «für einen autofreien Boulevard» führe, tagt heute noch. Gemeinsam mit allen Betroffenen soll dort die Zukunft der Kreuzlinger Geschäftsstrasse beschlossen werden. ek

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.