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50 Jahre Engagement für den Gewässerschutz

Bodensee – Die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Bodensee-Rhein setzt sich für eine naturnahe, sichere und wirtschaftliche Trinkwasserversorgung ein

Die drei Präsidenten der AWBR, Prof.
Dr. Matthias Maier aus Deutschland, Marc Thieriot aus Frankreich und Roman
Wiget aus der Schweiz (v.l.n.r.), beim Festakt am 15. Juni in Konstanz.

Wasser ist ein lebenswichtiges Gut, das durch nichts ersetzt werden kann. Doch die Wasservorkommen sind durch zivilisatorische Einwirkungen gefährdet. Um sie als Basis für die Trinkwasserversorgung zu erhalten, waren und sind große Anstrengungen nötig. Die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) widmet sich mit ihren Experten und Untersuchungen seit 50 Jahren länderübergreifend dieser Aufgabe. Sie wurde im Juni 1968 hier in Konstanz von 18 Wasserwerken aus Süddeutschland und der Schweiz gegründet. Heute hat sie rund 60 Mitgliedsunternehmen aus fünf Ländern, die zusammen mehr als 10 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgen.

Hauptaufgaben der AWBR sind die Erhaltung der Wasserqualität von Oberflächengewässern und Grundwasservorräten sowie die Beseitigung von Gefahren für die öffentliche Wasserversorgung. Stets bearbeitet die AWBR dabei gemeinsam mit den Behörden aktuelle Fragestellungen und nimmt Stellung zu Normen und Gesetzesvorlagen – von der Gesetzgebung des Landes Baden-Württemberg bis hin zur EU-Gesetzgebung. «Die AWBR ist ein unverzichtbarer Partner für die natürliche, sichere und wirtschaftliche Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser», so Umweltminister Franz Untersteller beim gestrigen Festakt zum Jubiläum in Konstanz.

Ein wesentliches Merkmal der AWBR ist, dass sie sich nicht nur um Themen kümmert, sondern diese stets durch wissenschaftlich fundierte Untersuchungsprogramme begleitet. Ein hochkarätig besetzter wissenschaftlicher Beirat und fachlich versierte Arbeitsgruppen garantieren, dass sowohl die Forderungen als auch die Statements datenbasiert und vertrauenswürdig sind. Darüber hinaus hat die AWBR immer wieder eigene Forschungsprogramme durchgeführt und innovative Verfahren entwickelt, um Probleme zu lösen. Nach 50 Jahren kann die AWBR auf einen beispielhaften Datensatz zur Gewässergüte zurückgreifen, der die Beurteilung der Beschaffenheit in den Oberflächengewässern

Bodensee und Rhein, aber auch die Wasserqualität vieler weiterer Seen und Gewässer in ihrem länderübergreifenden Einzugsgebiet charakterisiert. Die Stellungnahmen, Pressemitteilungen und Veröffentlichungen der AWBR waren und sind für Mitgliedsunternehmen und Behördenvertreter wichtige Informationsquellen für alle Fragen des Gewässerschutzes.

Seit 1968 hat sich im Gewässerschutz viel verändert, einige Missstände konnten beseitigt werden. Es sind heutzutage nicht mehr die Chlorid- und Phosphatfrachten, die den Wasserversorgern Sorgen bereiten, sondern andere, teilweise viel komplexere Fragestellungen. Neben Spurenstoffen in den Gewässern wie Arzneimittelwirkstoffe, Lösemittel und zahlreiche
Industriechemikalien gibt es immer noch Probleme mit Nitrat und Rückständen von Pflanzenschutzmitteln. Auf Fragen zu Mikroplastik, multiresistenten Keimen oder Chemikalien wie TFA gibt es in der Regel keine schnellen Antworten. Heute stellt häufig nicht mehr die industrielle Produktion das Hauptproblem dar, sondern die tägliche und weitverbreitete Verwendung problematischer Stoffe in Industrie, Gewerbe und Haushalten, die zu erheblichen Eintragungen in die Umwelt und die Gewässer führen. Der Fortschritt der Analytik, die Bewertung von Spurenstoffen, die Verzahnung mit anderen Rechtsgebieten – all dies macht die Arbeit der AWBR schwieriger. Aber diese macht den Anspruch der AWBR im Grunde auch aus: nämlich für Fragen der sicheren Trinkwasserversorgung Antworten zu geben, die auf der Höhe der Zeit sind und den Mitgliedsunternehmen und Bürgern weiterhelfen.

Deshalb ist es für die AWBR nach wie vor wichtig, die Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung vor anderen Nutzungen einzufordern. Auch bei Einleitungen in Gewässer muss der Ressourcenschutz Vorrang vor rein wirtschaftlichen Interessen haben. Mancherorts bleibt eine standortangepasste und gewässerschonende Landwirtschaft eine wichtige Forderung, die nur mit einer nachhaltigen Agrarwende zu schaffen ist. Die AWBR wird auch zukünftig mit fachlich fundierten Beiträgen die öffentliche Diskussionen begleiten, daten- und faktenbasierte Statements abgeben, Lösungsvorschläge unterbreiten und Forderungen stellen sowie beratend für Wasserversorger und Behörden agieren.

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